„Influenzaviren haben das größte Potenzial für Pandemien“ 

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Seit einem Jahr leitet Florian Krammer das Ludwig Boltzmann Institut für Wissenschaftsvermittlung und Pandemievorsorge (LBI SOAP). Mit RELATUS spricht er über riskante Erreger, Virusüberwachung und Katzenbesitzer als Forschungspartner.  

Mehrere Ausbrüche von Infektionskrankheiten sorgten in jüngster Zeit für Schlagzeilen, etwa die Ebola-Epidemie in Afrika und der Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff. Haben diese Viren das Potenzial, zu einer globalen Gefahr zu werden? Bei Ebola sehe ich momentan die Gefahr eines größeren lokalen Ausbruchs. Allerdings glaube ich nicht, dass Ebola das Potential zur Pandemie hat, weil es direkten Kontakt braucht, um effizient übertragen zu werden. Es ist also leicht aufzuhalten. Beim Hantavirus ist das ein bisschen anders, da es speziell beim Andesvirus auch zu Mensch-zu-Mensch-Übertragungen über die Atemwege kommen kann. Aber auch hier ist das Potential meiner Meinung nach begrenzt.

Die meisten neu auftretenden Infektionskrankheiten sind Zoonosen. Welche Erreger aus dem Tierreich bereiten Ihnen derzeit die größten Sorgen und wo sehen Sie den dringendsten Forschungsbedarf? Grundsätzlich finde ich, dass Influenzaviren das größte Potential für Pandemien haben. Da gibt es eine große Diversität im Tierreich und Influenzaviren haben ja vier der sechs Pandemien in den vergangenen etwa hundert Jahren verursacht – in den Jahren 1918, 1957, 1968 und 2009. HIV-1 und SARS-CoV-2 waren die anderen zwei. Coronaviren machen mir auch Sorgen. Wir wissen, dass sie sich auch über die Atemwege ausbreiten können, und auch hier gibt es eine große Vielfalt in Tieren. Außerdem haben auch Paramyxoviren wie das Nipah Virus meiner Ansicht nach ein pandemisches Potenzial.

Ihr LBI-Institut hat vor einem Jahr im Juli 2025 seine Forschung aufgenommen, mit dem Ziel, die Pandemievorsorge verbessern. Wie kann sich ein Gesundheitssystem bestmöglich auf eine Pandemie vorbereiten? Die beste Vorsorge ist es, ein robustes und gut finanziertes Gesundheitssystem zu haben, mit genug Kapazität, was Betten und Gesundheitspersonal betrifft. Des Weiteren braucht es gute und detaillierte Pandemiepläne.Vorhersagen kann man Pandemien nicht, man kann sich nur bestmöglich auf sie vorbereiten, inklusive Virusüberwachung in Tieren und Menschen und vorrausschauende Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten für alle in Frage kommenden Virusgruppen.

Die zweite Säule Ihres Instituts umfasst Citizen Science und Wissenschaftsvermittlung. Wie beziehen Sie die Bevölkerung konkret in die Erforschung von Krankheitserregern mit ein? Wir arbeiten an einigen Ansätzen, um gemeinsam mit der Bevölkerung zu forschen. Unser momentanes Pilotprojekt nennt sich ViroKitty. Hier laden wir Katzenbesitzer in Wien ein, uns zu kontaktieren, wenn die Katze „Beute“ nach Hause bringt. Wir holen diese dann ab und analysieren die toten Nagetiere oder Vögel auf Viren mit zoonotischem Potential. (Das Interview führte Silke Tabernik)