Neuropathien werden oft falsch behandelt

© Andrea Cimolato / ETH Zürich

Mehr als die Hälfte der Menschen mit neuropathischen Schmerzen werden der ÖSG zufolge falsch und erfolglos behandelt. Wirksam seien nur interdisziplinäre, multimodale Therapien. 

„Neuropathische Schmerzen sind kein Randphänomen, sondern betreffen viele tausend Menschen in Österreich“, sagt der Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) und Leiter der Universitätsklinik für Physikalische Medizin, Rehabilitation und Arbeitsmedizin der MedUni Wien Richard Crevenna. Nach Schätzungen leiden bis zu zehn Prozent der Bevölkerung daran. Unter Menschen mit Diabetes ist etwa jeder Dritte betroffen. Crevenna zufolge werden dennoch viele Menschen mit Neuropathien falsch behandelt, einer entsprechenden Umfrage zufolge mit 57 Prozent sogar mehr als die Hälfte. Sie nehmen klassische Schmerzmittel ein wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) oder Paracetamol. Dies, obwohl Studien zeigten, dass diese Mittel keinen relevanten Nutzen bei Neuropathien haben und noch dazu Nebenwirkungen wie Blutungen, Nierenschäden oder Leberschädigungen zur Folge haben können.  

Der ÖSG-Präsident über die wirksame Therapie: „Neuropathischer Schmerz betrifft den ganzen Menschen, daher braucht eine erfolgreiche Behandlung eine interdisziplinäre, multimodale Schmerztherapie.“ Zu einer solchen Therapie können zwar auch klassische Schmerzmittel zählen, sie sollten jedoch durch Medikamente wie bestimmte Antidepressiva, Antikonvulsiva oder Lidocain- und Capsaicin-Pflaster ergänzt werden.  Zudem gehöre die medikamentöse Therapie durch physikalische und regenerative Therapien ergänzt sowie oft auch durch eine Psychotherapie, denn die chronischen Schmerzen führen meist zu Schlafstörungen, Ängsten, emotionaler Erschöpfung, sozialem Rückzug und Depressionen. (sst/APA)