Versorgungslücken: ÖGK verteidigt sich gegen Kritik

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Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) geht nach Kritik wegen langen Wartezeiten und Versorgungsengpässen in die Offensive. Der Verwaltungsrat beschließt Änderungen.

Die Zufriedenheit in das österreichische Gesundheitssystem und die medizinische Versorgung ist seit Mai 2020 zunehmend gesunken. Dies ergab eine Umfrage des Demox-Instituts im Auftrag des Austrian Health Forum (AHF), die am Donnerstag präsentiert worden ist. Während sich im Mai 2020 noch 37 Prozent der 1.000 Befragten „sehr zufrieden“ mit der Gesundheitsversorgung zeigten, waren es in diesem Mai nur neun Prozent. 65 Prozent sahen auch eine Verschlechterung der Versorgung, während im Vorjahr 59 Prozent eine sinkende Qualität bemängelten.

Die ÖGK reagierte bereits am Mittwoch auf die wachsende Kritik und veröffentlichte eigene Initiativen. In der jüngsten Sitzung des Verwaltungsrates brachte die ÖGK nach eigenen Angaben etwa zahlreiche Schritte für Versicherte und Vertragspartner:innen auf den Weg, um den niederschwelligen Zugang zu medizinischen Leistungen weiter zu verbessern. Die bessere Steuerung von Patient:innen soll langfristig auch die Wartezeiten bei Ärzt:innen verbessern. Zudem wurden Lehren aus dem ersten österreichweiten Impfprogramm Influenza gezogen. In diesem Jahr war österreichweit erstmals die Grippe-Impfung für 7 Euro für alle Versicherten erhältlich. Das soll auch weiterhin gelten. Im Rahmen des bundesweiten Impfprogramms wurden rund 798.000 Impfungen im e-Impfpass erfasst. Im Durchschnitt beträgt die Impfquote 8,7 Prozent, im Vergleich zur Vorsaison sind das um rund 15 Prozent mehr.

Für die nächste Impfsaison sollen die Impfangebote im Bereich der Krankenanstalten und Sozialeinrichtungen erweitert werden und das betriebliche Impfen sowie die Impfung in den medizinischen Einrichtungen der ÖGK weiter ausgebaut werden. Zudem soll die Kommunikation über das Angebot weiter ausgebaut werden.

Lange Wartezeiten kommentiert die ÖGK in einer Aussendung so: „In den vergangenen Jahren stieg der Bedarf nach medizinischer Versorgung zunehmend an. Es kommt zu immer höheren Patient:innenaufkommen in den Praxen.“ Um auf diese Entwicklung zu reagieren, habe die ÖGK im Verwaltungsrat ein Maßnahmenpaket zur Reduktion der Wartezeiten auf Termine beschlossen. „Die Eckpfeiler des Pakets sind die Besetzung der durch die Initiative +100 geschaffenen zusätzlichen Kassenstellen; zwischenzeitlich liegen für 60 dieser Stellen Bewerbungen vor.“ Zum Jahreswechsel war noch von 300 Interessent:innen die Rede. Zusätzlich wurde im Verwaltungsrat beschlossen, sich für die Finanzierung weiterer 100 Kassenstellen über die laufende Initiative +100 hinaus einzusetzen. „Diese 100 zusätzlichen Kassenstellen sind ein wesentlicher Baustein, um die niedergelassene Versorgung nachhaltig sicherzustellen und auch in Zukunft Arzttermine in adäquater Zeit anbieten zu können.“

Eine weitere wesentliche Maßnahme sei eine gezielte Patient:innensteuerung und das Etablieren von telemedizinischen Angeboten sowie die Schaffung eines Terminbuchungssystems für Arzttermine zur Verbesserung und effizienten Steuerung von Wartezeiten. „Mit telemedizinischen Angeboten und der Schaffung eines Terminbuchungssystems, um die Wartezeiten effizient zu steuern, gehen wir einen weiteren Schritt Richtung Patientenkomfort und einfachen Zugang zu medizinischen Leistungen“, sagt der Vorsitzende der ÖGK-Hauptversammlung Moritz Mitterer (ÖVP). (rüm)