Mangelernährung – warum frühe Ernährungstherapie entscheidend ist

„Mangelernährung sollte erst im fortgeschrittenen Stadium behandelt werden.“
Diese Annahme ist aus ernährungsmedizinischer Sicht klar falsch. Gerade im klinischen Alltag wird Mangelernährung häufig unterschätzt oder erst spät erkannt, obwohl sie einen wesentlichen Einfluss auf Krankheitsverlauf, Komplikationen und Prognose hat.

Frühzeitige Ernährungstherapie verbessert Outcomes

Aktuelle wissenschaftliche Daten zeigen, dass eine frühzeitige und individuell angepasste Ernährungstherapie die Behandlungsergebnisse mangelernährter Patient:innen deutlich verbessern kann. Ernährung ist dabei nicht nur unterstützende Maßnahme, sondern ein relevanter Bestandteil der medizinischen Therapie.

Besonders eindrucksvoll zeigt dies die randomisierte kontrollierte EFFORT-Studie, die den frühen Beginn einer Ernährungstherapie bei internistischen Patient:innen im stationären Setting untersucht hat.

Die EFFORT-Studie: Ernährung als Teil der Therapie

In der Studie erhielt die Interventionsgruppe eine individuell angepasste Ernährungstherapie, während die Kontrollgruppe mit der üblichen Krankenhauskost versorgt wurde. Ziel war es zu untersuchen, welchen Einfluss eine strukturierte ernährungsmedizinische Betreuung auf klinische Outcomes hat.

Die Ergebnisse zeigen einen klaren Benefit der frühzeitigen Ernährungsintervention.

Welche Vorteile konnten gezeigt werden?

In der Interventionsgruppe konnten mehrere relevante Outcomes signifikant verbessert werden, darunter:

  • die 30-Tage-Mortalität
  • klinische Komplikationen wie Infektionen und organspezifische Komplikationen
  • die körperliche Leistungsfähigkeit der Patient:innen

Die Studie gilt heute als eine der bedeutendsten Arbeiten im Bereich der klinischen Ernährungsmedizin, da sie den direkten Einfluss einer frühzeitigen Ernährungstherapie auf die Prognose stationärer Patient:innen verdeutlicht.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit als Schlüssel

Die Ergebnisse unterstreichen auch die zentrale Rolle der interdisziplinären Zusammenarbeit im Krankenhaus. Eine frühzeitige Einbindung von Diätolog:innen kann wesentlich dazu beitragen, Mangelernährung rechtzeitig zu erkennen und individuell zu behandeln.

Ernährungstherapie sollte daher nicht erst als „letzte Maßnahme“ betrachtet werden, sondern frühzeitig Teil des Behandlungskonzepts sein.

Fazit für den ärztlichen Alltag

Mangelernährung ist kein Randthema, sondern ein relevanter prognostischer Faktor im stationären Setting. Eine frühzeitige, individualisierte Ernährungstherapie kann Mortalität, Komplikationen und körperliche Einschränkungen signifikant verbessern.

Für Jungärzt:innen bedeutet das: Mangelernährung früh erkennen, ernst nehmen und interprofessionell behandeln – denn Ernährung ist ein zentraler Bestandteil moderner Medizin.