Digitalisierung soll personalisierter Medizin weiteren Schub verleihen

AHF

Die Onkologie war die erste medizinische Fachrichtung, in welcher der Begriff der personalisierten Medizin aufgekommen ist. Jetzt soll sie via Digitalisierung die Versorgung der Patienten weiter verbessern, hieß es bei einer Konferenz in Wien.

„Das Paradigma der vergangenen zehn Jahre waren die molekulare und die personalisierte Medizin. Das Paradigma der nächsten zehn Jahre werden die ‘deep’ und die ‘digital’ Medicine sein“, sagte MedUni-Wien-Rektor Markus Müller bei einer Pressekonferenz des K1-Kompetenzzentrums für patientenorientierte Biomarkerforschung in der Medizin (CBmed) gemeinsam mit der Pharmakonzern Roche. Das Ziel einer auf den einzelnen Patienten zugeschnittenen Heilkunde werde sich bei der Vielfalt bereits vorhandener und in Zukunft noch zusätzlich zugänglicher medizinischer Informationen wohl nur mit EDV-Unterstützung auf allen Ebenen samt künstlicher Intelligenz in der Verarbeitung erreichen lassen.

Ein Beispiel dafür stellte der britische Wissenschafter Paul Lyons (Universität Cambridge) vor: In Großbritannien gibt es bereits einen in der Routine einsetzbaren Biomarkertest, welcher bei Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zum Zeitpunkt der Diagnose vorhersagen kann, ob der einzelne Betroffene von Anfang an eine extrem wirksame, teure und mit Nebenwirkungen behaftete Therapie benötigt oder ein vergleichsweise gutartiger Verlauf zu erwarten ist. „Die Diagnose ist bald gestellt. Doch für den einzelnen Patienten viel wichtiger ist die Prognose, ob seine Krankheit nach dem ersten Aufflackern und einer ersten Therapie wieder in einen stabilen Ruhezustand kommt oder ob es immer wieder Rückfälle geben wird, die zu bleibenden Darmschäden führen“, sagte Lyon.

Mit der Verwertung und der Integration der verschiedensten Patienteninformationen setzt sich eine Forschungskooperation des primär in Graz stationierten K1-Kompetenzzentrums CBmed unter Beteiligung von MedUni Graz, MedUni Wien und Roche Österreich auseinander. Mit einem Projektgesamtvolumen von 3,55 Millionen Euro geht es bei „Digital Biomarkers“ und „Fusion Technology“ um die Entwicklung von Anwendungen für die personalisierte Krebstherapie. Es gebe derzeit keinen Mangel an therapeutischen Möglichkeiten gegen Krebs, sagte MedUni Graz-Rektor Hellmut Samonigg. „Die Frage, die sich stellt, ist: Wer soll welche dieser Möglichkeiten als Therapie bekommen? Da sind wir in einem ziemlichen Blindflug unterwegs“, betonte der Onkologe. (APA)