Diagnose: Bronchialkarzinom

Lebensqualität durch Kooperation

Das Lungenkarzinom ist bei Frauen nach wie vor die dritt-, bei Männern die zweithäufigste maligne Tumorerkrankung. In der kurativen Situation ist die Koordination der Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachdisziplinen wie der Thoraxchirurgie, der Strahlentherapie, der Onkologie, der Pulmologie und der Pathologie essenziell. Leider ist mehr als die Hälfte der Patienten bei Diagnosestellung in einer Palliativsituation, jedoch gibt es auch hier mit Immuntherapie und zielgerichteter Therapie wichtige neue Behandlungsmöglichkeiten.

Lungenkrebsscreening

Die Prognose des Lungenkarzinoms ist stadienabhängig. Ergebnisse von Studien zum Thema Lungenkrebsscreening (NLST, NELSON) zeigen eindeutig, dass Lungenkrebs durch regelmäßige Low-Dose-Computertomografien von schweren Rauchern und Ex-Rauchern wesentlich häufiger in den kurativen Stadien I und II diagnostiziert wird. Dadurch kann die Mortalität von Lungenkrebs um fast ein Viertel reduziert werden. Die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und die Österreichische Röntgengesellschaft (OERG) nahmen sich des Themas Früherkennungsprogramm mit der Bildung einer „Task Force Lungenkrebsscreening“ an.
Zur Hochrisikogruppe für ein Lungenkarzinom gehören Menschen über 50, die über 30 Jahre täglich mindestens 10 Zigaretten oder über 25 Jahre mindestens 15 Zigaretten geraucht hatten bzw. die in den vorangegangenen 10 Jahren zu rauchen aufhörten. Hier kann ein Low-Dose-CT als Screening empfohlen werden – dies sollte aber unbedingt mit einer Raucherentwöhnung verbunden werden. Es gilt zu bedenken, dass mit einer Zunahme der CT-Untersuchungen auch Risiken wie eine hohe Rate falsch positiver Befunde und Komplikationen invasiver Diagnostik verbunden sind.

Begleitung während kurativer Therapie

In den Stadien I und II sowie z. T. auch im Stadium III besteht ein kurativer Therapieansatz. Nach Diagnosestellung sollte eine interdisziplinäre Diskussion des Patienten in einem Tumorboard erfolgen und die Therapie festgelegt werden. Neben der Operation ist die Chemotherapie (ausgenommen sehr frühe Stadien) ein wesentlicher Bestandteil des kurativen Konzeptes. Vorab und während einer Chemotherapie müssen im niedergelassenen Bereich Laboruntersuchungen durchgeführt werden, die Verabreichung von G-CSF und auch die Anpassung einer antiemetischen Therapie sind oftmals notwendig. Vielfach ist der Hausarzt bei Komplikationen, wie z. B. Infekten und Nebenwirkungen, der erste Ansprechpartner der Patienten und eine intensive Zusammenarbeit mit der betreuenden onkologischen Abteilung daher wichtig.
Nach einer durchgemachten Lungenkrebserkrankung ist die Überweisung zu einer onkologischen Rehabilitation sinnvoll.

