© dm/Marco Riebler Eine aktuelle Analyse des österreichischen Handels zeigt einen tiefgreifenden Wandel im Konsumverhalten – mit direkten Auswirkungen auf den Gesundheitssektor und Apotheken.
Die aktuelle Studie „Der große Wandel. So shoppt Österreich 2026“ von Handelsverband und RegioPlan Consulting zeigt eine deutliche Verschiebung im Konsumverhalten der österreichischen Bevölkerung. Während die allgemeine Konsumstimmung angesichts von Inflation, geopolitischen Unsicherheiten und steigenden Kosten unter Druck steht, gewinnen Ausgaben für Gesundheit, Selbstoptimierung und Prävention zunehmend an Bedeutung. Gesundheitsbezogene Konsumtrends verschieben sich zunehmend in Richtung Eigenverantwortung und individuelle Gesundheitsvorsorge.
Im langfristigen Vergleich zeigt sich ein klarer Anstieg gesundheitsnaher Ausgaben: Zwischen 2015 und 2025 sind die Ausgaben für Nahrungsergänzungsmittel und Gesundheitspflege jeweils um 64 % gestiegen. Parallel dazu entwickeln sich weitere gesundheitsaffine Konsumbereiche dynamisch, etwa Sportgeräte (+94 %) oder Ausgaben im Bereich persönliches Wohlbefinden. Die Studie beschreibt diesen Wandel als Übergang „vom Haben zum Sein“. Konsument:innen investieren verstärkt in ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden und in Selbstoptimierung. Darauf reagiert auch der Einzelhandel und richtet sein Angebot zunehmend auf diese Nachfrage aus.
Ein zentraler Trend in diesem Zusammenhang ist der Longevity-Boom. Darunter wird die gezielte Investition in ein längeres und gesünderes Leben verstanden. Dieser Trend treibt insbesondere die Nachfrage nach Self-Care-Produkten, Nahrungsergänzungsmitteln sowie sogenannten Biohacking-Tools. Genannt werden in der Studie unter anderem smarte Ringe oder Fitness-Armbänder, die zur kontinuierlichen Erfassung von Gesundheitsdaten eingesetzt werden. Auch im Bereich der Prävention entstehen neue Angebote. So werden beispielsweise Heimtests zur eigenständigen Gesundheitskontrolle verfügbar gemacht, darunter Checks für Frauengesundheit, Nährstoffstatus oder allgemeine Gesundheitsparameter. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung niederschwelliger, individualisierter Gesundheitsangebote.
Ein weiterer relevanter Trend ist der sogenannte „Sober Curious“-Ansatz. Dabei handelt es sich um einen bewussten, gesundheitsorientierten Verzicht auf Alkohol. Laut Studie zeigt sich dies im Handel durch steigende Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen, insbesondere alkoholfreiem Bier und Wein. Besonders deutlich sind die Auswirkungen neuer medikamentöser Therapien auf das Konsumverhalten. Hervorgehoben werden GLP-1-Rezeptoragonisten. Diese beeinflussen laut Studie messbar das Ernährungs- und Kaufverhalten. Die Präparate führen unter anderem zu einer verminderten Präferenz für fettreiche und zuckerhaltige Lebensmittel. In der Folge verstärkt sich im Lebensmittelhandel die Nachfrage nach „gesünderen“ sowie proteinreichen Produkten. Internationale Handelsunternehmen berichten bereits von einem Rückgang bei kalorienreichen Lebensmitteln, Snacks und zuckerhaltigen Produkten.
Darüber hinaus reagieren auch globale Nahrungsmittelproduzenten auf diese Entwicklung, indem sie Produkte mit angepassten Rezepturen und Portionsgrößen entwickeln, die gezielt als Ergänzung zu GLP-1-Therapien positioniert werden. Insgesamt verdeutlicht die Analyse, dass sich der Konsum zunehmend in Richtung gesundheitsbezogener Produkte und Dienstleistungen verlagert. Der Handel nimmt dabei eine aktive Rolle ein, indem er sein Angebot an die veränderten Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten anpasst und verstärkt gesundheitsorientierte Produkte sowie Präventionslösungen integriert. Für den Gesundheitsbereich und insbesondere für Apotheken ergibt sich daraus ein Umfeld, in dem gesundheitsbezogene Themen eine wachsende Rolle im Alltag der Bevölkerung spielen und eng mit Konsumentscheidungen verknüpft sind. (rüm)