© Matthias Stolt – stock.adobe.com Wissenschafter:innen der MedUni Graz erforschen die Schlüsselfaktoren für gesundes Altern und fordern ein Gesundheitssystem, das stärker auf die Vielfalt und Bedürfnisse älterer Menschen eingeht.
Die Bevölkerung wird nicht nur älter, sondern auch vielfältiger. „Gesundes Altern ist nicht ausschließlich eine Frage des biologischen Alters. Entscheidend sind die sozialen, gesundheitlichen und individuellen Voraussetzungen, die Menschen im Laufe ihres Lebens mitbringen“, betont Regina Roller-Wirnsberger, Professorin für Geriatrie und kompetenzbasierte Curriculumsentwicklung von der Universitätsklinik für Innere Medizin der Medizinischen Universität Graz.
Die Geriaterin und ihr Team untersuchen die Rolle von Faktoren wie Bildung, Einkommen, Geschlecht, kultureller Hintergrund oder Gesundheitskompetenz, die maßgeblich beeinflussen, wie Menschen altern. So geht etwa soziale Benachteiligung mit einem erhöhten Risiko für chronische Erkrankungen, Gebrechlichkeit im Alter, funktionellen Einschränkungen und Pflegebedürftigkeit einher. Frauen erreichen zwar häufiger ein höheres Lebensalter, verbringen jedoch oft mehr Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen. Auch kulturelle und sprachliche Unterschiede wirken sich auf die medizinische Versorgung aus: Sie beeinflussen, wie Symptome wahrgenommen und kommuniziert werden oder wie gut Therapiepläne verstanden werden. Sprachbarrieren können die Diagnosestellung erschweren und das Risiko von Fehl- oder Unterversorgung erhöhen.
Im Rahmen von COST Action Programming und anderen EU-geförderten Projekten untersucht Roller-Wirnsberger die Implementierung integrierter Versorgungsmodelle für ältere Menschen in Österreich. Erste Ergebnisse zeigen, dass eine alterssensible Umgestaltung unseres Gesundheitssystems und eine multiprofessionelle, personenzentrierte Versorgung der älteren Bevölkerung nicht nur Patient:innen und Angehörigen, sondern dem gesamten Gesundheitssystem zugutekommen.
Medizinische Entscheidungen müssten sich stärker an den individuellen Bedürfnissen, Lebenszielen und Ressourcen älterer Menschen orientieren, fordert die Medizinerin. Auch Präventionsangebote seien umso erfolgreicher, je besser sie an die individuellen Lebensbedingungen der Menschen angepasst werden. Für die Zukunft braucht es laut der Expertin ein Gesundheitssystem, das „stärker auf die Vielfalt älterer Menschen eingeht, geriatrische Kompetenz in allen Gesundheitsberufen verankert und Prävention sowie Teilhabe konsequent in den Mittelpunkt stellt“. (tab)