© mbruxelle – stock.adobe.com Europäische Kardiologiegesellschaft warnt: Extremtemperaturen führen zu einem Anstieg schwerwiegender Zwischenfälle. Auch aus Österreich kommen Warnungen.
Die akuten gesundheitlichen Auswirkungen von Temperaturextremen wurden in der polnischen Smog-EP-PARTICLES-Studie untersucht, die beim Präventionskongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Ljubljana vorgestellt wurde. Dafür wurden Geodaten von mehr als acht Millionen Menschen in Ostpolen ausgewertet. Analysiert wurden Krankenhausaufenthalte wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kardiovaskuläre Todesfälle sowie die Gesamtsterblichkeit im Zeitraum von 2011 bis 2020 im Zusammenhang mit Hitzewellen und Kälteperioden.
Die Daten zeigen: Sowohl Hitzewellen als auch Kältewellen gingen mit einem signifikanten Anstieg der Ereignisse einher, jedoch mit unterschiedlichen Mustern. Hitzewellen hatten unmittelbare Folgen – bereits am ersten Tag stiegen Herz-Kreislauf-Zwischenfälle um 7,5 Prozent und kardiovaskulären Todesfälle um 9,5 Prozent. Kältewellen hingegen zeigten eine verzögerte und nachhaltigere Wirkung: Das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse stieg innerhalb weniger Tage danach von vier auf 5,9 Prozent, jenes für Herz-Kreislauf-Todesfälle von 4,7 Prozent auf 6,9 Prozent.
Luftverschmutzung verstärkte diese Effekte zusätzlich. Ozon und Benzo(a)pyren verstärkten die Folgen von Hitzewellen, während Ozon, Feinstaub (PM2,5) und Stickstoffmonoxid Kältebelastungen verschlimmerten. Insgesamt standen rund 13 Prozent der kardiovaskulären Todesfälle im Zusammenhang mit Luftverschmutzung – das entspricht 71.440 verlorenen Lebensjahren. Besonders gefährdet sind Frauen und jüngere Menschen: Eine monatliche Zunahme der Luftverschmutzung war bei ihnen mit einem Anstieg des kardiovaskulären Risikos um bis zu zehn Prozent verbunden.
Klimabedingte Ereignisse verschärfen auch die Situation im Gesundheits- und Pflegebereich in Österreich und führen zu einer höheren Belastung der Akutversorgung. „Vulnerable Gruppen verfügen allgemein über weniger Anpassungsfähigkeit und Resilienz in Bezug auf Veränderungen der Umwelt, das heißt, ihre Möglichkeiten, um sich vor den Auswirkungen und Folgen der Klimakrise zu schützen und sich an diese anzupassen, sind im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen reduziert“, schreibt die Gesundheit Österreich GmbH in einer Analyse. Besonders betroffen sind laut einer Studie, an der unter anderem GÖG und der Complexity Science Hub mitgewirkt haben ältere Menschen (75+) sowie Patient:innen mit Stoffwechsel- und endokrinen Erkrankungen, Infektionen sowie Atemwegs- und urogenitalen Erkrankungen. Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen heißen Tagen und steigenden Einweisungen sowie Rettungsfahrten – ein direkter Stressfaktor für das Akutsystem. Viele hitzebedingte Todesfälle treten vor oder kurz nach Spitalseintritt auf, laut der Studie von GÖG und der Complexity Science Hub ein Hinweis auf unzureichende frühzeitige Intervention. (tab/APA)