Tiroler Herzchirurgin fordert mehr „Aorta-Zentren“

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Aufgrund neuester Erkenntnisse plädiert eine Expertin aus Tirol für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit in eigenen „Aorta-Zentren“.

Die Hauptschlagader, die Aorta, wurde nun als Organ eingestuft. Julia Dumfarth, Herzchirurgin an der Medizinischen Universität Innsbruck, erwartet deshalb neue Behandlungsansätze und Umgangsweisen mit der Aorta. Deshalb plädiert sie für ein „fächerübergreifendes und interdisziplinäres“ Arbeiten – „am besten in Aorta-Zentren“, meinte Dumfahrt gegenüber der APA. Vereinzelt gebe es diese Zentren bereits, es brauche aber noch mehr und die vorhandenen Zentren sollten laut der Expertin „deutlich gestärkt werden“. „Die Aorten-Medizin wird künftig schlicht unterschiedlichste Personen brauchen, wie etwa Herzchirurg:innen, Radiolog:innen, Anästhesist:innen, Genetiker:innen“, strich die Medizinerin hervor. Nur so könne man präziser personalisiert agieren und behandeln. Für Dumfarth ist klar, dass es keine „08/15 Patient:innen“ mehr gibt. Es müsse beispielsweise abhängig von Körpergröße, Geschlecht und Genetik ganz unterschiedlich behandelt und vorgegangen werden. Das könnte auch zu neuen Therapiestrategien führen.

Dass die Hauptschlagader vom Gefäßsystem zum eigenständigen Organ wurde, sei laut Dumfarth von der Europäischen Gesellschaft für Herz-Thorax-Chirurgie (EACTS) und der US-amerikanischen Society of Thoracic Surgeons (STS) ausgegangen. Deren im Februar publizierten „Guidelines“ für Aortenchirurgie, die von rund 25 amerikanischen und europäischen Autor:innen verfasst wurden und auch Beiträge der Medizinischen Universität Innsbruck beinhalten, seien nunmehr – neben der Bestätigung des neuen Status der Aorta – als „wichtige Empfehlungen” für den „klinischen Alltag“ auszulegen, sagte Dumfarth. Daraus ließen sich „konkrete Empfehlungen“ ableiten, die positive und wichtige Veränderungen in der Aorta-Behandlung nach sich zögen. „Es ergibt sich etwa die Empfehlung, dass man Aorten-Teams formieren und etablieren soll“, betonte die aus Linz stammende Herzchirurgin. Zudem gehe es damit stark weg vom „segmentalen Denken“ und verstärkt hin zu „ganzheitlichen Behandlungsmethoden“. (kagr/APA)