Eine Metaanalyse randomisiert kontrollierter Studien

Krebs ist ein weltweites Gesundheitsproblem mit hohen Erkrankungs- und Sterberaten. Besonders in fortgeschrittenen Stadien sind Betroffene mit einer deutlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, Schmerzen, belastenden Entscheidungen und der Auseinandersetzung mit Endlichkeit und Todesangst konfrontiert, was depressive Symptome begünstigen kann. Das Zusammenspiel von Todesangst und Depression beeinträchtigt zudem die Lebensqualität erheblich. Psychosoziale Interventionen zur Aufklärung über Tod und Sterben haben sich als wirksam erwiesen, um diese Belastungen zu mindern.

Studienziel

Ziel der Studie war, 1. den Stand der Interventionen zur Aufklärung über Tod und Sterben bei Menschen mit fortgeschrittenem Krebs zu untersuchen, 2. ihre Wirksamkeit zu quantifizieren und 3. Subgruppenanalysen durchzuführen, um die Auswirkungen unterschiedlicher Bedingungen auf den Erfolg dieser Interventionen zu erforschen.

Methodik

Die Literaturrecherche erfolgte in den Datenbanken PubMed, CINAHL, CENTRAL, Web of Science, Embase, PsycINFO, CBM, VIP, CNKI sowie Wanfang, und eine Referenzlistensuche wurde durchgeführt. Eingeschlossen wurden englisch- und chinesischsprachige Studien, die Interventionen zur Aufklärung über Sterben und Tod bei Erwachsenen mit fortgeschrittenem Krebs untersuchten. Nach unabhängigem Screening von Titel, Abstracts und Volltexten wurde die Qualität der Studien anhand des Cochrane risk of bias tool 2 eingeschätzt, diese reichte von geringem bis hohem Risiko für Verzerrungen.

Wesentliche Ergebnisse

Insgesamt wurden 19 randomisiert kontrollierte Studien, die in acht Ländern (China, USA, Kanada, Schweiz, Iran, Niederlande, Nigeria, UK) zwischen 2010 und 2024 durchgeführt wurden, in die Metaanalyse einbezogen. Die Stichprobe bestand aus 1.531 Personen mit fortgeschrittenem Krebs (diverse Arten). 47 % der Teilnehmenden waren männlich, das Alter war zwischen 48 (12,6) und 65 (9,83) Jahren. Die Interventionsdauer betrug zwischen einem Tag und vier Monaten. Die Interventionsorte lagen bei 13 Studien in professionellen Settings (Spital, Hospiz) und bei fünf Studien in häuslichen bzw. gemeinschaftlichen Umgebungen. Zu den eingesetzten Interventionen zur Aufklärung über Sterben und Tod zählten narrative Therapie, würdezentrierte Therapie, Lebensrückblicktherapie (jeweils n = 4), sinnzentrierte Therapie (n = 6) und kognitive Verhaltenstherapie (n = 1).
Interventionen zur Aufklärung über Sterben und Tod erleichterten Todesangst bei Menschen mit fortgeschrittenem Krebs signifikant (SMD = −2,11, 95%-KI: −5,91 bis −0,89, p = 0,008, I2 = 97 %, 3 Studien).
Zudem verbesserten Interventionen zur Aufklärung über Sterben und Tod Depressionen bei Menschen mit fortgeschrittenem Krebs signifikant (SMD = −0,45, 95%-KI: −0,72 bis −0,18, p = 0,001, I2 = 78%, 12 Studien). Die Interventionen waren sowohl im professionellen Setting als auch zu Hause oder in der Gemeinschaft wirksam, im spezialisierten Setting jedoch wirksamer (SMD = −0,49; 95%-KI: −0,83 bis −0,15; p = 0,005; I² = 84 %) als im häuslichen oder gemeinschaftlichen Setting (SMD = −0,29; 95%-KI: −0,57 bis −0,01; p = 0,04; I² = 0 %). Sowohl kurzfristige (≤ 8 Wochen) als auch langfristige Interventionen (> 8 Wochen) trugen zur Verbesserung von Depressionen bei. Dabei waren langfristige Interventionen (SMD= −0,45; 95%-KI: −0,85 bis −0,04; p= 0,007; I² = 85 %) wirksamer als kurzfristige (SMD = −0,49; 95%-KI: −0,85 bis −0,12; p= 0,008; I² = 83 %). Depressionen bei Personen über 60 Jahre konnten nicht signifikant verbessert werden (SMD = −0,53; 95%-KI: −1,42 bis 0,37; p = 0,25; I² = 91 %), während sie bei Personen im Alter von 60 Jahren oder jünger deutlich verringert wurden (SMD = −0,38; 95%-KI: −0,58 bis −0,18; p = 0,0002; I² = 52 %). Die Subgruppenanalyse hinsichtlich Einbeziehung dyadischer Beziehungen mit Betreuungspersonen zeigte, dass Depressionen bei Personen, die von Familienmitgliedern begleitet wurden, nicht signifikant verbessert wurden (SMD = −0,45; 95%-KI: −0,95 bis 0,05; p = 0,07; I² = 34 %). Bei Personen mit fortgeschrittenem Krebs, die nicht von Familienmitgliedern begleitet wurden, verbesserten sich die Depressionen jedoch signifikant (SMD = −0,45; 95%-KI: −0,76 bis −0,15; p < 0,00001; I² = 81%).
Die Ergebnisse zeigten, dass Interventionen zur Aufklärung über Sterben und Tod die Lebensqualität von Personen mit fortgeschrittenem Krebs signifikant verbessern konnten (SMD = 0,86; 95%-KI: 0,39 bis 1,33; p = 0,0003; I² = 90 %, 11 Studien), sowohl in professionellen Einrichtungen als auch zu Hause oder in der Gemeinschaft. Die Wirkung in professionellen Einrichtungen (SMD =  0,97; 95%-KI: 0,28 bis 1,66; p= 0,006; I² = 92 %) war stärker als zu Hause oder in der Gemeinschaft (SMD = 0,76; 95%-KI: 0,13 bis 1,4; p = 0,02; I² = 81 %). Sowohl kurz- (≤ 8 Wochen) als auch langfristige Interventionen (> 8 Wochen) verbesserten die Lebensqualität. Langfristige Interventionen (SMD= 0,92; 95%-KI: 0,44 bis 1,39; p= 0,0001; I² = 18 %) waren dabei wirksamer als kurzfristige (SMD= 0,88; 95%-KI: 0,32 bis 1,43; p= 0,002; I² = 91 %). Interventionen zur Aufklärung über Sterben und Tod verbesserten die Lebensqualität bei Personen über 60 Jahre nicht signifikant (SMD = 0,2; 95%-KI: −0,10 bis 0,49; p= 0,19; I²= 0 %), während bei Personen von 60 Jahren und jünger eine signifikante Verbesserung festgestellt wurde (SMD = 1,01; 95%-KI: 0,37 bis 1,65; p = 0,002; I² = 91 %). Die Subgruppenanalyse zur Einbeziehung dyadischer Beziehungen mit Betreuungspersonen zeigte, dass die Verbesserung der Lebensqualität bei Personen mit fortgeschrittenem Krebs, die von Familienmitgliedern begleitet wurden (SMD= 1,34; 95%-KI: 0,89 bis 1,79; p < 0,00001; I²= 49 %), größer war als bei Personen ohne Familienbegleitung (SMD = 0,69; 95%-KI: 0,14 bis 1,24; p= 0,01; I² = 90 %).

