© Evso – stock.adobe.com Die bisherigen Platzhirsche im Versandhandel mit Medikamenten bekommen immer mehr Konkurrenz. Nach Drogerieketten expandiert nun auch Amazon über einen Partner.
Amazon expandiert im deutschen Versandapothekenmarkt. Nach Ankündigungn der Drogerienketten dm und Rossmann Versandapotheken wie DocMorris und Shop Apotheke Konkurrenz zu machen, baut nun auch der Online-Riese Amazon sein Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten in Deutschland deutlich aus. Hinter Amazons Präsenz im Arzneimittelmarkt steht häufig die Leipziger Apo.com-Gruppe. Das Unternehmen liefert zahlreiche Produkte auf dem Marktplatz, während Amazon selbst keine apothekenpflichtigen Medikamente verkaufen darf. Der Umsatz von Apo.com stieg zuletzt um zehn Prozent auf 375 Millionen Euro. Besonders stark wächst das Segment E-Rezept: Hier verzeichnet die Gruppe eine Umsatzsteigerung von 75 Prozent auf 35 Millionen Euro.
Kritisch sehen Vor-Ort-Apotheken die Auslandsstruktur der Versandhändler: Apo.com betreibt ein Logistikzentrum in den Niederlanden, über das Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente gewährt werden können – ein Vorteil, den deutsche Apotheken aufgrund der Preisbindung nicht nutzen dürfen. „Die deutsche Regulierung lässt uns keine andere Wahl“, erklärt Apo.com-Chef Oliver Scheel. Für die stationären Apotheken bedeutet dies jedoch eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung.
Während Apo.com mit einer Marketingquote von rund vier Prozent auskommen muss, investieren börsennotierte Anbieter wie Shop Apotheke massiv in Werbung, unter anderem mit prominenten Testimonials wie Günther Jauch.
Auch Michael Kuck, Chef des Großhändlers und Apothekergenossenschaft Noweda warnt vor den Folgen: Rund ein Drittel der Apotheken kämpfe bereits um wirtschaftliches Überleben. Die stationären Apotheken erfüllen einen gesetzlich verankerten Versorgungsauftrag – vom Notdienst über Rezepturherstellung bis zur persönlichen Beratung. Versandapotheken können sich auf margenstarke Segmente konzentrieren, ohne dieselben Pflichten zu tragen. Der Versandapothekenmarkt wächst dynamisch, getrieben von Digitalisierung, Kapitalstärke und grenzüberschreitender Logistik. Für die deutschen Präsenzapotheken geht es zunehmend um ihre Existenz – und damit um die Sicherstellung einer flächendeckenden und krisenresistenten Arzneimittelversorgung. Ohne politische Gegenmaßnahmen droht eine weitere Erosion der Vor-Ort-Apothekenlandschaft, warnen Expert:innen. (rüm)