© Med Uni Graz/Lunghammer Dass das Impfen in den Apotheken 2027 möglich werden soll, sorgt für gespaltene Reaktionen. Kritik kommt vor allem aus der Ärztekammer.
Wie berichtet, darf nach jahrelangem Ringen um die Impffreigabe für Apotheken ab 2027 wie in vielen anderen europäischen Ländern auch hierzulande in den Apotheken geimpft werden. Aber nur mit den Totimpfstoffen gegen FSME, Hepatitis B, Diphterie-Tetanus-Keuchhusten und Diphterie-Tetanus-Keuchhusten mit Polio. Also mit Impfungen, die in den Apotheken gekauft werden müssen und selbst zu bezahlen sind. Der dafür nötige Ministerratsbeschluss wurde am Mittwoch gefasst, die erforderlichen Regelungen wurden bereits in die Begutachtung geschickt. Kaum war dieser Schritt publik geworden, sorgte er auch schon für Debatten.
Von der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) wurde die Impffreigabe heftig kritisiert. „Es ist zu kurz gedacht, dass dadurch die Impfraten gesteigert werden, zumal beispielsweise die FSME-Impfung eine der beliebtesten Impfungen in Österreich ist“, erklärte ÖÄK-Präsident Johannes Steinhart und ergänzte: „Es ist ganz offensichtlich, dass hier wirtschaftliche Überlegungen der Apotheken im Vordergrund stehen, und es sich um keine gesundheitspolitische Maßnahme in der Präventionsmedizin handelt.“
Seitens der Österreichischen Apothekerkammer (ÖAK) wurde die Entscheidung für das Impfen in den Apotheken zwar begrüßt, man kritisierte aber, dass nicht alle Totimpfstoffe verimpft werden dürfen. „Mit dem vorliegenden Gesetzesentwurf schränkt die Politik das Potenzial der Apotheken ein und lässt Chancen für höhere Durchimpfungsraten ungenutzt“, erklärte der 2. Vizepräsident der ÖAK Gerhard Kobinger. „Vor allem die Influenza-Impfung wäre dringend hinzuzufügen“, meinte Susanne Ergott-Badawi, ÖAK-Präsidiumsmitglied. Überall, wo die Grippe-Impfung in Apotheken möglich sei, sei die Durchimpfungsrate gestiegen, und in Deutschland, wo die Impffreigabe in Apotheken zunächst ebenfalls nur auf einige Impfungen beschränkt war, wurde die Beschränkung wieder aufgehoben. Ergott-Badawi: „Es wäre einfach fahrlässig, in Österreich einen Weg einzuschlagen, den Deutschland bereits korrigieren musste.“
ÖVP-Gesundheitssprecherin Juliane Bogner-Strauss begrüßte die Regelung. „Mit der Möglichkeit, künftig auch in Apotheken Impfungen durchführen zu lassen, setzen wir einen weiteren Schritt zu einer modernen bürgernahen Gesundheitsversorgung“, sagte sie. Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) begrüßte den Beschluss ebenfalls. „Gerade für ältere Menschen ist es wichtig, einen wohnortnahen und unkomplizierten Zugang zu Impfungen zu haben“, sagte PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer. Sie forderte aber zugleich verbindliche Sicherheitsstandards und mehr kostenlose Schutzimpfungen. Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec zeigte sich uneingeschränkt erfreut über die Neuerung. „Das Impfen in Apotheken spart Zeit, Mühe und entlastet Ärzt:innen“, sagte sie und meinte, der Schritt wäre „überfällig“ gewesen. Auch die Wiener NEOS-Gesundheitssprecherin Jing Hu, die selbst Apothekerin ist, freute sich über den Ministerratsbeschluss, mit dem eine langjährige Forderung der NEOS umgesetzt worden sei. Hu: „Wer sich schützen möchte, soll das möglichst einfach ohne zusätzliche Wege tun können.“
Zustimmung kommt auch von der Opposition. Der freiheitliche Gesundheitssprecher und Vorsitzende des parlamentarischen Gesundheitsausschusses Gerhard Kaniak bezeichnete die Ankündigung als einen „Schritt in die richtige Richtung“, der jedoch in seiner Umsetzung „völlig unzureichend“ sei: „Wenn das der große Wurf in der groß angekündigten Gesundheitsreform sein soll, ist das eindeutig zu wenig.“ Er fordert eine Erweiterung des Impfangebotes in Apotheken auf alle gängigen Standardimpfungen. „Was hat da eigentlich so lange gedauert?“, fragt der Gesundheitssprecher der Grünen, Ralph Schallmeiner. „Unser fix fertiger Gesetzesantrag liegt seit März 2025 im Parlament. Den Entwurf würden die Grünen in der Begutachtung genau prüfen. „Wichtig ist uns, dass das Angebot leicht und rasch ausgeweitet werden kann, und zwar auf dem Verordnungsweg durch die zuständigen Minister:innen. Wir sehen in den heute präsentierten Impfungen einen guten Beginn, aber sicher nicht das Ende der Fahnenstange“, betont Schallmeiner. Ganz oben auf der Liste stehen für ihn die Grippe- und die HPV-Impfung. (sst)