Schlussfolgerungen

Diese Metaanalyse zeigt, dass Interventionen zur Aufklärung über Sterben und Tod bei Personen mit fortgeschrittenem Krebs Todesangst und Depressionen signifikant reduzieren und die Lebensqualität verbessern können. Interventionsort, Dauer, Alter der Teilnehmenden sowie die Begleitung durch Betreuungspersonen können den Erfolg der Intervention beeinflussen. Daher sollten Interventionen zur Aufklärung über Sterben und Tod an die jeweilige Situation und den kulturellen Kontext angepasst werden. Insbesondere bei älteren, schwerkranken Menschen mit Krebs können Maßnahmen, die eine positive und sinnstiftende Auseinandersetzung mit dem Lebensende fördern – etwa durch das Erzählen und Teilen von Lebensgeschichten –, sowie der stärkere Einbezug von Betreuungspersonen wesentlich zum seelischen Wohlbefinden und zur Lebensqualität beitragen.
Weitere Forschung sollte Strategien entwickeln, um die Interventionen sowohl für Betroffene als auch für Angehörige und Fachpersonen zu optimieren, beispielsweise durch kulturspezifische Programme.

Fazit

Die Metaanalyse von Su, Zhang und Hu (2025) verdeutlicht das Potenzial von Interventionen zur Aufklärung über Sterben und Tod, Todesangst und Depressionen zu mindern und die Lebensqualität von Erwachsenen mit fortgeschrittenem Krebs zu verbessern. Entscheidend ist dabei, die Interventionen kontext- und kultursensibel zu gestalten, da das Thema Tod in vielen Gesellschaften weiterhin tabuisiert ist und eine offene Auseinandersetzung erschwert. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, Aufklärungsprogramme in der Palliative Care zu verstetigen, die kultursensible, altersgerechte und beziehungsorientierte Ansätze verfolgen und dabei Betroffene, ihre Angehörigen, die Öffentlichkeit sowie Fachpersonen einbeziehen.

Originalpublikation: Su Y et al., Journal of Nursing Scholarship 2025; 1–16. DOI: org/10.1111/jnu.70037n