© Rümmele Die heimischen Krankenversicherungsträger haben am Wochenende ihre nächste Gebarungsvorschau vorgelegt. Dachverbandschef Peter McDonald will weiter eine „schwarze Null“ und setzt auf Reformen.
Österreichs Krankenversicherungsträger haben ihren Abgang im Jahr 2026 gegenüber der letzten Prognose im Mai fast um die Hälfte reduzieren können. Statt minus 204,8 Mio. Euro wird in der nunmehrigen Gebarungsvorschau nur noch ein Defizit von 111,2 Mio. Euro erwartet. Der Blick auf die drei Krankenversicherungsträger weist der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) nun ein Minus von 151,5 Mio. Euro aus (zuletzt -217,8). Bei der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) wird nun ein Verlust von 65,1 Mio. Euro erwartet (vor drei Monaten noch -102,7). Die Sozialversicherungsanstalt der Selbstständigen (SVS) erwartet einen etwas geringeren Gewinn von 105,4 statt 115,6 Mio. Euro für 2026. Auch die weitere Vorschaurechnung sieht besser aus: Über die drei Träger hinweg wird 2027 ein Minus von 188,2 Mio Euro (statt 427,4) erwartet, 2028 -406,0 Mio Euro (statt -684,5), 2029 -681,5 (statt -1.006,3) und 2030 -855,8 Mio Euro (statt -1.127,8).
Peter McDonald, in diesem Halbjahr turnusmäßig Chef des Sozialversicherungs-Dachverbands und Dienstgebervertreter in der ÖGK zeigt sich stolz: „Wir haben hart daran gearbeitet, vom Milliardendefizit in Richtung Turnaround zu kommen“, sagte er zur APA. „Es ist ja unser Job, als selbstverwaltete Führung der Versicherungsgemeinschaft sicherzustellen, dass wir nicht mehr ausgeben, als wir an Geld zur Verfügung haben. Das passiert nicht aus Selbstzweck, sondern aus Verantwortungsbewusstsein und um den medizinischen Fortschritt für alle weiterhin zugänglich zu machen.“
Dass die Zahlen besser werden, hat für McDonald keineswegs mit Prognoseirrtümern in der Vergangenheit zu tun, sondern mit gesetzten Maßnahmen im Kassenbereich, etwa Gehaltsabschlüssen unter der Inflation, der Streichung von 300 Dienstposten in der ÖGK oder der Reduktion von Verwaltungsflächen. Man sei aber auch bei Leistungen strenger geworden, etwa bei Krankentransporten und eingeführten Selbstbehalten. Nicht zuletzt kämen aber auch Abschlüsse mit den Vertragspartnern zur Geltung, die niedriger als erwartet ausgefallen seien. Und auch der um 0,9 Prozentpunkte erhöhte Krankenversicherungsbeitrag für Pensionist:innen habe sich ausgewirkt.
Dies alles sei vor dem Hintergrund einer herausfordernden Wirtschaftslage geschehen, und es werde weitere Kraftanstrengungen brauchen. „Wir brauchen eine ausgeglichene Gebarung, nicht zum Selbstzweck, sondern für zukünftige Generationen“, so McDonald. Im Vorjahr konnte etwa die ÖGK die gesetzlich vorgeschriebene Leistungssicherungsrücklage nicht bilden. Herausforderungen seien die Alterung mit höherer Inanspruchnahme der Medizin, aber auch der medizinische Fortschritt, der zu finanzieren sei, betont der Kassenboss. Dies erfordere zusätzliche Maßnahmen auch aus dem aktuellen Gesundheitsreformprozess. Es gehe etwa um die Häufigkeit von Arztbesuchen und die Spielregeln für die Patientenlenkung, aber auch um neue Versorgungsformen außerhalb der Spitäler.
Für McDonalds Gegenpart, Arbeitnehmervertreter und turnusmäßiger ÖGK-Obmann Andreas Huss, ist die Entwicklung „erfreulich“. Man sei aber noch weit vom Ziel eines ausgeglichenen Ergebnisses entfernt, schreibt Huss in einer Aussendung. Er nennt als Hauptgrund der besseren Entwicklung die Erhöhung des Krankenversicherungsbeitrags der Pensionist:innen, die immerhin rund 500 Mio. Euro in die Kassen spült. „Wir sehen, dass sich die Erhöhung des Beitrags positiv auf unser Ergebnis auswirkt. Ich möchte mich ausdrücklich bei den Pensionistinnen und Pensionisten bedanken, die hier einen Beitrag zur Verbesserung unserer finanziellen Situation leisten“, betont Huss und er warnt: In den Zahlen sei der Leistungsausbau der kommenden Jahre aber noch nicht eingepreist. „Wir möchten zusammen mit den Ländern zahlreiche neue Versorgungsprojekte wie etwa gynäkologische Zentren, Diabeteszentren, psychosoziale Versorgungszentren und andere spitalsentlastende Versorgungsmodelle im Bereich der fachärztlichen Versorgung umsetzen. Weiters auch die Primärversorgung auf 300 Zentren bis 2030 massiv ausbauen. Auch der österreichweite Gesamtvertrag, den wir gerade mit der Bundesärztekammer verhandeln, soll ein Mehr an Versorgung bringen. Für das alles werden wir zusätzliches Geld benötigen.“ Huss hofft im Rahmen der Reformpartnerschaft und der bevorstehenden Verhandlungen zum nächsten Finanzausgleich auf mehr Mittel. (rüm/APA)