Christina Duftner (ÖGR) © Privat Der 2. Österreichische Rheumatologie-Report belegt Handlungsbedarf für die Krankenkassen. Umfragedaten zeigen, was Rheumatolog:innen wirklich brauchen.
Chronisch-rheumatologische Erkrankungen sind in Österreich sehr häufig. Bis zu ein Viertel der Bevölkerung ist betroffen – mit einer hohen Krankheitslast und erheblichen wirtschaftlichen wie sozialen Auswirkungen. Dies wird sich in den nächsten Jahren weiter zuspitzen. „Aufgrund des Mangels an rheumatologisch tätigen Kassenärzt:Innen besteht schon jetzt in vielen Regionen eine gravierende Unterversorgung rheumatologischer Patient:innen. Es benötigt dringend eine einheitliche und leistungsgerechte Honorierung durch die österreichischen Kassen, um mehr Rheumatolog:innen für den niedergelassenen Bereich zu gewinnen“, erklärte Christina Duftner, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation (ÖGR).
Passiere das nicht würden Wartezeiten weiter steigen und Patient:innen noch länger auf notwendige Behandlungen warten müssen. Duftner: „Wir brauchen eine österreichweit einheitliche Berücksichtigung der aufwändigen Kontrollen, von Beratung und Aufklärung bei immunsuppressiven Therapien, ebenso für spezifische Leistungen – etwa Ultraschalluntersuchungen.“ Ein gutes Einvernehmen zwischen Sozialversicherung und Ärzt:innen stehe im Zentrum. „Wir sind jederzeit gerne bereit, unsere Expertise einzubringen, um gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten.“ Duftner fordert ferner die Etablierung einer Rheuma-Fachassistenz.
Immer noch gibt es Regionen ohne jegliche fachspezifische rheumatologische Versorgung. Viele Patient:innen müssten daher in Spitalsambulanzen betreut werden. Die meisten niedergelassenen Rheumatolog:innen sind als Wahlärzt:innen tätig. In ganz Österreich gibt es derzeit nur 32 Rheumatolog:innen, die mit allen Kassen einen Vertrag haben. Erschwerend hinzu kommt die Altersverteilung: 45 Prozent aller Rheumatolog:innen sind über 55 Jahre alt.
Eine Umfrage unter 134 internistischen Rheumatolog:innen und 11 Fachärzt:innen in Ausbildung unterstreicht: Während Wartezeiten auf Termine in Spitalsambulanzen und im niedergelassenen Kassenbereich mitunter zwischen Wochen und Monaten liegen, geben 48 Prozent der befragten Wahlärzt:innen Wartezeiten von nur 1 bis 2 Wochen an. Die befragten Kassenärzt:innen beklagten, am wenigsten Zeit pro Patient:in zur Verfügung zu haben. „Der fachärztliche Austausch, die komplexe Diagnostik und die Entwicklung eines spezifischen Behandlungskonzepts muss entsprechend abgebildet werden. Wir brauchen Zeit für unsere Patient:innen“, so Duftner.
Die ÖGR erneuert die Forderung nach Etablierung der Rheuma-Fachassistenz zur fachspezifischen Entlastung von Fachärzt:innen in der Patient:innenversorgung, wie sie in anderen Ländern Europas, etwa den Niederlanden, bereits sehr erfolgreich etabliert wurde. Ziel ist die Verankerung einer spezifischen rheumatologischen Ausbildung für Gesundheitsberufe, insbesondere im Bereich der Pflege. Rheuma-Fachassistent:innen könnten einen wesentlichen Beitrag in der Beratung und Betreuung von Rheuma-Patient:innen leisten. Duftner: „Wir brauchen entsprechende Berufsprofile und verbindliche Curricula, um die Fachassistenz entsprechend aufzuwerten.“ (red)
Service: Österreichischer Rheumatologie-Report