OA Dr. Ercan Müldür, 1. Medizinische Abteilung, Zentrum für Onkologie und Hämatologie mit Ambulanz und Palliativstation, Klinik Ottakring Wien, berichtet von einem Patienten mit Pankreaskarzinom im fortgeschrittenen Stadium, bei dem nach Einsatz von mehreren Therapielinien über einen Zeitraum von 58 Monaten eine stabile Erkrankung erzielt werden konnte, die weiterhin aufrecht ist.
Zeitraum: Mai 2018 – November 2018

Bei einem männlichen Patienten (Jahrgang 1954) wurde im Mai 2018 die Erstdiagnose eines fortgeschrittenen Pankreas-Adenokarzinoms gestellt. Im histologischen Befund zeigten sich eine Peritonealkarzinose sowie Infiltrationen in Magen und Milz. Das Staging ergab in Zusammenschau sämtlicher erhobener Befunde ein Pankreaskarzinom der Klassifizierung cT4, cNx, cM1. In der molekularpathologischen Sequenzierung des Tumorgewebes wurden der Mutationsstatus MSS und keine BRCA1/2-Genveränderung identifiziert.
Nach Übereinkunft im gastrointestinalen Tumorboard konnte der Patient aufgrund der fortgeschrittenen Erkrankung (Stadium 4) nicht operiert werden. Es wurde Guidelinekonform1 eine palliative Chemotherapie mit Gemcitabin/nab-Paclitaxel (Gem/nab-Pac) eingeleitet, die er von Mai bis November 2018 erhielt.
Zeitraum: November 2018 – Jänner 2019

Die Behandlung mit Taxanen wird üblicherweise nach 6 Zyklen beendet und der Patient erhielt in der Erhaltungsphase eine hochdosierte Gem-Monotherapie über 3 Zyklen von November 2018 bis Jänner 2019. In der Erstlinie hatte der Patient einen ECOG PS von 0, es trat keine Neuropathie auf und die Lebensqualität konnte konstant gut gehalten werden. Mit der Gem/nab-Pac-Therapie wurde eine stabile Erkrankung (Stable Disease, SD) erreicht, mit korrelierendem Rückgang des Tumormarkers CA19-9
Zeitraum: Jänner 2019 – Jänner 2020

Im Jänner 2019 trat ein Progress auf, woraufhin die Umstellung der Therapie auf nanoliposomales Irinotecan Nal-Iri+5-FU/LV2 erfolgte. Nal-Iri+5-FU/LV wird als einzige Evidenz-basierte Behandlungsoption in der Zweitlinie nach den ESMO-Guidelines1 mit Kategorie 1 empfohlen und erreicht dank seiner pegylierten nanoliposomalen Form eine dreifach verstärkte Tumorhemmung gegenüber konventionellem Irinotecan.3 Zum Therapiestart hatte der Patient einen ECOG PS von 0–1. Die Behandlung mit nal-Iri+5- FU/LV wurde, bei sehr guter Verträglichkeit, über ein Jahr bis Jänner 2020 fortgesetzt. Die Therapie konnte somit im Vergleich zur Erstlinie um 3 Monate länger gegeben werden, wobei sich auch die Lebensqualität (QoL) unter nal-Iri+5-FU/LV positiv entwickelte: Der Patient hatte 5 kg an Gewicht zugenommen und es kam zu einer Besserung der Fatigue. Im November wurde erneut eine SD erreicht mit konstant niedrigem Verlauf des CA19-9 (Abb. 2). Am Ende der zweiten Linie war der Patient wieder bei einem ECOG PS von 0.
Zeitraum: Jänner 2020 – Juni 2020

Anfang Jänner war der Patient lokal progredient. Er erhielt von Jänner bis Februar 2020 eine palliative Strahlentherapie sowie eine Oxaliplatin-basierte Chemotherapie, letztere wurde bis Juni 2020 fortgesetzt.
Zeitraum: Juni 2020 – Februar 2021
Nach 6 Zyklen FOLFOX hatte der Patient eine Polyneuropathie Grad 2 entwickelt, weshalb die Behandlung ab Juni mit einer 5-FU/LV-Monotherapie fortgesetzt wurde. Unter dieser Erhaltungstherapie zeigte die Bildgebung im Oktober 2020 und Februar 2021 jeweils eine SD. Mit 19. 2. 2021 hat der Patient bereits 16 Zyklen dieser Therapie erhalten. Unter 5-FU/LV-Monotherapie entwickelte er eine Thrombopenie Grad 2 bei einem ECOG PS 1–2, der Tumormarker CA19-9 zeigte in der Auswertung eine leichte Dynamik. Die nächste Bildgebung wird im Verlauf des Frühjahrs 2021 erfolgen.