Kinderurologie

Deuker M. et al., The course of renal function and strictures of the ureteroenteric anastomosis in the long-term outcome after urinary diversion using the ileocecal segment in children and adolescents – Abstract #561

Ein MAINZ-Pouch wird heute in der Kinderurologie für gewöhnlich nur noch sehr selten durchgeführt. In dieser retrospektiven single-center-Studie an 125 Kindern mit Harnableitung unter Verwendung des ileocaecalen Segmentes (MAINZ-Pouch) wurden die Auswirkungen auf die Nierenfunktion untersucht, bzw. der Verlauf der Kreatininwerte zwischen Kindern mit Strikturen der ureteroenterischen Anastomose und jenen ohne Striktur verglichen. Das mediane Follow-Up betrug 15,8 Jahre (0,4–28,5 Jahre). Während des Follow-Up wurden mindestens 5 Kreatininbestimmungen vorgenommen (Range 0–81).

Das Ergebnis: 17% der Patienten entwickelte in Summe 34 Strikturen der ureteroenterischen Anastomose. 8 dieser Patienten hatten multiple Rezidive (bis zu 5) der ureteroenterischen Strikturen. Dennoch hatte eine Anastomosenstriktur bei adäquater Behandlung keine Auswirkung auf die Nierenfunktion im Langzeitverlauf. Kinder mit Strikturen zeigten keinen schlechteren Kreatininverlauf.

FAZIT: Bei rascher Behandlung stellt die Striktur kein zwingendes Risiko für die Nierenfunktion dar.

Kommentar Univ.-Prof. Dr. S. F. Shariat: Ein MAINZ-Pouch ist nicht mehr zeitgemäß, wenngleich man aus diesen Daten lernen kann.

 


 
Sarhan O et al., Pyeloplasty in children with low differential renal function: Is there a possibility for functional recoverability? – Abstract #549
Bestes Poster Poster-Sitzung 41: 

In dieser Studie wurde der Einsatz der Pyeloplastik bei Kindern mit niedriger seitengetrennter Nierenfunktion untersucht. Führt diese zu einer Erholung bzw. Stabilisierung der Nierenfunktion?

Es handelt sich um eine retrospektive Studie (2006–2014) aus Saudi Arabien mit 130 Patienten mit ureteropelviner (subpelviner) Obstuktion (UPJO). Von der Studie ausgeschlossen wurden Patienten mit bilateraler UPJO, seitengetrennter Nierenfunktion >20%, Kinder mit Erweiterung des Ureters, Reflux und fehlendem Follow-Up.

Insgesamt wurden infolge dessen nur 15 Patienten, davon 9 Buben und 6 Mädchen mit UPJO und seitengetrennter Nierenfunktion ≤20% (12–20%) eingeschlossen. Das mittlere Alter lag bei 4,3 Jahren, das mediane Follow-Up betrug 3,5 Jahre. Alle Patienten erhielten eine offene Nierenbecken-Plastik plus Stent.

Das Ergebnis: In der Nierensonographie zeigte sich bei 13 Patienten ein Rückgang der Hydronephrose (bei 4 Patienten komplett), 2 Patienten zeigten eine stabile Hydronephrose. Das Diuresennephrogramm ergab bei 4 Patienten eine Verbesserung der seitengetrennten Nierenfunktion um 10–15%. Der Rest zeigte eine stabile seitengetrennte Nierenfunktion ohne obstruktiven Kurvenverlauf.

Fazit: Gemäß Studienautoren profitieren Kinder mit einseitiger UPJO und einer seitengetrennten Nierenfunktion ≤20% von einer Pyeloplastik. Ein Rückgang der Hydronephrose im ersten postoperativen Nierenultraschall scheint ein guter Indikator für den Erfolg zu sein.

Anmerkung Univ.-Prof. Dr. S. F. Shariat: Diese Studie wirft einige Fragen auf – die Qualität der Daten ist nicht ausreichend.

 


 
De Win G et al., The impact of varicocele on testicular growth during puberty: A cross-sectional observational study – Abstract #694
Bestes Poster Poster-Sitzung 51: 

In dieser Querschnittsstudie wurde der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen eine Varikozele auf das Hodenwachstum in der Pubertät hat. In die Studie wurden 480 Patienten im Alter zwischen 11 und 16 Jahren eingeschlossen; bei knapp 22% lag eine linksseitige Varikozele vor. Die proportionale Differenz zwischen linkem und rechtem Hodenvolumen wurde mittels TAI (testicular atrophy index; Hoden-Atrophie-Index) kalkuliert.

