Neuer Schnelltest bei Harnwegsinfektion    

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Hunderte Millionen Menschen haben pro Jahr eine Harnwegsinfektion, doch bei einem Drittel ist das erste Antibiotikum unwirksam. Ein Resistenztest aus Großbritannien soll nun rasch Ergebnisse liefern. 

Etwa zehn Prozent der Frauen haben einmal pro Jahr eine Blasenentzündung. Auch bei Männern steigt mit dem Alter die Häufigkeit für Harnwegsinfektionen. Doch bei der Antibiotikatherapie gibt es zunehmend Probleme mit resistenten Keimen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt in jedem dritten Fall eine Infektion vor, die auf ein Erstlinien-Antibiotikum nicht mehr anspricht.

Doch die derzeit üblichen Zellkulturen sind zeitaufwendig. Eine Urinprobe muss über Nacht kultiviert werden, bevor mit Antibiotikatests begonnen werden kann. Dieser Prozess kann zwei bis drei Tage dauern. „Bis das Labor das Ergebnis liefert, hat eine Patientin möglicherweise bereits seine Antibiotika eingenommen oder ihr wurden Antibiotika verabreicht, die nicht wirken“, erklärte Oliver Hancox von der School of Pharmacy der Universität Reading.

Der neue Test umgeht die Wartezeit über Nacht und erfordert lediglich eine einfache Probenverarbeitung. Eine Kartusche mit feinen Röhrchen, die jeweils mit verschiedenen Antibiotika vorbefüllt sind, wird direkt in die Probe getaucht und in ein Analysegerät eingesetzt. Die optische Bildgebung verfolgt dann, ob in jedem Röhrchen Bakterienwachstum nachweisbar ist oder nicht. Wird das Wachstum gehemmt, wirkt das entsprechende Antibiotikum gegen die Infektion. Vermehren sich die Bakterien weiter, ist es wirkungslos.

Das Verfahren wurde in einer Studie an 352 Urinproben mit den Antibiotika Ampicillin, Amoxicillin/Klavulansäure, Nitrofurantoin, Trimethoprim, Ciprofloxacin, Cefalexin und Cefoxitin untersucht. In fast 97 Prozent der Fälle zeigte sich eine Übereinstimmung mit der Referenzmethode. Im Durchschnitt dauerte es nur knapp unter sechs Stunden bis zu einem aussagekräftigen Ergebnis. „Wenn man dem Arzt noch am selben Tag sagen kann, welches Antibiotikum er einsetzen soll, erhält der Patient schneller die richtige Behandlung. Dadurch wird das Risiko verringert, dass sich Resistenzen entwickeln und die Infektion zu einer potenziell tödlichen Sepsis führt“, so Oliver Hancox. (APA/tab)

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