50 % mehr Geld für magistrale Zubereitungen

(c) Apothekerkammer

Die Bundesregierung setzt weitere Schritte zur Absicherung der Medikamentenversorgung in Österreich. RELATUS kennt die Details.

Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) hat ein neues Paket gegen Engpässe bei Medikamenten vorgelegt. Die pharmazeutische Industrie wird dazu verpflichtet, ihre bestehenden Lagerbestände für kritische Arzneimittel deutlich zu erhöhen. Rund 700 relevante Medikamente sollen künftig für den österreichweiten Bedarf von vier Monaten eingelagert werden. Sie wurden in der entsprechenden Taskforce des Gesundheitsministeriums mit allen relevanten Systempartner:innen erarbeitet. Dazu zählen insbesondere Schmerzmittel, Antibiotika, Medikamente gegen Erkältungssymptome, aber auch Präparate für chronische Herz-Kreislauf- oder Lungen-Erkrankungen. Bevor die Verpflichtung an die pharmazeutische Industrie in Kraft treten kann, muss sie der Europäischen Kommission aber noch zur Kenntnis gebracht werden.

„Wir konnten die Medikamentenversorgung in Österreich für diesen Winter durch ein Bündel an kurzfristigen Maßnahmen bestmöglich sicherstellen. Durch die Verpflichtung der pharmazeutischen Industrie zur Bevorratung wichtiger Arzneimittel setzen wir nun einen wichtigen Schritt, um auch im nächsten Winter bestmöglich auf mögliche Lieferengpässe vorbereitet zu sein“, gab sich Rauch am Dienstag sicher. „Langfristig braucht es eine europäische Lösung, die alle Mitgliedstaaten gleichermaßen absichert. Das werde ich in Brüssel weiterhin einfordern.“ Für die nächste Wintersaison müssen die entsprechenden Medikamente allerdings bereits eingelagert sein und der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Die pharmazeutische Industrie kann für die zusätzlich entstehenden Kosten einen Antrag auf Erstattung beim Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) stellen.

Neben der Einrichtung eines eigenen Wirkstofflagers für kritische Arzneimittel und der Einführung eines Unterstützungsbeitrages für niedrigpreisige Medikamente, wurde auch die Erweiterung von Verkaufsfristen sowie die Erleichterung des Imports aus dem EWR-Raum beschlossen. Andreas Windischbauer, Präsident des Großhandelsverbandes PHAGO, präsentierte am Dienstag zusammen mit allen Mitgliedsbetrieben und dem Gesundheitsminister das für Krisenfälle eigens geschaffene Wirkstofflager: „In den 23 Lagern des Arzneimittel-Vollgroßhandels liegt aktuell gerade der Sicherheitsbestand an mehr als einer Tonne Grundwirkstoff für kritische Schmerz- und Fieber Arzneimittel sowie Antibiotika inklusive Hilfsstoffen und Verpackung. Allein damit können fast 300.000 Patientinnen und Patienten als Überbrückung durch magistrale Zubereitungen versorgt werden. Bei Akutbedarf können wir die Wirkstoffe jederzeit an die Apotheken ausliefern.“

In Phasen mit hohem Bedarf können Apotheken diese Wirkstoffe abrufen und die Versorgung der Bevölkerung durch magistral zubereitete Arzneimittel sicherstellen. Das Entgelt für Apotheker:innen wurde nun um durchschnittlich 50 Prozent erhöht. Gestiegene Personal- und Herstellungskosten sollen dadurch bestmöglich erstattet und die magistrale Zubereitung vereinfacht werden. Die entsprechende Arzneitaxen-Verordnung ist mit 1. Jänner 2024 in Kraft getreten, erklärte Rauch. Darüber hinaus haben die PHAGO-Großhändler ein Frühwarn-System erstellt, das laufend Lieferengpass-Meldungen an das Gesundheitsministerium und die Sozialversicherung schickt, um die Möglichkeit zu geben, bei Bedarf rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen. (rüm)

v.l.: Dr. Andreas Janka, Dr. Andreas Windischbauer (beide Herba Chemosan), Thomas Brosch (Kwizda), BM Johannes Rauch, Dr. Monika Vögele (PHAGO), Mag. Maximilian von Künsberg Sarre (Herba Chemosan), Gerhard Waberer und Dr. Christoph Markmann (beide PHOENIX). © Phago