Pflege: Kosten steigen weiter  

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Ein neuer WIFO-Bericht skizziert die langfristige Entwicklung der Pflege-Ausgaben in Österreich. Investitionen in Bildung, gesundes Altern und die Ausbildung von Fachkräften könnten den Anstieg bremsen.  

Der Pflegebedarf und damit auch die Kosten werden in Österreich in den kommenden Jahrzehnten weiter wachsen. Aufgrund der Alterung der Bevölkerung dürften die öffentlichen Pflegegeldausgaben einem aktuellen Bericht des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) von rund 2,3 Mrd. Euro im Jahr 2018 auf etwa 5,7 Milliarden Euro im Jahr 2080 steigen – ein nominelles Plus von 144 Prozent. Setzt man diesen Wert jedoch in Relation zum BIP-Anteil, fällt der Anstieg deutlich moderater aus.

Die Dynamik des Pflegebedarfs werde sich insbesondere ab den 2030er-Jahren deutlich beschleunigen, sagte Studienautorin Ulrike Famira-Mühlberger bei einem Pressegespräch der Plattform „Diskurs. Das Wissenschaftsnetz“. Der Höhepunkt werde zwischen 2042 und 2057 erreicht, wenn die Babyboomer-Generation ins pflegeintensive Alter eintritt.

Im berechneten Basisszenario gehen die Studienautor:innen bis zum Jahr 2080 von einem Anstieg von derzeit rund 353.000 auf etwa 854.000 Pflegegeldbezieher:innen aus. Zentrale Treiberin sei die steigende Lebenserwartung. Maßnahmen für gesünderes Altern könnten die Ausgabenentwicklung jedoch spürbar dämpfen. Im Szenario „langsameres Altern“ würden die Kosten bis 2080 nur auf rund 3,4 Mrd. Euro steigen, was einem Plus von 45 Prozent entspricht. Auch Bildung wirkt laut Studie kostendämpfend: Ohne Bildungsexpansion würden die Pflegeausgxaben auf 6,5 Mrd. Euro steigen (+190 Prozent gegenüber 2018). Grund dafür ist das deutlich höhere Risiko für Pflegebedürftigkeit bei Personen mit niedriger Bildung.

Um den steigenden Bedarf an Pflegepersonal zu decken, müsse sich die Politik bereits jetzt verstärkt auf den Arbeitsmarkt konzentrieren. Neben der Ausbildung junger Fachkräfte brauche es Angebote für Wiedereinsteiger:innen oder Umsteiger:innen. „Sonnenklar“ sei zudem, dass es ohne weitere Migration und Erleichterungen – etwa bei der Anerkennung ausländischer Ausbildungen – nicht gehen werde.

Das steuerfinanzierte Modell des Pflegegeldes in Österreich sieht die Expertin positiv. In Deutschland, wo das System über eine Pflegeversicherung läuft, würden „große Probleme“ bestehen. Allerdings werde man über soziale Treffsicherheit reden müssen, erklärte sie im Hinblick auf die Abschaffung des Vermögenregresses für Pflegeheimbewohner:innen im Jahr 2018. Österreich sei ihres Wissens nach das einzige Land, in dem dies so gehandhabt werde. (APA/tab)