Das Ergebnis: In der Varikozelengruppe war das mittlere Volumen der linken Hoden signifikant niedriger (p=0,045). Das mittlere Volumen der rechten Hoden und das gesamte Hodenvolumen war in der Varikozelengruppe höher (p=0,082; p= 0,075). Der TAI war in der Varikozelengruppe signifikant höher (p<0,001).

FAZIT: Die Studie zeigt, dass trotz höherem TAI in der Varikozelengruppe dieser hauptsächlich durch ein höheres rechtsseitiges Volumen und weniger durch ein niedrigeres linksseitiges Volumen bedingt ist.

 


 
Spinoit A. F. et al., Late ascended testes: Is ectopic gubernacular insertion a criterion for an embryologic pathogenetic background? – Abstract #699

In diese multizentrische (Kinderurologische Zentren aus Österreich (Linz), Belgien, Großbritannien, Türkei) prospektive Studie wurden 77 Patienten mit echtem aszendiertem Hoden eingeschlossen (Inzidenz bis 45% bei Orchidopexie nach dem 4. Lebensjahr). Als eine Theorie für einen aszendierten Hoden im Verlauf gilt eine Fixierung des Hodens durch einen offenen Processus vaginalis. Studienfrage: Welche Rolle kommt der ektopen Insertion des Gubernakulums zu?

Das Ergebnis: das mittlere Alter zum Zeitpunkt der Operation betrug 73,1 Monate. Bei 74 Patienten (96,1%) wurde eine nicht-orthotope Insertion des Gubernakulums gefunden (33,8%: Insertion inguinal, 62,3% hochskrotal). In 35,1% war ein offener Processus vaginalis zu sehen.

FAZIT: Bei der Entstehung des aszendierten Hodens ist eine kausale Rolle der ektopen Insertion des Gubernakulums anzunehmen.

 


 
Morizawa et al., Urinary nerve growth factor and brain-derived neurotrophic factor can predict therapeutic efficacy in children with monosymptomatic nocturnal enuresis – Abstract #835

Bestes Poster Poster-Sitzung 61: In dieser Studie wurde untersucht, ob die Konzentration des nerve growth factor (NGF) und des brain-derived neurotrophic factor (BDNF) im Harn ein Prädiktor für den Therapieeffekt bei Kindern mit monosymptomatischer Enuresis sein kann. In die Studie wurden 38 Kinder mit monosymptomatischer Enuresis (28 Buben, 10 Mädchen) und 25 Kinder (818 Buben, 7 Mädchen) ohne Symptome eingeschlossen. Das mittlere Alter in der Patientengruppe lag bei 9 Jahren, in der Kontrollgruppe bei 10 Jahren. Die Patienten wurden entweder mit Alarmgerät oder Desmopressin therapiert.

Das Ergebnis: Es zeigte sich, dass NFG- und BDNF-Spiegel in der Patientengruppe signifikant höher waren. NGF und BDNF-Spiegel zeigten eine signifikant positive Korrelation. Insgesamt hatten 50% ein komplettes oder partielles Ansprechen auf die Therapie, 50% sprachen nicht an. In der Gruppe, die nicht ansprach, waren die NFG- und BDNF-Spiegel signifikant höer als in der Gruppe mit komplettem oder partiellem Ansprechen.

FAZIT: Die NGF- und BDNF-Konzentration im Harn ist bei Patienten mit monosymptomatischer Enuresis signifikant erhöht verglichen zur Kontrollgruppe. Höhere Konzentrationen an NGF und BDNF sind mit einem schlechteren Ansprechen auf eine Alarmtherapie oder Desmopressin-Therapie assoziiert.

 


 
Chang S. J. et al., Alarm or desmopressin therapy for pediatric monosymptomatic enuresis? A meta-analysis – Abstract #837

In dieser Metaanalyse mit 15 eingeschlossenen Studien (1.502 Patienten; 5–16 Jahre) wurde gefragt: Alarmtherapie oder Desmopressin für die Therapie der monosymptomatischen Enuresis bei Kindern?

Das Ergebnis: Die Alarmtherapie war Desmopression bezüglich eines anhaltenden Ansprechens auf die Therapie und einer niedrigeren Rückfallrate überlegen (OR: 0,25). Die Alarmtherapie hatte eine höhere Drop-out-Rate. In der ITT-Analyse zeigten sich Alarmtherapie und Desmopressin hinsichtlich eines partiellen Ansprechens vergleichbar (>50% Reduktion des nächtlichen Harnverlusts).

FAZIT: Bei kooperativen Patienten zeigte die Alarmtherapie dreifach bessere Ergebnisse bezüglich des anhaltenden Ansprechens auf die Therapie und einer niedrigeren Rückfallrate im Vergleich zu Desmopressin. Desmopressin ist mit höheren Kosten und Nebenwirkungen verbunden.