Alltagstaugliche Therapie und stabile Krankheitskontrolle bei schubförmig remittierender multipler Sklerose (RRMS) unter subkutanem Ocrelizumab

Ein 27-jähriger, sportlich aktiver Bergführer mit RRMS erlitt unter der Erstlinientherapie einen Schub. Eine darauffolgende Therapieeskalation mit Ocrelizumab führte zu einer stabilen Krankheitskontrolle. Im weiteren Verlauf wünschte sich der Patient eine bessere Integration der Therapie in den Alltag zur Vermeidung beruflicher Ausfallzeiten.

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Alltagstaugliche Therapie und stabile Krankheitskontrolle bei schubförmig remittierender multipler Sklerose (RRMS) unter subkutanem Ocrelizumab

Apl. Prof. Dr. Tobias Moser, MBA PhD
Oberarzt für Neurologie
Universitätsklinik für Neurologie, neurologische Intensivmedizin und Neurorehabilitation der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität
Christian-Doppler-Klinik, Salzburg

 

Mit freundlicher Unterstützung von

M-AT-00005003

Im Jahr 2020 stellte sich ein sportlich aktiver junger Mann aus einer abgelegenen Bergregion erstmals mit einer rechtsseitigen Optikusneuritis in unserer neurologischen Notfallambulanz vor. MRT und Liquoruntersuchung bestätigten die Diagnose einer schubförmig remittierenden multiplen Sklerose (RRMS). Der Patient wurde auf Dimethylfumarat eingestellt. Die Erkrankung blieb zunächst stabil, die Sehstörung bildete sich vollkommen zurück.

4 Jahre später erlitt der Patient einen Schub mit sensiblem Querschnittssyndrom und begleitender Gangunsicherheit, wodurch seine berufliche Tätigkeit als Bergführer erheblich eingeschränkt wurde. Nach 5-tägiger intravenöser Kortisontherapie bildeten sich die Symptome innerhalb von 8 Wochen erneut vollständig zurück (EDSS 0). Im Kontroll-MRT fanden sich jedoch neue T2-Läsionen periventrikulär und juxtakortikal sowie eine kontrastmittelaufnehmende Läsion im thorakalen Rückenmark.

PATIENTENSTECKBRIEF
  • Geschlecht/Alter bei Erstmanifestation: männlich, 27 Jahre
  • Diagnose: schubförmig remittierende multiple Sklerose (RRMS) im Jahr 2020
  • Begleiterkrankungen: keine bekannt
  • bisherige Therapien: Dimethylfumarat (2020–2024)
  • aktueller EDSS: EDSS 0
  • Besonderheiten: sportlich aktiver Bergführer, wohnhaft in einer abgelegenen Bergregion

Wie gehen Sie weiter vor? Der sportlich aktive Patient wünscht sich aufgrund seines abgelegenen Wohnortes eine hochwirksame Therapie, die nur selten Besuche in einer MS-Spezialambulanz erfordert. Wie beraten Sie Ihren Patienten?

Weiterer Therapieverlauf

Aufgrund des aktiven Verlaufes und des Patientenwunsches nach einer hochwirksamen Therapie mit möglichst geringer Behandlungsfrequenz wurde im Mai 2024 eine Therapie mit Ocrelizumab eingeleitet. Vor Therapiebeginn wurde der Impfschutz überprüft und eine Auffrischung der FSME- und Pneumokokken-Impfung sowie von VZV durchgeführt. Die intravenösen Infusionen wurden gut vertragen, waren jedoch mit einer weiten Anreise und einem jeweils 2-tägigen stationären Aufenthalt verbunden.

Der Patient ist unter Ocrelizumab i.v. klinisch stabil und nebenwirkungsfrei, berichtet jedoch über erhebliche Belastungen durch die weite Anreise in die MS-Spezialambulanz, stationäre Aufenthalte und die dadurch bedingten beruflichen Ausfallzeiten. Welche Therapieanpassung ist vor diesem Hintergrund am sinnvollsten?

Umstellung auf die subkutane Darreichungsform von Ocrelizumab

Der Patient erhielt die erste subkutane Gabe von Ocrelizumab in der MS-Spezialambulanz; diese verlief komplikationslos. Die Folgeapplikationen konnten in Kooperation mit dem Hausarzt wohnortnah durchgeführt werden. Dies bedeutete für den Patienten eine erhebliche Entlastung: Die subkutane Injektion kann innerhalb weniger Minuten erfolgen – ohne Reiseaufwand, ohne stationären Aufenthalt, ohne Infusionszeiten und ohne berufliche Ausfallzeiten. Gleichzeitig werden klinische Ressourcen geschont.

Die Therapie wird sehr gut vertragen, es traten keine lokalen Reaktionen oder systemischen Nebenwirkungen auf. Auch die Laborparameter, einschließlich des Immunglobulinspiegels, blieben stabil. Der Patient berichtet über ein gesteigertes Wohlbefinden, eine bessere Planbarkeit seines Alltags sowie ein verbessertes Gefühl im Umgang mit seiner Erkrankung.

Wie ist die klinische Wirksamkeit von subkutan verabreichtem Ocrelizumab im Vergleich zur intravenösen Gabe zu bewerten?

Weiterer Verlauf unter Therapie

Im Verlauf zeigte sich eine anhaltend stabile Krankheitskontrolle ohne neue Schübe oder MRT-Aktivität; der EDSS-Wert blieb unverändert bei 0. Die in den ersten Jahren nach Diagnosestellung berichtete Fatigue nahm ab. Der Patient ist weiterhin berufstätig und kann seine sportlichen Aktivitäten wie gewünscht ausüben.

Durch den Wegfall langer Anfahrtszeiten und stationärer Aufenthalte reduzierte sich der zeitliche Aufwand deutlich, was eine bessere Integration der Therapie in den Alltag ermöglicht.

Fazit

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Mehr Informationen

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Bereitgestellt von:
Apl. Prof. Dr. Tobias Moser, MBA PhD
Oberarzt für Neurologie
Universitätsklinik für Neurologie, neurologische Intensivmedizin und Neurorehabilitation der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität
Christian-Doppler-Klinik
Salzburg

Redaktion:

 

Illustrationen © MedMedia/KI-generiert

 

1) Aktuelle Fachinformation OCREVUS® 300 mg Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung
2) Aktuelle Fachinformation OCREVUS® 920 mg Injektionslösung
3) Newsome SD et al., Subcutaneous Ocrelizumab in Patients With Multiple Sclerosis: Results of the Phase 3 OCARINA II Study. Neurology 2025; 104(9): e213574

 

Autor: Apl. Prof. Dr. Tobias Moser, MBA PhD

  • Oberarzt für Neurologie
    Universitätsklinik für Neurologie, neurologische Intensivmedizin und Neurorehabilitation der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität
    Christian-Doppler-Klinik, Salzburg