© Microgen - stock.adobe.com Eine neue Studie zeigt Wechselwirkungen zwischen Mikro- und Nanoplastik und Colitis ulcerosa. Die Partikel können auch Entzündungen in anderen Organen begünstigen.
Ein Forschungsteam unter der Leitung der Medizinischen Universität Wien und der Universität Wien hat einen möglichen Zusammenhang zwischen der steigenden Zahl an Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und der zunehmenden Belastung durch Mikro- und Nanoplastik (MNP) untersucht. Die Studie zeigt, dass Plastikpartikel Immunzellen und das Mikrobiom des Darms beeinflussen und entzündliche Prozesse verstärken können.
Untersucht wurden die schädlichen Auswirkungen von MNP in einem Mausmodell mit Colitis ulcerosa. Dabei analysierte das Forschungsteam Polystyrolpartikel unterschiedlicher Größe, die oral verabreicht wurden. Polystyrol ist ein weit verbreiteter Kunststoff, der für Lebensmittelverpackungen wie Joghurtbecher, Fleischschalen oder Take-away-Boxen verwendet wird.
Dabei zeigte sich: Die Aufnahme von MNP durch die Darmschleimhaut war unter entzündlichen Bedingungen erhöht. Außerdem löste die MNP-Exposition eine entzündungsfördernde Aktivierung bestimmter Immunzellen (Makrophagen) im Darm aus. Auch das Darmmikrobiom veränderte sich: Nützliche Bakterien nahmen ab, während entzündungsfördernde Arten zunahmen.
Darüber hinaus zeigte die Studie, dass sich die Anreicherung von MNPs unter entzündlichen Bedingungen auch in anderen Ausscheidungsorganen wie der Leber und den Nieren sowie im Blutkreislauf verstärkte. Dies spreche dafür, „dass MNP biologische Barrieren überwinden und systemische Auswirkungen weit über den Darm hinaus haben können“, so Co-Studienleiterin Verena Pichler von der Universität Wien.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass MNP ein bislang unterschätzter Faktor bei der Entstehung und Verstärkung chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ist“, sagt Studienleiter Lukas Kenner von der Medizinischen Universität Wien. Weitere Studien sollen die Erkenntnisse untermauern. (APA/tab)