Metastasiertes Nierenzellkarzinom mit ossärer Dominanz

Eine 63-jährige Patientin wird nach einem Bagatelltrauma mit Schmerzen im Bereich von Lendenwirbelsäule und Oberschenkel stationär aufgenommen. In der Vorgeschichte findet sich eine partielle Nephrektomie aufgrund eines Nierentumors. Nach Krankheitsprogress wird eine Therapie mit Pembrolizumab + Lenvatinib eingeleitet.

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Pembrolizumab und Lenvatinib

Metastasiertes Nierenzellkarzinom mit ossärer Dominanz

Autorin: OÄ Dr.in Jasmin Spiegelberg
Abteilung für Urologie, LKH Hochsteiermark, Standort Leoben
Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin, Gesundheit Burgenland, Oberwart

 

Mit freundlicher Unterstützung von

AT-KLR-00088 Juni 2026 / AT-LENPEM-26-00031

Anamnese und Fallbeschreibung

Im Dezember 2025 wurde die Patientin mit starken Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule mit ischialgiformer Ausstrahlung und Oberschenkel rechts aufgrund eines Bagatelltraumas (Anheben des Wäschekorbes beim Aufhängen der Wäsche) in das Heimatkrankenhaus eingeliefert.

Alter: 63 Jahre

Geschlecht: weiblich

Vorgeschichte: Z. n. robotischer partieller Nephrektomie,
Tumorstaging: pT1b, L0, V0, Pn0, R0 01/2025, Observanz im Stadium I

Dauermedikation: Ramipril, Acetylsalicylsäure, Amlodipin, Insulin glargin 300 E/ml als Injektionslösung im Fertigpen (1,5 ml), Insulin glulisin 100 E/ml als Injektionslösung im Fertigpen (3 ml)

Nebendiagnosen: arterielle Hypertonie, ACI-Stenose 30 % links, Diabetes mellitus, Kurzdarmsyndrom nach Bridenileus und Voroperationen

Familienanamnese: Tante – Mammakarzinom mit circa 70 Jahren

Was ist das weitere Vorgehen bei klarzelligem Nierenzellkarzinom (RCC) mit operativer Sanierung 01/2025 in der Vorgeschichte?
(1 richtige Antwort)

Untersuchungen und Befunde

allgemeiner Status: guter AZ und EZ, ECOG: 0–1

Labor: Nebenbefund – Hyperkalzämie

Abb. 1: Labor: Hämatologie und Elektrolyte

Bildgebung

  • vor der Vorstellung im Tumorboard: Thorax-/Becken-CT (extern)
  • 12/2025:
    • Oberschenkel-CT rechts: dringender V. a. vorbestehende Osteolyse bei Z. n. Osteosynthese bei pathologischer Fraktur des Femurs
    • Oberschenkel-MR rechts: suspekter intraossärer Herdbefund im dorsalen Frakturbereich (ca. 18 cm proximal des Kniegelenkspaltes) bei V. a. pathologische Oberschenkelfraktur

Histologie: Knöchernes Kürettagematerial mit Infiltraten eines klarzelligen Nierenzellkarzinoms (RCC), vereinbar mit Metastase des bekannten RCC (klinisch: Femur rechts). Tumorklassifikation nach TNM (UICC, 9. Auflage): pM1

Sonografie der femoralen Weichteile: Kontrastmittelunterstützte Sonografie im Bereich der bekannten pathologischen Fraktur am distalen Oberschenkel angrenzend an den Frakturspalt – korrelierend mit der MR-beschriebenen suspekten Läsion einer soliden pulsierenden isoechogenen Läsion. Die Läsion zeigt eine bereits arterielle und anhaltende Kontrastmittelanreicherung.

  • Zusammenfassung: Bei Z. n. Nephrektomie aufgrund einer Raumforderung (klarzelliges RCC) zeigt sich diese stark vaskularisierte Läsion entsprechend einer Filia des bekannten Primums.

Abb. 2: Thorax-/Abdomen-/Becken-CT mit Skelett-CT UE
Ausgangs-Staging: Mittels Marknagel versorgte pathologische Femurfraktur rechts. Das eingebrachte Material imponiert intakt und ohne Lockerungszeichen. Deutliche Osteolysezone im ehemaligen Frakturbereich angrenzend an die Osteosynthese bei insgesamt fortgeschrittener ossärer Durchbauung in den Randbereichen

Fortführende Anamnese

Während der orthopädischen stationären Aufnahme äußert die Patientin wiederholt unspezifische Bauchbeschwerden mit Obstipationsneigung im Wechsel mit Diarrhö. Stuhlkulturen sind negativ. Ein Akut-Abdomen-CT wird veranlasst.

