TrumpRx ist live – ein Stresstest für den Pharmamarkt

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Direktverkauf, Preisdruck, Zoll-Deals: Die USA starten eine Arzneimittel-Plattform, die an den Grundfesten des Marktes rüttelt. Eine Analyse, was das für Apotheken, Hersteller und Europa bedeutet.

Die Ankündigung klang nach Verzögerung, Unsicherheit und Chaos – jetzt ist sie doch gestartet: Mit TrumpRx.gov bringt die US-Regierung eine Online-Medikamentenplattform, die Preise senken, Zwischenhändler umgehen und den globalen Pharmamarkt neu ordnen soll. Für Apotheker:innen und Pharmabeschäftigte ist das mehr als ein US-Experiment. Es ist ein Stresstest für bestehende Geschäftsmodelle – auch diesseits des Atlantiks. Dabei war noch kurz vor dem Launch unklar, ob TrumpRx überhaupt online gehen würde. Technische Probleme, rechtliche Fragen und auffällige Funkstille zur konkreten Funktionsweise hatten Zweifel genährt. Pharmaunternehmen wurden laut Insiderberichten sogar angewiesen, ihre Teilnahme zunächst nicht öffentlich zu machen. Doch die politische Richtung war nie ernsthaft in Frage gestellt: TrumpRx ist ein Kernstück der Trump-Strategie zur Senkung der US-Arzneimittelpreise.

Dass der Start nun – trotz offener Fragen – vollzogen wurde, zeigt vor allem eines: Der politische Druck auf die Industrie ist höher als die technischen Risiken. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung verkauft TrumpRx Medikamente nicht direkt vom Hersteller an Patient:innen. Stattdessen nutzt die Plattform die Infrastruktur von GoodRx und vermittelt Patient:innen zu Apotheken oder Händlern mit rabattierten Preisen. Das Angebot richtet sich vor allem an Selbstzahler:innen, nicht oder schlecht Versicherte und Medicaid-Patient:innen. Für viele Versicherte bleibt der Nutzen begrenzt – Eigenbeteiligungen können weiterhin hoch sein. Trotzdem setzt TrumpRx einen neuen öffentlichen Preisanker: Was hier als „fairer Preis“ gilt, wird politisch und medial wirksam.

Bislang haben sich über 16 große Pharmakonzerne auf Preisnachlässe eingelassen – darunter Pfizer, Novo Nordisk, Eli Lilly, AstraZeneca, Merck, Sanofi, Bristol Myers Squibb, Gilead Sciences, Novartis, GSK und andere. Kernpunkte der Vereinbarungen: das Preisniveau in den USA soll sich an anderen – niedrigeren – OECD-Ländern orientieren, Hersteller erhalten im Gegenzug zeitlich befristete Zollbefreiungen und müssen Milliardeninvestitionen in den USA zusagen. Besonders sichtbar sind die Effekte bei Adipositas-Medikamenten: Ozempic und Wegovy sollen künftig für 149 bis 350 Dollar im Monat erhältlich sein – ein Bruch mit bisherigen US-Preisen.

Auch wenn TrumpRx Apotheken nicht direkt ersetzt, verschiebt die Plattform die Kräfteverhältnisse nicht nur in den USA. Transparente Niedrigpreise erhöhen den Erklärungsdruck in der Offizin und die Plattformlogik verdrängt die persönliche Beratung aus dem Erstkontakt. Dazu kommt, dass das Referenzpreissystem der Industrie kippt. Bisher wurden die weitgehend ungeregelten und hohen US-Preis als Basis für Preisverhandlungen in Europa genutzt. Gesundheitsökonom:innen warnen deshalb vor einem paradoxen Effekt: Wenn die USA als Hochpreisland ausfallen, könnten Hersteller versuchen, Preise in Europa zu erhöhen oder neue Medikamente später oder gar nicht einzuführen. Kurzfristig sind Preissprünge in Österreich unwahrscheinlich – zu starr sind Rabattverträge, Erstattungsregeln und Lieferverpflichtungen. Langfristig aber steigt das Risiko von Marktrückzügen oder verzögerten Zulassungen, vor allem bei weniger profitablen Indikationen.

Die Industrie warnt geschlossen: Weniger Erlöse bedeuten weniger Spielraum für Forschung, risikoreiche Projekte und Produktionskapazitäten. Innovationszyklen von zehn Jahren und mehr vertragen keine kurzfristigen politischen Eingriffe. Trump hingegen argumentiert umgekehrt: Die USA hätten jahrzehntelang den globalen Fortschritt „subventioniert“. Damit sei jetzt Schluss. Klar ist damit, dass TrumpRx kein isoliertes Portal ist, sondern ein politisches Signal. Ob TrumpRx technisch überzeugt oder politisch scheitert, ist deshalb fast zweitrangig. Entscheidend ist: Die Idee ist jetzt auf dem Tisch – und dort sie wird bleiben. (rüm)