Studie ortet Belastung für Industrie

v.l.: Ulrich Wieltsch, Sylvia Hofinger (beide FCIO), Christian Plas (EY denkstatt) © FCIO/APA/Tesarek

Wendepunkt für die Pharma- und Chemie-Industrie: Eine neue Studie zeigt aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze für die Schlüsselbranche.

Ohne Chemie keine Industrie: Eine neue EY-Studie im Auftrag des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) zeigt, welche Bedeutung die Branche für den Standort hat. Sie erwirtschaftet jährlich 5,7 Milliarden Euro Wertschöpfung, sichert rund 51.000 Arbeitsplätze und liefert Vorprodukte für 96 % aller in der EU hergestellten Waren. Die Studie macht deutlich, dass die Branche ihre Schlüsselrolle nur erfüllen kann, wenn in Österreich endlich wettbewerbsfähige Standortbedingungen geschaffen werden.

Die Befragung der Unternehmen zeigt ein klares Bild: Hohe Energiepreise, steigende Arbeitskosten, langwierige Genehmigungsverfahren sowie regulatorische Unsicherheit und Komplexität zählen zu den größten Belastungen für den Standort. Gleichzeitig wird Österreich im internationalen Vergleich zunehmend als weniger wettbewerbsfähig wahrgenommen, insbesondere gegenüber den USA und Asien. Aber auch innerhalb Europas verschlechtert sich die Wettbewerbsfähigkeit zunehmend.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Investitionsentscheidungen wider. Zwar wollen rund drei Viertel der Unternehmen weiterhin in Österreich investieren, gleichzeitig sinken die geplanten Investitionsausgaben vor allem in der Herstellung chemischer und pharmazeutischer Erzeugnisse. Unternehmen, die neue Kapazitäten im vorrangig im Ausland aufbauen wollen, nennen vor allem niedrigere Arbeitskosten, schnellere Genehmigungen und bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen als entscheidende Beweggründe. „Chemische Produktion funktioniert nicht isoliert. Ganze Wertschöpfungsnetzwerke greifen ineinander. Geht ein Teil dieser Produktion verloren, geraten auch viele andere Unternehmen ins Wanken. Deshalb geht es um weit mehr als einzelne Betriebe, es geht um die Zukunft des Industriestandorts Österreich”, betont FCIO-Obmann Ulrich Wieltsch. Die Studie zeigt, wo angesetzt werden muss: Unternehmen brauchen international konkurrenzfähige Energiepreise, raschere Genehmigungen und einen spürbaren Abbau bürokratischer Belastungen. „Wir brauchen einen Schulterschluss, um der Deindustrialisierung entgegenzuwirken. Die notwendigen Maßnahmen müssen jetzt umgesetzt werden, in drei bis fünf Jahren ist der Abwanderungstrend nicht mehr umkehrbar“, appelliert Wieltsch. (red)