Begleitung während palliativer Therapie

Neben der Unterstützung bei palliativen tumorspezifischen Therapien ist zusätzlich die Schmerzeinstellung, die Verabreichung von Bisphosphonaten, die Behandlung der Dyspnoe und auch die psychologische Betreuung des Patienten und seiner Angehörigen erforderlich.
Die palliativen Therapiemöglichkeiten des Lungenkarzinoms entwickelten sich in den letzten Jahren maßgeblich weiter. Nahezu jeder Patient, der für eine tumorspezifische Therapie tauglich ist, erhält im Verlauf seiner Erkrankung eine Immuntherapie mit einem Checkpoint-Hemmer als Monotherapie oder in Kombination mit Chemotherapie. Für die Verabreichung einer Immuntherapie ist vorab eine vollständige Laboruntersuchung notwendig, die in der Regel beim Hausarzt erfolgt. Auch bei Nebenwirkungen unter Immuntherapie ist der Hausarzt oftmals der erste Ansprechpartner. Diese Nebenwirkungen unterscheiden sich deutlich von jenen unter Chemotherapie und können mitunter auch nach Ende einer Immuntherapie auftreten. Bei Verdacht auf immunassoziierte Nebenwirkungen sollte die betreuende Abteilung frühzeitig verständigt werden. Eine Untergruppe von Patienten, vor allem junge Patienten und Nieraucher, hat bei Diagnosestellung eine aktivierende Treibermutation (ca. 15 % der Patienten mit Adenokarzinom der Lunge). Diese Patienten erhalten eine zielgerichtete Tumortherapie, oftmals mit einem Tyrosinkinase-Hemmer. Nahezu alle dieser Therapien werden oral eingenommen und haben ein sehr heterogenes Bild an Nebenwirkungen, die häufigste sind Hauttoxizitäten. Da viele dieser Therapien unter anderem zu QT-Verlängerungen führen, ist bei der Verordnung von weiteren Medikamenten – v. a. bei einer oralen Antibiotikatherapie – eine Rücksprache empfehlenswert.

Interdisziplinarität als Schlüssel

Der Hausarzt kennt die Patienten und ihr soziales Umfeld oftmals schon vor der Diagnose einer Krebserkrankung. Dieses langjährige Vertrauensverhältnis kann in Spezialambulanzen oder Kliniken nicht ersetzt werden und ist maßgeblich für die Unterstützung in der palliativen Situation. Der Allgemeinmediziner ist mit Hausbesuchen näher am Patienten und kann mit Beratung und Begleitung sowohl den Patienten als auch seine Angehörigen psychologisch unterstützen.
Besonders wichtig ist der frühe Einsatz von palliativmedizinischen Maßnahmen. Eine adäquate Schmerzeinstellung ist zum Erhalt der Lebensqualität der Patienten essenziell. Hierzu kann dem Patienten und dem Hausarzt die Unterstützung durch mobile Palliativteams angeboten werden, die auf eine Betreuung im häuslichen Umfeld spezialisiert sind. Einer notwendigen Hospitalisierung des Patienten soll dadurch vorgebeugt werden. Eine Anbindung an ein mobiles Palliativteam sollte bereits früh in der Palliativsituation erfolgen, damit tumorspezifische Therapien und „best supportive care“ gemeinsam zum Einsatz kommen können.

Drehscheibe: Patient → Hausarzt → Facharzt → Zentrum

Verdachtsdiagnose

  • Raucher oder Ex-Raucher
  • länger anhaltender Husten (Raucherhusten, der sich plötzlich ändert)
  • Dyspnoe
  • Hämoptysen
  • blutig tingiertes Sputum
  • Schmerzen im Brustkorb
  • Bronchitis und Lungenentzündung, die sich trotz Antibiotika nicht bessert

Häufigste Nebenwirkungen

Chemotherapie:
  • Neutropenie/Anämie/Thrombopenie
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Obstipation/Diarrhö
  • erhöhtes Infektrisiko
Immuntherapie:
  • Hypo-/Hyperthyreose
  • Colitis
  • Pneumonitis
  • Nephritis
  • Hepatitis
zielgerichtete Therapie:
(je nach Substanz sehr unterschiedlich)
  • Hauttoxizität
  • Stomatitis
  • Diarrhö
  • QT-Verlängerung

Weiterbehandlung nach Spitalsentlassung

  • Nach einer durchgemachten Lungenkrebserkrankung ist die Überweisung zu einer onkologischen Rehabilitation sinnvoll.
  • Neben palliativen tumorspezifischen Therapien sind zusätzlich Schmerzeinstellung, Verabreichung von Bisphosphonaten, Behandlung der Dyspnoe sowie psychologische Betreuung des Patienten und seiner Angehörigen erforderlich.