Motivbild © Krakenimages.com - stock.adobe.com Zeitdruck, Erschöpfung und psychische Erkrankungen nehmen unter Beschäftigten zu. Eine neue EU-Kampagne rückt nun auch in Österreich die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz in den Fokus.
44 Prozent der Beschäftigten in der EU leiden unter starkem Zeitdruck oder Arbeitsüberlastung, 37 Prozent berichten von allgemeiner Erschöpfung. Bei 29 Prozent wurden Stress, Depressionen oder Angstzustände durch die Arbeit verursacht oder verstärkt. Das geht aus der Erhebung „OSH Pulse 2025“ der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hervor. „Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist nicht nur ein individuelles Anliegen – sie beeinflusst auch Produktivität, Mitarbeiter:innenbindung und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen“, betont Beate Wimmer-Puchinger, Präsidentin des Berufsverbands Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP). Entscheidend sei daher, nicht nur die einzelnen Beschäftigten in den Blick zu nehmen, sondern Arbeitsbedingungen und Organisationsstrukturen gezielt zu verbessern.
Vor diesem Hintergrund hat das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) am Dienstag die EU- Kampagne „Gemeinsam für psychische Gesundheit bei der Arbeit“ in Österreich gestartet. Beteiligt daran sind Expert:innen aus Arbeitnehmerschutz, Wirtschaft und Interessenvertretungen – darunter auch der BÖP, der auf die Arbeits- und Organisationspsychologie als konkreten Ansatzpunkt verweist: Fachleute dieses Bereichs analysieren Arbeitsbedingungen sowie Motivations- und Demotivationsfaktoren und entwickeln gemeinsam mit den Beschäftigten konkrete Verbesserungen. Zudem begleiten sie Führungskräfte und Teams bei Konflikten und unterstützen bei der Burnout-Prävention, beim Umgang mit psychischen Belastungen, bei der Prävention sexueller Belästigung sowie bei der Gestaltung einer gesundheitsförderlichen Arbeitskultur.
„Denn gesunde Arbeit stärkt nicht nur die Menschen, sie ist auch eine wesentliche Grundlage für nachhaltigen Unternehmenserfolg“, so Wimmer- Puchinger. Die Kampagne sei ein wichtiger Schritt, reiche allein aber nicht aus. Instrumente wie die betriebliche Gesundheitsförderung und die gesetzlich vorgeschriebene Evaluierung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz würden bislang nicht ausreichend umgesetzt. Der BÖP fordert darüber hinaus, die Arbeits- und Organisationspsychologie im Psychologengesetz zu verankern und die Arbeitspsychologie als dritte Säule im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG) zu etablieren. (tab)