 

 

 

 

Abb. 3: Abdomen-CT
Ausgangs-Staging: Bei bekannter Vorgeschichte eines RCC und Nephrektomie rechts besteht kein Hinweis auf ein Lokalrezidiv. Z. n. osteosynthetisch versorgter pathologischer Fraktur des rechten Femurs. Das Fremdmaterial imponiert intakt und ohne Lockerungszeichen.

Diagnose

Metastasiertes klarzelliges Nierenzellkarzinom (mRCC)

Staging: Thorax-/Abdomen-CT: Bei anamnestischem Z. n. Nierenzellkarzinom und Nephrektomie rechts besteht kein Hinweis auf ein Lokalrezidiv. Z. n. osteosynthetisch versorgter pathologischer Fraktur des rechten Femurs. Das Fremdmaterial imponiert intakt und ohne Lockerungszeichen. Im Bereich der ehemaligen Fraktur zeigt sich eine große Osteolyse mit ossärer Durchbauung im Randbereich. Osteolyse mit unterbrochener Kortikalis in der 6. ventrolateralen Rippe rechts und Verdacht auf kleine Osteolysen posterior in BWK 7 und BWK 8. Keine thorakale Lymphadenopathie, jedoch im Rahmen der malignen Grunderkrankung als suspekt zu wertender Lymphknoten paraaortal links (Abb. 2, Abb. 3).

Welche Schritte veranlassen Sie beim nun bioptisch verifizierten metastasierten Nierenzellkarzinom (mRCC) im Stadium IV?
(1 richtige Antwort)

Die IMDC-Kriterien sind ein Score, mit dem die Prognose des mRCC beurteilt werden kann. Auf ihnen beruht die Auswahl der tumorspezifischen Therapie. Welche Faktoren beinhaltet der Score nicht?
(1 richtige Antwort)

Pembrolizumab + Lenvatinib als IO/TKI-Kombination

Der antiangiogenetisch wirksame Multikinase-Inhibitor Lenvatinib und der PD-1-Hemmer Pembrolizumab zeigten in der Vergangenheit als Monotherapien Wirksamkeit bei Nierenzellkarzinomen. In der Phase-III-Studie CLEAR wurde die Kombination beider Wirkstoffe bei therapienaiven Personen mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom mit einer Monotherapie des Multikinase-Inhibitors Sunitinib verglichen.

Interdisziplinäres Tumorboard

Bei Systemprogress und Intermediate Risk erfolgte die Einleitung einer IO/TKI-Therapie mit Pembrolizumab + Lenvatinib sowie Vorstellung zur Radiotherapie (RTX) von Femur rechts am Strahlentherapiezentrum. Bezüglich Hyperkalzämie wurde nach akuter Kalziumsenkung durch forcierte Flüssigkeitssubstitution, diuretischer Therapie sowie Kortisongabe eine Therapie mit Denosumab eingeleitet. Ein Zahnstatus einschließlich Panoramaröntgen wurde vor Verabreichung von Denosumab erhoben.

Welche therapieassoziierte Nebenwirkung kann u.a. unter einer Kombinationstherapie mit Lenvatinib + Pembrolizumab auftreten?
(1 richtige Antwort)

Fallzusammenfassung

Im Tumorboard entschied man sich nach onkologischer Evaluierung der Patientin bei vorliegendem intermediärem Risiko sowie bestehendem Kurzdarmsyndrom für die IO/TKI-Kombination mit Pembrolizumab und Lenvatinib.

Im ersten Restaging zeigte sich eine stabile Befundkonstellation im Bereich der Knochenmetastasen und eine partielle Remission der abdominellen Lymphadenopathie. Als Nebenwirkung trat ein moderater Bluthochdruck auf; nach Adaptierung der antihypertensiven Therapie befanden sich die Blutdruckwerte wieder im normotonen Bereich. Die Patientin ist nach interdisziplinärem Management (Orthopädie, Strahlentherapie und Onkologie) wieder voll mobil – bei erhaltener Lebensqualität (QoL) unter Erstlinientherapie im metastasierten Setting.

Bereitgestellt von:
OÄ Dr.in Jasmin Spiegelberg
Abteilung für Urologie, LKH Hochsteiermark, Standort Leoben
Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin, Gesundheit Burgenland, Oberwart

Redaktion:

 

Illustrationen © MedMedia/KI-generiert

 

Autorin: OÄ Dr.in Jasmin Spiegelberg

  • Abteilung für Urologie, LKH Hochsteiermark, Standort Leoben
  • Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin, Gesundheit Burgenland, Oberwart