Ideen für wirksamere Vorsorge

© Zukunft Gesundheit/APA/Hörmandinger

Zum 15-jährigen Jubiläum der Dialogreihe „zukunft gesundheit“ diskutierten Expert:innen, wie man Präventionsangebote besser zu den Menschen bringen kann.  

Seit mehr als 50 Jahren gibt es in Österreich die Vorsorgeuntersuchung. Dennoch nutzt sie bis heute nur ein geringer Anteil der Bevölkerung. Wie Prävention künftig besser im System verankert werden kann, diskutierten Vertreter:innen aus Bund, Ländern, Sozialversicherung, Wissenschaft und Praxis anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Dialogreihe „zukunft gesundheit – Heute Ideen für Morgen“ sowie des Schwerpunktjahres 2026 zum Thema Vorsorge. 

„Wir haben viele gute Vorsorgeangebote. Die Herausforderung besteht darin, die Menschen tatsächlich zu erreichen und ihnen zu vermitteln, warum Vorsorge wichtig ist“, betonte Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Ein wichtiger Hebel sei es, bestehende Kontakte der Menschen mit dem Gesundheitssystem stärker zu nutzen– etwa Vorsorgeuntersuchungen oder Rehabilitationsaufenthalte – um auf kostenfreie Impfangebote aufmerksam zu machen und diese direkt anzubieten.“ 

Welche Möglichkeiten moderne Datenanalysen eröffnen, zeigte Nikolas Popper, Senior Scientist an der Data Science Research Unit der TU Wien auf. Daten, Simulationen und künstliche Intelligenz könnten helfen, die Auswirkungen gesundheitspolitischerMaßnahmen besser abzuschätzen und Entscheidungen evidenzbasiert zu treffen. „Die Modelle helfen uns, Evidenz zu schaffen – die Interpretation muss aber immer beim Menschen bleiben“, so Popper. 

Wie aus Erkenntnissen konkrete Maßnahmen entstehen können, verdeutlichte Michael Müller, Direktor des Geschäftsbereichs Leistung & Prävention der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS), am Beispiel des neuen SVS-Vorsorgepasses. Dieser bündelt bestehende Vorsorgeangebote und setzt gezielt Anreize für gesundheitsbewusstes Verhalten. „Nudging bedeutet nicht, Menschen zu bevormunden, sondern sie dabei zu unterstützen, selbstbestimmt etwas für ihre Gesundheit zu tun“, erklärte Müller.  

Angesichts steigender Kosten und eines wachsenden Versorgungsbedarfs sei Prävention zunehmend auch eine Frage der langfristigen Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems, betonte ÖGK-Arbeitgebervorsitzender Peter McDonald (ÖVP). Prävention könne dazu beitragen, vorhandene Ressourcen gezielter einzusetzen und die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems für die Zukunft zu sichern. 

Unterschiedliche Auffassungen gab es bei der Frage, wie Menschen zu gesundheitsbewusstem Verhalten motiviert werden können. Susanne Rabady, Past President der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM), sprach sich für zielgerichtete und evidenzbasierte Prävention aus. „Gute Prävention bedeutet, die richtigen Untersuchungen den richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt anzubieten. Wir brauchen ein Gesamtkonzept für Prävention und Gesundheitsförderung“, sagte Rabady und warnte davor, Prävention mit möglichst vielen Untersuchungen gleichzusetzen. 

Deutlich weiter ging Martin Clodi, Abteilungsvorstand für Innere Medizin bei den Barmherzigen Brüdern Linz, Präsident der Cholesterin Allianz und Past President der Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖDG). Er forderte eine stärker strukturierte Früherkennung von Risikofaktoren bereits im Kindes- und Jugendalter sowie eine konsequentere Nutzung vorhandener Gesundheitsdaten. Langfristig müsse auch diskutiert werden, ob Menschen, die empfohlene Vorsorgeangebote wiederholt nicht wahrnehmen, stärker in die Verantwortung genommen werden sollten. 

Einen weiteren Hebel sieht ÖVP-Gesundheitssprecherin Juliane Bogner -Strauß in der besseren Nutzung vorhandener Erkenntnisse und Projekte. „Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir handeln können, sondern wie wir dieses Wissen nutzen, um Menschen gezielt zu den Vorsorgeangeboten zu bringen, die sie wirklich brauchen“, sagte Bogner-Strauß. Der Tenor des Abends: Es mangelt nicht an Wissen über wirksame Prävention. Die Herausforderung liegt vielmehr darin, bestehende Erkenntnisse konsequenter in Versorgung, Finanzierung und Gesundheitskompetenz zu übersetzen. (APA/tab)