Was neue Gesundheitsdaten zeigen

Müssen Österreicher:innen ins Spital, dann kommen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit in ein Fondskrankenhaus, das aus einem der 9 Ländergesundheitsfonds finanziert wird. Denn diese Spitäler, zu deren Betreibern neben den Ländern etwa auch Städte oder Orden zählen, verfügen über 70 % aller Spitalsbetten in Österreich und versorgen 87 % aller Patient:innen. Der neue Monitoringbericht der Zielsteuerung Gesundheit, mit dem Länder und Krankenversicherungen ihre Gesundheitsausgaben gegenüber dem Nationalrat transparent machen müssen, zeigt nun Überraschendes: Während die Bundesländer aktuell in Reformgesprächen mehr Geld fordern und über steigende Kosten klagen, haben 2025 fast alle Länder bei ihren Gesundheitsausgaben die Ausgabenobergrenzen unterschritten, so wie auch schon im Jahr 2024. Insgesamt unterschritt man den erlaubten Ausgabenkorridor im Vorjahr um rund eine Milliarde Euro oder 5,5 %. Im Jahr davor gaben die Länder um zirka 440 Millionen oder 2,35 % weniger aus, als sie ausgeben hätten können.

Kassen erreichen Ziele nicht

Zu den Hauptgründen für die Unterschreitungen zählt, dass die Fondskrankenhäuser Leistungen zunehmend in den niedergelassenen Bereich verlagern, etwa indem Patient:innen nach Operationen immer früher nach Hause geschickt werden und die Nachsorge im niedergelassenen Bereich erfolgt, den die Krankenversicherungen finanzieren. Wie sehr sich die Gesundheitsleistungen und mit ihnen die Gesundheitskosten verlagerten, zeigen auch andere Angaben aus dem Monitoringbericht. So wurde 2025 von den gesetzlichen Krankenversicherungen die Ausgabengrenze überschritten, und zwar um insgesamt 93 Millionen Euro oder 0,55%. Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK), mit 7,6 Millionen Versicherten oder 82 % aller Versicherten die weitaus größte Krankenversicherung, verzeichnete eine Kostenüberschreitung von fast 70 Millionen Euro oder 0,55 %. Auch die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) mit 1,2 Millionen Versicherten überschritt die Ausgaben: um fast 50 Millionen Euro oder 2 %.

Starkes Plus bei Antidiabetika

Dass die Gesundheitskosten zunehmend von den Krankenversicherern getragen werden müssen, machen noch weitere Fakten deutlich. So nahm die Zahl der Ärzt:innen, die im niedergelassenen Bereich tätig sind, stetig zu. 2024 versorgten laut Statistik der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) bundesweit 52.005 Allgemeinmediziner:innen und Fachärzt:innen Patient:innen außerhalb der Spitäler, 2023 waren es noch 50.631, 2022 49.500. Gewachsen ist einem neuen Bericht des Dachverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger zufolge auch die Zahl der Medikamente, die niedergelassene Ärzt:innen verordnen, und zwar auf rund 110 Millionen in den Jahren 2024 und 2023 gegenüber 107 Millionen in 2021 und 109 Millionen in 2020. Die 5 verordnungsstärksten Medikamente sind für die Krankenversicherer Blutdrucksenker, die 11,1 Millionen Mal verordnet wurden, Psychoanaleptika mit 8,4 Millionen Verordnungen, Statine mit 7,8 Millionen und Analgetika mit 5,9 Millionen. Ein kräftiges Plus gab es bei Antidiabetika, die von 5,7 Millionen Packungen im Jahr 2024 auf 7 Millionen gestiegen sind.

Hochpreiser drücken Ertrag

Insgesamt gaben die Krankenversicherungen 2025 rund 5,56 Milliarden Euro für Arzneimittel aus – ein Plus von mehr als 8 %. Die Apothekerkammer meldet sogar einen Zuwachs an Kassenumsätzen von 10,8 %, bestätigt Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger, Zweiter Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer. In den Kassen der Apotheken zeigt sich das allerdings nicht – weil der Anstieg vor allem durch hochpreisige Produkte mit niedrigen Spannen zustande kommt, deren Verordnung eben in den Verlagerungen aus dem Spitalsbereich resultiert. „Lag der Anteil hochpreisiger Produkte am Kassenumsatz im Jahr 2012 noch bei 28,8 %, liegt er im Jahr 2025 bereits bei über 58 %“, rechnet Kobinger vor.

Rezeptgebühr bremst Apotheken

Zusätzlich wird kräftig gespart, wie die Beantwortung einer Anfrage der Grünen im Parlament durch Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) zeigt. Mit den mit 1. Mai schlagend gewordenen Kürzungen spart die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) heuer 23,3 Millionen und ab 2027 jährlich 34,4 Millionen Euro. Konkret geht es um höhere Selbstbehalte bei Krankentransporten und Zahnleistungen sowie die Streichung des Familienzuschlages zum Krankengeld ab dem 43. Krankenstandstag. Zuvor erhielten Alleinerziehende und Versicherte mit Kindern, deren Partner:in kein Einkommen hat, einen Zuschlag von 10 %. Quasi zum Ausgleich wurde die Rezeptgebühr nicht erhöht, was die Apotheken besonders schmerzt.

Schwache Erkältungssaison

Nicht zuletzt deshalb schlägt auch die ApoLife Apothekengruppe (Rat & Tat), zu der 117 Apotheken gehören, Alarm. Im ersten Quartal 2026 hat sich dort die Abwärtsentwicklung dramatisch verschärft: „Erstmals sind die Erlöse auch in absoluten Zahlen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gesunken“, sagt Generalsekretär Mag. Martin R. Geisler. In den ersten 3 Monaten erzielten diese Apotheken demnach gemeinsam um 1,53 % weniger realen Umsatz. Verstärkt wurde dies dadurch, dass im vergangenen Winter größere Erkältungswellen ausgeblieben sind. Husten- und Erkältungsmittel sind traditionell die umsatzstärkste Produktgruppe in den Apotheken. Hier meldet Geisler ein Minus von 7,5 % im ersten Quartal. Andere wichtige Erlösbringer wie Schmerz- und Rheumamittel, Mittel für Blase und Fortpflanzungsorgane oder Beruhigungsmittel zeigen sinkende absolute Umsätze. Geisler meint: „Nennenswert war der Zuwachs lediglich in der Gruppe Vitamine/Mineralstoffe/Nahrungsergänzungsmittel mit 7,1 % – der einzige verbliebene Lichtblick in der gesamten Umsatzstatistik.“

Warten auf Reformen

Welche Reformen es im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen Spitälern und niedergelassenem Bereich geben wird, ist weiterhin unklar. Zwar verhandeln Bund und Länder über weitreichende Reformen, aus dem Gesundheitsministerium ist aber zu vernehmen, dass das doch nicht so rasch gehen wird, wie geplant. Ein Abschluss vor dem Sommer rückt damit in weite Ferne. „Hudeln“ bringe nichts, teilt das Büro von Gesundheitsministerin Schumann auf Anfrage der Apo Krone mit. Geisler reicht das nicht: „Die Entwicklung im Gesundheitssystem geht immer mehr an die Substanz der Apotheken.“