© Gesundheitspolitisches Forum/APA/Hörmandinger Beim Gesundheitspolitischen Forum diskutierten Expert:innen die Qualität des Gesundheitssystems im Ländervergleich. Dabei gab es einige Überraschungen.
Wo muss man im österreichischen Gesundheitssystem genau hinsehen? Wie sind die europäischen Daten im österreichischen Kontext zu interpretieren? Diese Fragen diskutierten Vertreter:innen von Bund undLändern, Sozialversicherung und Ärzteschaft sowie Expert:innen der OECD und Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) im Rahmen des Gesundheitspolitischen Forums der Karl-Landsteiner Gesellschaft.
Michael Müller, Health Policy Analyst der OECD, lieferte mit dem Länderbericht „Austria: Country Health Profile 2025“ Zahlen und stellte Österreich in den Vergleich mit anderen europäischen Staaten. Im Bereich derLebenserwartung, der Ärzte- und Pflegedichte sowie der Zugänglichkeit des Systems liegt Österreich demnach über dem EU-Schnitt. „Nicht ganz so gut“ ist hierzulande der Umgang mit gesundheitlichenRisikofaktoren. „Überdurchschnittlich hoch sind Tabakkonsum, Alkoholkonsum sowie der Anteil an Übergewichtigen. Rund ein Viertel der jährlichen Todesfälle sind mit diesen verhaltensbedingten Risiken verbunden“, so Müller. Auch die starke Fokussierung auf den Krankenhaussektor war am Beispiel der hohen Zahl an Knie- und Hüftgelenkersatzoperationen Thema des Vortrags. Die Zahlen liegen in diesem Bereich bis zu 50 % über dem EU-Schnitt.
GÖG-Geschäftsführer Herwig Ostermann hob den Steuerungsbedarf der Akteur:innen hervor: „Hierfür brauchen wir Regulierung in Anbetracht einer sektorenübergreifenden Nutzerorientierung im System – auchzwischen dem privaten und öffentlichen Bereich.“ Ulrike Königsberger-Ludwig, Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, verwies auf die fortwährende Pflicht der Entscheidungsträger:innen: „Politik darf nicht nur bis zur nächsten Wahl denken – wir tragen die Verantwortung, unser Solidarsystem langfristig zu sichern.“
Als „überzeugter Anhänger der solidarischen Finanzierung“ bezeichnete sich auch Ärztekammer-Präsident Johannes Steinhart. „Unser Ziel muss es sein, den Wert dieses Systems langfristig zu erhalten.“ Um dem Berufsstand zu ermöglichen, die Patient:innen in den Mittelpunkt zu stellen, müsse der Verwaltungsaufwand reduziert und Ärzt:innen von Bürokratie entlastet werden.
„Gesundheitsförderung beginnt im Kindesalter: Bewegung und gesunde Ernährung gehören in Kindergärten und Schulen“, betonte Cornelia Hagele, Landesrätin für Gesundheit in Tirol, die Rolle der öffentlichen Hand in Bezug auf die vermeidbaren Risikofaktoren. Sie sprach auch den Stellenwert von Prävention im Bereich der Mundgesundheit an.
ÖGK-Vorsitzender Peter McDonald, plädierte für ein Umdenken bei der Eigenverantwortung: „Wer aktiv in seine Gesundheit investiert, soll dafür eine Anerkennung erhalten. Nach dem Leitsatz: nicht nur Betroffener, sondern Beteiligter.“ Wichtig war McDonald auch, „dass wir uns nicht alles schlecht reden. Menschen, die in Österreich leben und medizinische Unterstützung benötigen, haben dazu auch Zugang“. Gleichzeitig sehe man eine enorme Inanspruchnahme mit vielen Arztkontakten pro Kopf. „Da müssen wir uns schon fragen, wie eine vernünftige Patientenlenkung aussieht“, so McDonald. (APA/tab)