© Pixel-shot – stock.adobe.com Bei knappen Impfstoffmengen sollen gefährdete Personen Vorrang haben. Zudem kritisiert der Rechnungshof Lücken bei der Dokumentation der Gratisimpfungen.
Für das Öffentliche Impfprogramm (ÖIP) stehen in der Finanzausgleichsperiode 2024 bis 2028 insgesamt 450 Millionen Euro zur Verfügung. Da das Budget die Zahl der beschafften Impfdosen begrenzt, empfiehlt der Rechnungshof (RH), die Impfungen stärker auf Risikogruppen auszurichten und das Impfangebot regelmäßig zu evaluieren. Eine Priorisierung könne auch bei Lieferengpässen sinnvoll sein. Aktuell verzögert sich die Lieferung von 868.000 Dosen des Grippeimpfstoffs Influvac: Statt im Oktober sollen sie erst Ende November verfügbar sein. Das Gesundheitsministerium will deshalb ebenfalls vulnerable Personen bei der Influenza-Impfung priorisieren.
In den Grippesaisonen 2023/24 und 2024/25 konnten laut RH rund eine Million beziehungsweise 1,25 Millionen Impfdosen beschafft werden. Ob das Gratisprogramm die Impfbereitschaft und Durchimpfungsrate tatsächlich erhöht hat, lasse sich mangels aussagekräftiger Daten nicht beurteilen. In beiden Saisonen war rund ein Drittel der maximal verimpfbaren Dosen nicht im e-Impfpass eingetragen. Der RH verweist auf Ausnahmen von der Dokumentationspflicht, die im Sommer 2026 wieder abgeschafft wurden. Zudem kamen Ärzt:innen ihrer Eintragungspflicht nicht durchgehend nach.
Auch bei der kostenlosen Gürtelrose-Impfung überstieg die Nachfrage die Erwartungen. Die Kontingente waren jeweils binnen weniger Tage ausgeschöpft. Für die Bedarfsplanung hatte man sich zuvor an den Durchimpfungsraten in Deutschland orientiert. Doch die Nachfrage war hierzulande deutlich höher. Weiters kritisierte der Rechnungshof auch die medial ausgetragenen Konflikte zwischen dem Gesundheitsministerium und den Ärztekammern.
Die Grünen sehen in der hohen Nachfrage einen Beleg für den Erfolg des Impfprogramms, fordern aber verlässliche Daten. Wie viele Impfungen tatsächlich verabreicht wurden, wisse bis heute niemand, kritisiert Grünen-Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner. „Es ist absurd, dass wir ein öffentlich finanziertes Programm nicht bewerten können, weil sich ein Teil der Ärzteschaft jahrelang um die Dokumentation gedrückt hat.“ Zudem wollen die Grünen weitere Impfungen wie die kostenlose HPV-Nachholimpfung für 21- bis 30-Jährige dauerhaft im ÖIP absichern. NEOS-Gesundheitssprecher Christoph Pramhofer bekräftigte den Vorstoß des Rechnungshofs, gefährdete Personen bei öffentlich finanzierten Impfungen klar erkennbar vorzureihen. (tab)