RECaN-Projekt

Hintergrund: Fortschritte in Forschung und Technologie sowie erhöhte Krebsinzidenzen und Prävalenzen ließen die Anforderungen an Pflegefachpersonen in der Versorgung von Menschen mit einer Krebserkrankung stetig ansteigen. Um den wachsenden Anforderungen und Erwartungen gerecht werden zu können, gewann die Rolle der Cancer Nurse immer mehr an Bedeutung. Cancer Nurses führen zunehmend komplexe Interventionen durch, die im Rahmen von laufenden klinischen Studien der Krebsforschung zum Einsatz kommen. Aufgrund der mangelnden Berichterstattung und Veröffentlichung ist wenig über die Art der neuartigen Interventionen, die derzeit von Cancer Nurses entwickelt oder durchgeführt werden, bekannt.

Ziel war die Identifikation der verfügbaren Evidenz aus klinischen Studien zu Interventionen, die von Cancer Nurses entwickelt oder durchgeführt wurden.

Auswahlkriterien: Es wurde eine systematische Literaturrecherche nach randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), Quasi-RCTs und kontrollierten Vorher- Nachher-Studien zu Cancer-Nursing-Interventionen durchgeführt. Die Studien zielten darauf ab, die Erfahrungen und Outcomes von Menschen mit einer Krebserkrankung zu verbessern.

Datenerhebung und -analyse: Zehn elektronische Datenbanken (CENTRAL, MEDLINE, AMED, CINAHL, EMBASE, Epistemonikos, CDSR, DARE, HTA, WHO ICTRP) wurden durchsucht. Es wurden keine Einschränkungen nach Sprache vorgenommen. Zusätzlich wurde eine händische Suche in Referenzlisten ausgewählter Studien und relevanter Cochrane Reviews durchgeführt.

Wesentliche Ergebnisse: Von 22.450 Treffern wurden 214 Publikationen (247.550 Teilnehmende) eingeschlossen. In 153 Studien wurde die Intervention von Cancer Nurses geleitet, und in 61 Studien wirkten Cancer Nurses in einem multidisziplinären Team unterstützend in der Durchführung. Die Mehrheit der Studien wurde in Europa (n = 79) und in den USA (n = 74) durchgeführt. Die Interventionen kamen während allen Phasen des Cancer Care Continuums zum Einsatz, wobei die meisten während der Behandlung Anwendung fanden (n = 137). Die Interventionen wurden den Kategorien der OMAHA-Klassifikation „Case Management“ (n = 38), „Beobachtung“ (n = 27), „Information, Be ratung und Begleitung“ (n = 131) und „Behandlung und pflegerische Maßnahmen“ (n = 18) zugeordnet. Hinsichtlich der Art der onkologischen Erkrankung fokussierten die meisten Interventionen auf PatientInnen mit zwei oder mehreren onkologischen Erkrankungen (n = 75) und auf jene mit Brustkrebs (n = 50).

Schlussfolgerungen der StudienautorInnen: Cancer Nurses führen zunehmend komplexere Interventionen durch und nehmen verschiedenen Rollen im onkologischen Versorgungskontinuum ein. Die vielfältigen Interventionen und Rollen erfordern neben Forschungskompetenz umfangreiche klinische Expertise in den verschiedenen Fachgebieten der onkologischen Behandlung. Zur Bündelung der verstreuten Wissensressourcen und zur Deckung des Bedarfs an kostengünstigen Innovationen soll eine bessere Abbildung und Sichtbarkeit der Beiträge von Cancer Nurses erreicht werden. Durch die Initiierung und Umsetzung dieses Reviews durch die European Oncology Nursing Society konnte die Relevanz für den europäischen Raum aufgezeigt werden. Angesichts des weltweit steigenden Bedarfs an onkologischen Versorgungsangeboten wäre es wünschenswert, dass diese Erkenntnisse auch globale Beachtung erfahren.

AHOP-Fazit: Der Scoping Review des RECaN-Projekts (Recognising European Cancer Nursing) der European Oncology Nursing Society (EONS) vermittelt erstmals einen Überblick über die globale Vielfalt an Cancer-Nursing-Interventionen sowie Cancer-Nursing-Rollen und macht dadurch die hohe Relevanz für die Praxis deutlich. Aufgrund der sorgfältigen und großflächigen Literaturrecherche kann für die generierten Daten eine hohe Qualität angenommen werden. Durch die Zuordnung der identifizierten Interventionen in die Phasen des Cancer-Care-Continuums und der Klassifikation nach Interventionsart wird zusätzlich die Übertragbarkeit in die Praxis unterstützt.

 

AutorIn: Jasmin Meichlinger, MSc

Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin, FHS St. Gallen


AutorIn: Mag. Dr. phil. Andrea Kobleder

Projektleiterin und Studiengangsleiterin MAS Palliative Care, FHS St. Gallen


AHOP-News 02|2019

Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft hämatologischer und onkologischer Pflegepersonen in Österreich (AHOP)
Publikationsdatum: 2019-12-18