Hitzewelle: Jetzt läuft Krisenmanagement an

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Weil am Wochenende bis zu 40 Grad erwartet werden, bereiten Bund, Länder und Einsatzorganisationen gemeinsam Maßnahmen vor. Das staatliche Krisen- und Katastrophenschutzmanagement wurde einberufen.

Österreich schwitzt dem Höhepunkt der Hitzewelle am Wochenende entgegen. Die Meteorologen von Geosphere Austria prognostizierten besonders für Sonntag landesweit hohe Temperaturen mit bis zu 40 Grad im Osten. Zum Wochenbeginn kühlt es im Westen ab, während im Osten weiterhin 38 Grad erreicht werden. Bund und Länder bereiten sich deshalb gemeinsam mit den Einsatzorganisationen auf die Hitzewelle in den kommenden Tagen vor. Demnach wurde auf Ersuchen des zuständigen Gesundheitsministeriums das Staatliche Krisen- und Katastrophenschutzmanagement (SKKM) einberufen, hieß es am Donnerstag. In dem vom Innenministerium (BMI) geleiteten Gremium sind Ministerien, Länder und Einsatzorganisationen vertreten.

Die Einberufung ist im Nationalen Hitzeschutzplan des Gesundheitsressorts für die höchste Hitzewarnstufe vorgesehen. Bei der am Donnerstag abgehaltenen Sitzung nahmen knapp 100 Vertreter:innen von Behörden und Einsatzorganisationen aus ganz Österreich teil. Das SKKM sei als bundesweite Austauschplattform ein wesentlicher Bestandteil der gemeinsamen Vorbereitung und Bewältigung gesamtstaatlicher Herausforderungen.

„Die kommenden Tage werden für viele Menschen eine enorme Belastung“, sagt Gesundheits- und Arbeitsministerin Korinna Schumann (SPÖ). Hitze sei kein bloßes Wetterphänomen: „Sie stellt insbesondere für ältere Menschen, Kinder, chronisch kranke Menschen sowie Personen, die im Freien arbeiten, ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko dar.“ Gemeinsames Ziel sei es, bestmöglich vorbereitet zu sein und die Bevölkerung bestmöglich zu schützen. Die Ministerin appelliert an die Menschen, einfache Schutzmaßnahmen einzuhalten: „Bitte nehmen Sie die Hitzewarnungen ernst, trinken Sie ausreichend Wasser, vermeiden Sie körperliche Anstrengungen während der heißesten Stunden des Tages und achten Sie besonders auf ältere Angehörige, Nachbarinnen und Nachbarn sowie andere besonders gefährdete Menschen.“ Gerade in Hitzeperioden könne ein kurzer Anruf oder ein Besuch einen großen Unterschied machen.

Die Johanniter Österreich warnen davor, dass das Risiko nach wie vor unterschätzt wird und rufen zu mehr Aufmerksamkeit für vulnerable Gruppen auf. „Im Alter lässt die Schweißdrüsenaktivität nach, die natürliche Kühlung des Köpers funktioniert schlechter. Gleichzeitig nimmt bei vielen älteren Menschen auch das Durstgefühl ab. Diese Kombination führt rasch zu einer lebensbedrohlichen Dehydrierung, ohne dass die Betroffenen es merken,“ erläutert Johanniter-Chefarzt Rainer Thell. „Besonders kritisch: Ein drohender Hitzschlag kündigt sich nicht merklich an. Verwirrung, Orientierungslosigkeit oder manchmal auch Aggressivität sind Symptome, die von Angehörigen oft falsch eingeschätzt oder anderen Ursachen zugeschrieben werden.“

Und auf einen weiteren Risikofaktor macht der Johanniter-Chefarzt aufgrund seiner Erfahrung als Notarzt aufmerksam: „Am gefährlichsten ist der Faktor Einsamkeit – ein Thema, das oft übersehen wird.“ Laut Thell sind die große Hitze-Risikogruppe vor allem ältere Menschen, die allein in Wohnanlagen leben, ohne jemanden, der regelmäßig nach ihnen sieht: „Soziale Isolation ist einer der größten Risikofaktoren überhaupt. Hitze tötet nicht nur am Berg oder am Badestrand. Das eigentliche Problem ist demnach sehr oft nicht medizinischer, sondern vielmehr gesellschaftlicher Natur.“

Armut erzeugt nach Angaben der Armutskonferenz ein doppelt so hohes Hitzetod-Risiko. „In der Hitzewelle sterben Menschen, besonders gefährdet sind ältere und pflegebedürftige Personen, kranke Kinder und Patienten mit Herz-Kreislauf-Problemen – und da Haushalte in Vierteln mit geringem Einkommen“, warnte das Netzwerk am Donnerstag. Viele der an Hitze Verstorbenen seien einsam und isoliert gewesen, sagt Sozialexperte Martin Schenk. Hier könnten Grätzl-Teams helfen. Sie müssten aber „finanziert sein, damit die Community-Arbeit wirkt“. Außerdem sei ein Plan nötig, um Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime im heißen Sommer zu kühlen, sowie mehr Grünraum und Wasser in der Stadt.

Die Bewohner:innen in Senioren- und Pflegeheimen würden oft vernachlässigt, warnt auch die Wiener FPÖ. „Es ist nicht hinnehmbar, dass in einer Millionenstadt im Jahr 2026 die meisten städtischen Pflegeeinrichtungen weiterhin nicht ausreichend auf extreme Sommertemperaturen vorbereitet sind. Hochbetagte Menschen und andere vulnerable Gruppen sind diesen Temperaturen schutzlos ausgesetzt und riskieren dabei Hitzeschläge sowie ernsthafte gesundheitliche Schäden“, sagt FPÖ-Seniorensprecher Paul Stadler. Im Kampf gegen die Hitze fordert die FPÖ den raschen Einsatz von Fernkühlung. Wo dies technisch nicht umsetzbar ist, müssten Pflegeeinrichtungen mit ausreichend Klimageräten ausgestattet werden.

Auch die Wiener Grünen befürchten durch die anhaltende Hitze in der Stadt eine massive Gefährdung der Gesundheit der Wiener:innen. Das grüne Maßnahmenpaket umfasst die Kühlung von Innenräumen sowie die Abkühlung des öffentlichen Raumes. So soll etwa die Förderung für Außenjalousien erhöht und Fernkälte bei Neubauten und Gebäudesanierungen zum Standard werden. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sollen ebenso abgekühlt werden wie Kindergärten und Schulen. Dass eine einfache Lösung wie das konsequent nächtliche Querlüften oder die Annahme von gespendeten Ventilatoren in Schulen wegen bürokratischer Hürden nicht möglich ist, könne niemand in der Stadt verstehen. Die Stadtregierung müsse vor allem jene schützen, die der Hitze am meisten ausgeliefert sind – Menschen mit geringerem Einkommen, Kinder, Jugendliche, ältere oder kranke Menschen. (red)