Erste Hilfe bei Verhütungspannen

Die Gründe für eine Notfallverhütung sind vielfältig: kleine Pannen beim Geschlechtsverkehr wie ein gerissenes Kondom, die vergessene Antibabypille, Unachtsamkeiten wie das Vergessen des Präservativs, aber auch pharmazeutische Indikationen, wie zum Beispiel die gleichzeitige Einnahme von Antibiotika, falls es dabei zu Nebenwirkungen kommt. Der Verhütungsschutz ist zudem beeinträchtigt, wenn bei reinen Gestagen-Präparaten („Minipille“) das 24-Stunden-Einnahmeintervall um drei Stunden überschritten ist. Bei Kombinationspräparaten ist eine Substitution der vergessenen Tablette innerhalb von zwölf Stunden möglich. Im Fall einer Überschreitung von 24 Stunden besteht vermutlich kein Verhütungsschutz mehr. Und ganz plötzlich ist sie dann da: die Sorge bezüglich einer ungewollten Schwangerschaft. Ist ein UPSI (Unprotected Sexual Intercourse) geschehen und die Pille danach angezeigt, sind mehrere Aspekte zu beachten.

Die Wirksamkeit der postkoitalen Kontrazeption ist umso größer, je früher nach dem ungeschützten Verkehr mit der Einnahme begonnen wird, da beide Wirkstoff – sowohl Levonorgestrel als auch Ulipristalacetat – nur vor dem Eisprung wirksam sind. Falls es innerhalb von 3 Stunden nach der Einnahme zu Erbrechen kommen sollte, muss diese wiederholt werden. Durchfall ist in der Regel weniger problematisch, da in den meisten Fällen genügend Wirkstoff resorbiert wird. Wichtig ist auch der Hinweis, dass die Einnahme des Notfallkontrazeptivums auf keinen Fall eine reguläre Verhütungsmethode ersetzt. Die reguläre hormonelle Verhütung sollte am Tag nach der Notfallkontrazeption schemagemäß fortgesetzt werden. Weiters sollte bis zur nächsten Monatsblutung zusätzlich mit einer Barrieremethode verhütet werden.

Schutz an den zwei fruchtbarsten Tagen

Die Pille danach verschiebt den Eisprung um einige Tage nach hinten. Bis dahin sterben die Spermien ab, und eine Befruchtung wird verhindert. Die größte Wahrscheinlichkeit, durch eine Verhütungspanne schwanger zu werden, besteht an den zwei Tagen vor dem Eisprung. In dieser Hinsicht besteht bei der Einnahme von Ulipristalacetat ein Vorteil: Während Levonorgestrel den Eisprung nur verschiebt, solange noch kein Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH) stattgefunden hat, was in der Regel zwei Tage vor dem Eisprung passiert, umfasst Ulipristalacetat auch die zwei fruchtbarsten Tagen und wirkt bis kurz vor dem Eisprung.

Ulipristalacetat wirkt bis zu fünf Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. Sind die fünf Tage überschritten, besteht noch die Möglichkeit, beim Gynäkologen eine Kupferspirale einsetzen zu lassen.

 

Fakten zur Notfallverhütung

  • Es gibt keine „sicheren“ Tage.
  • Die Einnahme der Pille danach sollte mit viel Wasser und – um die Verträglichkeit zu verbessern – nach einer kleinen Mahlzeit erfolgen.
  • Eine Schwangerschaft wird durch die Pille danach nicht abgebrochen.
  • Die Pille danach ist für alle Frauen im gebärfähigen Alter geeignet.
  • Die Pille danach bietet keinen längerfristigen Verhütungsschutz.
AutorIn: Mag. Martin Schiller