Gesundheitsausgaben gehen zurück

(c) Österreichische Gesundheitskasse

Es klingt auf den ersten Blick verwirrend: Österreichs Gesundheitsausgaben stiegen 2022 auf 49,9 Milliarden Euro, meldet die Statistik Austria. Mit Blick auf die Wirtschaftsleistung zeigt sich aber ein starker BIP-Rückgang.

Die laufenden Gesundheitsausgaben in Österreich sind im Jahr 2022 moderat angestiegen und beliefen sich auf 49,9 Milliarden Euro, rechnete die Statistik Austria am Mittwoch in einer Pressemitteilung. 2021 machten die Gesundheitsausgaben noch 49,2 Milliarden Euro und 12,2 Prozent des BIP aus. „Der Anteil der Gesundheitsausgaben an der Wirtschaftsleistung ist von 12,2 Prozent im Jahr 2021 auf 11,2 Prozent im Jahr 2022 zurückgegangen, weil das nominelle Bruttoinlandsprodukt noch kräftiger gestiegen ist als die Gesundheitsausgaben“, erklärte Statistik-Austria Generaldirektor Tobias Thomas. Damit liegen die Ausgaben wieder auf dem Niveau der Jahre vor der Pandemie. Anders formuliert: In absoluten Zahlen steigen die Gesundheitsausgaben zwar, real ist der Anteil an der Wirtschaftsleistung über die vergangenen Jahre – mit Ausnahme des Pandemieanstiegs – aber konstant.

Im OECD-Vergleich liegt Österreich mit dem Anteil des BIP, der für die laufenden Gesundheitsausgaben aufgewendet wird, auf Platz acht (Durchschnitt: 9,2 Prozent). Auf den ersten Plätzen finden sich die USA (16,6 Prozent), Deutschland (12,7 Prozent) und Frankreich (12,1 Prozent). Auch hier ist Österreich damit sogar zurückgefallen.

Private Ausgaben – etwa von Haushalten, freiwilligen Krankenversicherungen oder Unternehmen – machten zuletzt 11,2 Milliarden Euro oder 22,4 Prozent der laufenden Gesundheitsausgaben aus. 14,7 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln gingen an Fondskrankenanstalten inklusive Spitalsambulanzen.

SPÖ-Klubobmann und Gesundheitssprecher Philip Kucher kommentierte die Zahlen in einer Presseaussendung so: „Österreichs so viel gelobtes Gesundheitssystem wird leider schlechter. Es kracht mittlerweile an allen Ecken und Enden. Alle spüren das. Von den Patientinnen und Patienten bis hin zum Gesundheitspersonal.“ Es komme zudem zu immer mehr statt weniger Zwei-Klassen-Medizin: „Die SPÖ verlangt eine echte Offensive gegen die fortschreitende Zwei-Klassen-Medizin und die nötigen Schritte, um das Ziel einer Termingarantie binnen 14 Tagen zu erreichen. Fehlende Ärzt:innen, fehlende Pfleger:innen, verschobene Operationen, immer längere Wartezeiten auf Arzttermine und OPs, immer weniger Zeit der Ärzt:innen für ihre Patient:innen: Es gäbe ausreichend Aufgaben für die Politik“, formulierte Kucher. (rüm)