Junge Onkologie

„Das Schönste ist, Patientinnen helfen zu können“

Wodurch ihr Interesse an klinischen Studien schon früh in ihrer Ausbildung geweckt wurde und was das Fachgebiet Gynäkologie für sie so besonders macht, verrät Dr. Elisabeth Trapp von der Klinischen Abteilung für Gynäkologie der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Graz, im Interview. Dr. Trapp ist auch Mitglied der ABCSG Task Force FutureNow, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Wissensaustausch zwischen den Generationen im Bereich der klinischen Brustkrebsforschung zu fördern.

Was waren die wichtigsten Etappen Ihrer Ausbildung?

Ich habe mein Medizinstudium in Graz absolviert, für mich eine sehr schöne und lehrreiche Zeit. Die Tätigkeit als Anatomiedemonstratorin war dabei ein Highlight. Während des Studiums war ich im Rahmen von Electives in Großbritannien, genauer in Oxford an der Gynäkologie und Geburtshilfe, in London an der Endokrinologie und Reproduktionsmedizin des King’s College und in Liverpool an der Mammachirurgie. Bei diesen Aufenthalten wurde meine Begeisterung für das Fach Gynäkologie geweckt – besonders die Verbindung zwischen innerer Medizin und Chirurgie hat mich angesprochen.

Sie arbeiten momentan an der Studie „ABCSG 22R Quality of Life“ mit, worum
geht es genau?

Es geht im Wesentlichen darum, die Langzeitlebensqualität unserer Patientinnen zu erheben. Eine Krebserkrankung zu überleben ist eine Sache – danach gut mit den Folgen der Therapie und Krankheit leben zu können eine andere. Brustkrebs hat nicht nur auf die Patientin, sondern auf die gesamte Familie eine direkte Auswirkung – auf Sexualität, Kinderwunsch und Lebensglück.

Gefällt Ihnen die Mitarbeit an Studien?

Absolut, denn ohne Studien findet kein medizinischer Fortschritt statt. Direkt nach dem Medizinstudium verschlug es mich als Studienärztin nach München an die LMU in die SUCCESS-Studienzentrale – hier betreute ich neben den drei großen, deutschlandweit durchgeführten SUCCESS-Chemotherapie- Studien auch europaweit durchgeführte Projekte, wie die TREAT-CTC-Studie der EORTC. Dadurch kam ich bereits früh in meiner Ausbildung mit der senologischen und gynäko-onkologischen Studienlandschaft in Kontakt. Um mein klinisches Wissen in der Systemtherapieauszubauen, begann ich ein Jahr später als Assistenzärztin an der onkologischen Tagesklinik unter der Leitung von Frau Prof. Harbeck. Sie haben für Ihre Arbeit an den zirkulierenden Tumorzellen (CTC) den Wissenschaftspreis der Österreichischen Gesellschaft für Senologie und den„Young Scientist Award“ der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie erhalten.

Was haben Sie in dieser Arbeit genau untersucht?

Die im Journal of the National Cancer Institute 2019 erschienene Arbeit beschäftigt sich mit der prognostischen Bedeutung von zirkulierendenTumorzellen im Follow-up des primären Mammakarzinoms. Patientinnen mit frühem Hochrisiko-Mammakarzinom, die eine adjuvante Chemotherapie gefolgt von einer osteoprotektiven Studientherapie mit Zolendronat erhalten haben, wurden eingeschlossen. Zwei Jahre nach der Chemotherapie wurde untersucht, ob zirkulierende Tumorzellen im peripheren Blut nachweisbar sind. Die Nachbeobachtung betrug im Median 37 Monate. Es zeigte sich, dass zirkulierende Tumorzellen zum einen so lange nach abgeschlossener Therapie nachweisbar waren und zum anderen, dass ihr Vorhandensein zwei Jahre nach der Chemotherapie eine unabhängige prognostische Relevanz für Gesamtüberleben und das krankheitsfreie Überleben hat.1
Das Thema „liquid biopsy“ bzw. Flüssigbiopsie hat mich seither nicht mehr losgelassen, auch in meinem Dissertationsprojekt an der Doctoral School for Molecular Medicine der Medizinischen Universität Graz forsche ich zum Tumornachweis aus dem peripheren Blut beim frühen Mammakarzinom.

War Ihre Ausbildung so, wie Sie erwartet hatten? Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich hatte immer das große Glück, tolle Mentoren zu haben. Vor allem durch die Tätigkeit in der Studienzentrale unter der Leitung von Frau Prof. Brigitte Rack habe ich sozusagen eine  großartige Kinderstube genossen. Meinen wissenschaftlichen und klinischen Schwerpunkt kann ich durch Prof. Ellen Heitzer und Priv.-Doz. Dr. Gunda Pristauz-Telsnigg auch in Graz weiterverfolgen, durch Prof. Bjelic-Radisic fand ich Anschluss an die ABCSG. Sowohl klinisch als auch wissenschaftlich geht es also voran. Seit Februar habe ich die Facharztreife und werde nun im Rahmen eines Followships für ein Jahr an das Zentrum für Senologie unter der Leitung von Prof. Sherko Kümmel an die Evangelischen Kliniken Essen-Mitte gehen.

Wo finden Sie Ausgleich zum stressigen Berufsalltag?

Natürlich bei meiner Familie und körperlich besonders im Reitsport mit meinem Pferd Cosima. Der Stall ist nur zwei Minuten von meiner Wohnung entfernt. Ich reite gerne gemeinsam mit meiner Schwester aus, und wir genießen die Natur. Cosima ist meine Erdung, sie merkt immer, wenn ich einen anstrengenden Tag hatte.

Referenz: (1) J Natl Cancer Inst 2019; 111:380–87