Am 6. November lud die AHOP in Salzburg zum 5. Salzburger/Oberösterreichischen Fortbildungstag ein. Der Fortbildungstag bot eine Fülle an praxisrelevanten und vielseitigen Themen. Gestartet und geschlossen wurde mit medizinischen Vorträgen zu den Themen „Die Vielfalt antineoplastischer Therapien – ADC und Bispecifics“ und „HR+/HER2–Mammakarzinom – neue Standards, neue Herausforderungen“. Dazwischen wurde der Tag gefüllt mit pflegerischen und therapeutischen Vorträgen zu geriatrischen Assessments, Aktivität und Fitness, Polypharmazie sowie den gewohnten Speed(up)dates. Abgerundet wurde das Programm durch die Vorstellung der Hospizbewegung Salzburg.
Besonders praxisrelevant ist der Vortrag zum Thema „Geriatrische Assessments in der Onkologie“ von DGKPin Marisol Azuara Galdeano herausgestochen. Sie berichtet über einen Anstieg der Krebsdiagnosen im Erwachsenenalter > 65 Jahre, woraus sich die Herausforderung ergibt, Nutzen und Risiken der Behandlung bei älteren Patient:innen abzuwägen. Die Evidenz zu Therapieansprechen und -risiken ist aktuell noch stark begrenzt, lediglich ca. 5 % der Literatur schließt Personen > 70 Jahre ein. Darüber hinaus bestehen bei Betroffenen dieser Altersgruppe häufig Multimorbidität und Polypharmazie, wobei jedoch betont wird, dass chronologisches und biologisches Alter nicht zwingend korrelieren. Um diese Faktoren zu quantifizieren, ist es in der Praxis sinnvoll, vor Therapiestart Screenings und Assessmentinstrumente einzusetzen. Genannte Beispiele sind hier das G8-Screening, ein validiertes Instrument mit acht Items, um typische Risiken bei älteren Patient:innen mit Tumorerkrankungen und den Bedarf eines weiterführenden geriatrischen Assessments zu erkennen. Zu den dabei abgefragten Themen zählen Nahrungsaufnahme, Gewichtsverlust und BMI, Mobilität, neuropsychologische Probleme, Anzahl eingenommener Medikamente, Alter und die Einschätzung der Gesundheit im Vergleich zu gleichaltrigen Personen. Im Fall eines auffälligen Screenings ist ein weiterführendes geriatrisches Assessment indiziert. Dafür eignet sich beispielsweise das Comprehensive Geriatric Assessment (CGA), das eine multidisziplinäre und umfassende Bewertung älterer Krebspatient:innen darstellt und den Entscheidungsfindungsprozess unterstützen soll und bereits seit 2005 von der International Society of Geriatric Oncology bei über 70-jährigen Patient:innen empfohlen wird. Bewertet werden folgende Domänen: Funktionalität und Mobilität, Komorbiditäten, soziale Unterstützung, Kognition, psychischer Status, Ernährung und Polypharmazie.
Durch die Durchführung des CGA lassen sich reversible geriatrische Probleme aufdecken, die in der Routineversorgung möglicherweise übersehen werden sowie das Toxizitätsrisiko der Krebstherapie prognostizieren. Es ermöglicht außerdem den frühzeitigen, gezielten Einsatz supportiver Maßnahmen und liefert wichtige prognostische Informationen zur Abschätzung der Lebenserwartung.
Besonders in der aktuellen demografischen Entwicklung ist es wichtig, ein Augenmerk auf die ältere Patientengruppe zu legen und mögliche Therapierisiken bereits im Vorhinein einzuschätzen. Mithilfe von Screenings, die in der klinischen Praxis, wo Zeit und Ressourcen oft begrenzt sind, besonders praktisch sind, kann bereits vorab der Bedarf eines ausführlichen geriatrischen Assessments erhoben werden. Es unterstützt in weiterer Folge auf multidisziplinärer Ebene den Entscheidungsfindungsprozess, wenn Bedenken zur Therapieverträglichkeit bestehen.n