Social-Media-Sperre für Kinder wird konkreter

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2026 könnte in der EU eine Altersgrenze für Social Media bringen. Deutschland, Frankreich und andere Länder wollen den Bespielen Australiens und Griechenlands folgen.

Jetzt also Frankreich und Deutschland. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will ⁠Medienberichten zufolge die Nutzung sozialer Medien durch Kinder unter 15 Jahren verbieten. Zudem solle das für diese Altersgruppe bestehende Verbot von Mobiltelefonen an Schulen auf ältere Schüler ausgeweitet werden, berichten die Zeitung „Le Monde“ und der Sender „France Info“. Macron hat soziale Medien wiederholt als eine Ursache von Gewalt unter jungen Menschen bezeichnet. Geplant sei, dass die Verbote im September in Kraft treten. Der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) zeigt sich ebenfalls offen für ein Social-Media-Verbot für Kinder wie in Australien. Ein Gremium aus Wissenschafter:innen und Praktiker:innen etwa aus Medizin und Jugendschutz soll bis zum Sommer Empfehlungen erarbeiten. Dabei geht es unter anderem um mögliche Altersgrenzen und auch um das viel diskutierte Thema Handyverbot an Schulen.

Australien hat im Dezember als weltweit erstes Land verboten, dass ⁠unter 16-Jährige Plattformen wie Facebook, Snapchat, TikTok und YouTube nutzen. Das Land ist mit der scharfen Regelung weltweit ein Vorreiter – neben Griechenland, das ebenfalls soziale Netzwerke für unter 16-Jährige blockiert hat. Auch Neuseeland plant Ähnliches, in Dänemark wird noch darüber diskutiert. Auf EU-Ebene hatten sich die Staats- und Regierungsspitzen im Oktober für Altersgrenzen ausgesprochen, wollten ihre nationalen Zuständigkeiten aber nicht an Brüssel abgeben. Mittlerweile befürwortet eine Mehrheit der Mitgliedsländer ein Mindestalter für die Nutzung von algorithmusgesteuerten Online-Plattformen. Die Präsidentin der Europäischen Kommission und das EU-Parlament haben sich zuletzt ebenfalls dafür ausgesprochen.

Auch in Österreich erklärten zwischen den Feiertagen Medienminister und Vizekanzler Andreas Babler, Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig und der Staatssekretär für Verfassungsschutz Jörg Leichtfried (alle SPÖ) für mehr Schutz für Jugendliche auf Social-Media-Plattformen und klare Regeln für die Big-Tech-Konzerne sorgen zu wollen. „Hochemotionalisierende, radikalisierende, gewaltvolle und frauenfeindliche Inhalte werden aus aller Welt ins eigene zuhause getragen. Dort kommen Kinder und Jugendliche, die sich in einer vulnerablen Lebensphase der Orientierungssuche befinden, mit diesen ungefilterten Inhalten in Berührung“, warnt Babler vor den Gefahren von Social-Media, und weiter: „Den Kindern aber auch den Eltern zuliebe müssen wir rasch handeln.“

In diesem Zusammenhang erachtet es Babler als positiv, dass das deutliche Verlangen nach einer gemeinsamen europäischen Lösung auf EU-Ebene bereits Wirkung gezeigt hat – auch an einer datenschutzkonformen Ausgestaltung der Altersfeststellung wird seitens der EU-Kommission gearbeitet. Ein nachhaltiges Gesamtkonzept liegt aber noch nicht vor, so die drei Regierungsmitglieder. Darum machen Babler, Königsberger-Ludwig und Leichtfried nun Druck: „Die EU-Kommission ist jetzt am Zug und muss einen konkreten Gesetzesvorschlag vorlegen. Andernfalls werden viele Staaten einen effektiven Jugendschutz auf nationaler Ebene schaffen. Auch wir in Österreich müssen dann innerstaatlich aktiv werden.“

„Viele Jugendliche verbringen täglich Unmengen an Zeit auf den verschiedensten Plattformen und sie können in keinster Weise abschätzen, welche negativen Konsequenzen durch den Konsum entstehen können“, sagt Barbara Haid, Präsidentin des Bundesverbands für Psychotherapie (ÖBVP). Jugendliche würden dort mit Krisenbildern, Gewaltvideos und nicht altersgerechten Inhalten konfrontiert. Diese seien ungefiltert und jederzeit verfügbar. „Für viele entsteht dadurch eine permanente Alarmbereitschaft. Und Ja, wir sind für Altersgrenzen“, sagt die ÖBVP-Präsidentin. Es gehe nicht darum, alles zu verbieten, sondern darum, schrittweise einen adäquaten Umgang mit sozialen Medien zu erlernen. „Wir haben lange wissenschaftliche Daten“, betont Beate Wimmer-Puchinger, Leiterin von „Gesund aus der Krise“ und Präsidentin des Berufsverbands Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP). „Wir wissen, dass es nicht gut ist.“

Eine Umfrage unter 613 Jugendlichen aus Vorarlberg zeigt indes, dass auch junge Menschen Social Media kritisch betrachten. Die Mehrheit spricht sich für Altersgrenzen und Schutzmaßnahmen aus, um einen verantwortungsvollen Umgang zu fördern. Zwischen 22. und 30. November 2025 nahmen 613 Jugendliche an einer von der aha – Jugendinfo Vorarlberg durchgeführten Umfrage teil. Rund 92 Prozent der Befragten gaben an, Social-Media-Apps zu nutzen. 84,7 Prozent von ihnen halten Altersbeschränkungen grundsätzlich für sinnvoll. Dabei bewerten die Jugendlichen die einzelnen Plattformen sehr differenziert: Während viele WhatsApp und YouTube bereits Kindern ab zehn Jahren zugänglich machen würden, sehen sie bei Instagram oder TikTok klare Altersgrenzen von 14 bis 16 Jahren als notwendig.

Ähnliches zeigt eine repräsentative Umfrage von Unique Research im Auftrag des Magazins „Der Pragmaticus“. 78 Prozent der Österreicher sind für ein Verbot für Jugendliche unter 15 Jahren. Für den Meinungsforscher Peter Hajek von Unique Research ist es auffällig, dass sich Eltern und Kinder gleichermaßen für rigorose Eingriffen aussprechen. Das gilt auch für das Handy-Verbot an Schulen, das sogar 81 Prozent der Befragten befürworten. Eindeutig sind die Ansichten der Österreicher:innen auch in der Frage, wer für den Social-Media-Konsum der Jugendlichen hauptverantwortlich ist: 72 Prozent sagen, die Eltern, nur 10 Prozent sehen die Zuständigkeit beim Staat und sogar nur 4 Prozent bei der Schule. (red/APA)