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Der AKE-Podcast „Übern Tellerrand g’schaut“ bringt in Zusammenarbeit mit dem renommierten MedMedia Verlag spannende Einblicke in die Welt der klinischen Ernährung direkt zu Ihnen.
„Iss diese fünf Lebensmittel nicht, wenn du abnehmen möchtest.“
Solche Aussagen gehören zu den häufigsten Botschaften in sozialen Medien, Diätprogrammen oder Lifestyle-Ratgebern. Sie vermitteln den Eindruck, dass bestimmte Lebensmittel automatisch zu Gewichtszunahme führen und deshalb konsequent gemieden werden sollten. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht greift diese Darstellung jedoch deutlich zu kurz.
Es gibt keine einzelnen Lebensmittel, die allein über Gewichtsreduktion oder Gewichtszunahme entscheiden. Ebenso wenig führt das gezielte Weglassen bestimmter Lebensmittel automatisch zum gewünschten Gewichtsverlust. Ernährung und Gewichtsentwicklung bewegen sich in der Regel im Graubereich, der von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst wird.
Das bedeutet auch: Ein pauschales Verbot einzelner Lebensmittel ist aus ernährungsmedizinischer Sicht meist nicht notwendig – es sei denn, es liegt eine medizinische Indikation wie eine Allergie oder Unverträglichkeit vor.
Bei der Gewichtsregulation spielt der Energiehaushalt selbstverständlich eine zentrale Rolle. Die Beziehung zwischen Energiezufuhr und Energieverbrauch wird häufig mit dem Prinzip „Calories in – calories out“ beschrieben. In der Realität ist der menschliche Stoffwechsel jedoch deutlich komplexer.
Neben der aufgenommenen und verbrauchten Energie beeinflussen zahlreiche biologische Prozesse das Körpergewicht. Dazu gehören unter anderem das Hunger- und Sättigungsgefühl, hormonelle Regulationsmechanismen, der individuelle Grundumsatz sowie der Anteil aktiver Zellmasse im Körper. Auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Diese Mechanismen zeigen, dass Gewichtsentwicklung nicht allein durch einfache Ernährungsregeln erklärt werden kann.
Zusätzlich zu biologischen Faktoren wirken auch psychologische und soziale Einflüsse auf das Essverhalten. In der Gesundheitswissenschaft wird dieses Zusammenspiel häufig im biopsychosozialen Modell beschrieben (Dahlgren & Whitehead, 1991). Dieses Modell berücksichtigt neben biologischen Voraussetzungen auch individuelle Lebensgewohnheiten, soziale Lebensbedingungen, Umweltfaktoren und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.
Für die Praxis bedeutet das: Jeder Mensch bringt unterschiedliche Voraussetzungen, Lebensrealitäten und Ziele mit. Erfolgreiche Strategien zur Gewichtsreduktion müssen daher immer im individuellen Kontext betrachtet werden.
Gewichtsreduktion ist ein komplexer Prozess, der langfristig meist nur dann erfolgreich ist, wenn verschiedene Aspekte gemeinsam berücksichtigt werden. Neben einer angepassten Ernährungsstrategie spielen auch Bewegung, psychologische Unterstützung und Verhaltensänderungen eine wichtige Rolle. Interdisziplinäre Programme, in denen Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapie kombiniert werden, gelten daher als besonders effektiv.
Je nach individueller Situation können auch medizinische Maßnahmen Teil der Therapie sein. In bestimmten Fällen sind medikamentöse Behandlungen oder bariatrische chirurgische Verfahren indiziert, insbesondere bei ausgeprägter Adipositas und entsprechenden Begleiterkrankungen. Die Entscheidung hierfür erfolgt stets auf Basis individueller medizinischer Faktoren und Leitlinienempfehlungen (Hauner et al., 2014).
Vereinfachte Diätregeln und Verbotslisten einzelner Lebensmittel sind aus wissenschaftlicher Sicht kaum haltbar. Gewichtsentwicklung ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren.
Für die ärztliche Beratung bedeutet das: Statt einzelner „Dickmacher“ sollten langfristig umsetzbare Ernährungs- und Lebensstilstrategien im Mittelpunkt stehen. Eine evidenzbasierte, differenzierte Aufklärung hilft Patient:innen, unrealistische Erwartungen zu vermeiden und nachhaltige Veränderungen zu entwickeln.