Es war einmal: Im Jahr 2009 lag die Krankenkassenspanne auf Arzneimittelspezialitäten für Österreichs Apotheken bei 18,6 %. Seither befand sich die Spanne in einem stetigen Sinkflug und landete im Jahr 2025 bei nur mehr 11,4 %, wie die Österreichische Apothekerkammer ermittelt hat. Das bedeutet, dass die Spannen im Zeitraum von 2009 bis 2025 um 38,7% geringer geworden sind – allein in den vergangenen 10 Jahren (2015 bis 2025) waren es 27,4%. Die Tendenz zur Verschreibung von immer teureren Präparaten, die eine deutlich niedrigere Spanne aufweisen, wird die durchschnittliche Apothekenspanne weiter sinken lassen. Vor dem Hintergrund, dass mehr als 2 Drittel – exakt sind es 67,9 % – des Umsatzes einer durchschnittlichen öffentlichen Apotheke aus Krankenkassenumsätzen erzielt werden, lässt sich ermessen, wie sehr sich die wirtschaftliche Lage der Apotheken verändert hat (Abb. 1).
Selbst dort, wo die Spanne prozentuell gerechnet etwas höher ausfällt, bleibt am Ende nur ein „Groscherlg’schäft“, wie man es im österreichischen Idiom ausdrücken würde. Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger, Apotheker in Graz und Zweiter Vizepräsident der Apothekerkammer, rechnet vor: „Nehmen wir zum Beispiel den Betablocker Concor® Cor: Im Einkauf kostet er der Apotheke 85Cent, mit der Krankenkasse kann man 1,15Euro verrechnen. Sprich, für die gesamte Leistung wie Beratung, Logistik etc. bleiben der Apotheke 30 Cent.“ Nicht gerade üppig, wenn man daran denkt, dass die zunehmende Digitalisierung, wie u. a. die Einführung des e-Rezeptes, die IT-Kosten von Apotheken nach oben getrieben hat und wohl auch weiter antreiben wird. „An die 1.000 Euro im Monat für die IT sind schnell einmal weg“, sagt Kobinger. Angesichts der ständig steigenden Kosten für IT, Fachpersonal, Miete, Strom, Lagerung, Vorfinanzierung oder Nachtdienste ist für viele Apotheken das Erreichen der Gewinnschwelle nicht mehr möglich, heißt es im Jahresbericht der Apothekerkammer. Manche trifft es sogar noch härter – im vergangenen Jahr mussten österreichweit 6 Apotheken die Segel streichen bzw. sind in die Insolvenz gerutscht. „13 % der Apotheken arbeiten defizitär, und 27 % der Apotheken erwirtschaften nicht das Gehalt eines/einer angestellten Leiter:in“, sagt Kobinger. Ein anderes Beispiel, wie gering manche Leistungen der Apotheken entlohnt werden, ist die Versorgung von Patient:innen, die eine Substitutionstherapie erhalten. Diese holen sich– meist in der Früh – ihre Medikamente, sind also im Regelfall jeden Tag in der Apotheke. Österreichische Apotheker:innen sind grundsätzlich verpflichtet, Substitutionspatient:innen im Rahmen der Suchtmittelversorgung zu betreuen, wenn ein gültiges, vidiertes Rezept vorliegt. Damit leisten die Apotheken einen wesentlichen Beitrag zur Betreuung Drogenkranker, indem sie die Ersatzmedikamente abgeben. Die Einnahme der Tagesdosis findet unter direkter Aufsicht mit Sichtbezug statt. „Für diese Leistung erhält die Apotheke 18 Euro pro Monat“, erklärt Gerhard Kobinger.
Trotz steigender Umsätze – der Gesamtumsatz öffentlicher Apotheken stieg zwischen 2022 und 2024 um 11,8 % auf 6,112 Milliarden Euro– bewegt sich der Deckungsbeitrag bei den Krankenkassenumsätzen in etwa auf gleichem Niveau. Seit mehr als 10 Jahren klafft die Einnahmenentwicklung der Krankenkassen und die Entwicklung der Apothekenleistung immer weiter auseinander, beschreibt der Jahresbericht der Apothekerkammer. Wie Abbildung 2 zeigt, stieg der Index für die Einnahmen der Krankenkassen um knapp 74 %, wohingegen die Steigerung bei der Apothekenleistung bei lediglich 19 % liegt.
Damit liegt der Index für die Abgeltung der Apothekenleistung sogar noch unter dem Anstieg des VPI (Verbraucherpreisindex), der die Grundlage für die Messung der Inflation ist. Anders formuliert: Die Abgeltung für die Leistung der Apotheken hat in den vergangenen Jahren nicht einmal gereicht, um mit dem allgemeinen Anstieg der Preise Schritt zu halten.
Ein tieferer Blick in die Gebarung der Krankenkassen bzw. in die Zusammensetzung ihrer Ausgaben 2024 offenbart, dass die Apothekenleistung nur einen geringen Prozentsatz der Ausgaben ausmacht und sogar unterhalb des eigenen Verwaltungsaufwandes liegt (siehe Abb. 3).
Den höchsten Kostenanteil machen die Ausgaben für Ärzt:innen aus, gefolgt von den Kosten für Anstaltspflege und für Arzneimittel (inkl. MwSt.). Im Jahresbericht heißt es dazu: „Betrachtet man nur die öffentlichen Apotheken, so beträgt der Anteil der Arzneimittel (ohne Rezeptgebühren und Mehrwertsteuer), die über öffentliche Apotheken auf Kosten der Krankenkassen vertrieben werden, lediglich 13,7 Prozent der Ausgaben der Krankenversicherungsträger. Der Anteil, der den Apotheken nach Abzug des Wareneinsatzes verbleibt, beträgt daher lediglich 1,8 Prozent der Ausgaben der Krankenversicherung […].“
Wie die Grafik zeigt, kostete die Apothekenleistung die Krankenkassen im Jahr 2024 rund 500 Millionen Euro. Im gleichen Jahr hoben die österreichischen Apotheken 493,1 Millionen Euro an Rezeptgebühren ein, die sie ohne Abzug an die Krankenkassen weiterleiteten. Angesichts der steigenden Kosten und der sinkenden Spannen verlangt die Apothekerkammer seit Jahren eine höhere Abgeltung der Leistung der Apotheker:innen, um dem öffentlichen Auftrag auch weiterhin nachkommen zu können – eine Forderung, die mehr als berechtigt ist, wie Kobinger meint, zumal auch der Großhandel zur Aufrechterhaltung der Versorgung vom Staat einen Infrastrukturbeitrag erhält.