Wenn der Schwung zum Sturz wird

Niemand ist vor Verletzungen geschützt, dennoch konnten Davey et al. demografische Unterschiede identifizieren: Sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene über 50 Jahre zeigen ein erhöhtes Verletzungsrisiko, wobei das Alter als Risikofaktor für schwerere Verletzungen gilt. Weiters weisen Männer mehr gemeldete – und schwerere – Verletzungen als Frauen auf, was die Forscher:innen einem größeren Risikoverhalten zuschreiben. Darüber hinaus sind Frauen eher von Knieverletzungen, insbesondere Kreuzbandverletzungen, betroffen, während Männer häufiger Frakturen erleiden.1

Präventionsmaßnahmen beim Skifahren

Das Unfallrisiko beim Skifahren lässt sich durch verschiedene Maßnahmen verringern. Zunächst sollte bei der Ausrüstung auf einen modernen Standard geachtet werden. Dank moderner Skibindungen, die zum Schutz der Tibia entwickelt wurden, kann die Inzidenz von Verletzungen der unteren Extremitäten signifikant gesenkt werden. Analog dazu führt auch das vermehrte Tragen von Helmen zu einem Rückgang von Kopfverletzungen. Neben der richtigen Ausrüstung zeigen auch spezielle Präventionsprogramme ihre Wirksamkeit – im Gegensatz zu formellen Skikursen, die die Verletzungswahrscheinlichkeit nachweislich nicht verringern. So könnten Skiverletzungen etwa durch Techniken wie sicheres Stürzen und die Wiedererlangung der Kontrolle vermieden werden, beispielsweise sollten Skifahrer:innen den Skistock rechtzeitig loslassen, um Daumenverletzungen zu vermeiden.1

Präventionsmaßnahmen beim Rodeln

Das Verletzungsrisiko beim Schlittenfahren wird allgemein unterschätzt. Eine retrospektive Analyse von 175 Rodelunfällen über drei Winter (2016–2019) in der Unfallchirurgie Heidelberg zeigt das Ausmaß: Zwar wurde etwa die Hälfte der Verletzungen (54%) als leicht eingestuft, jedoch benötigten 40% der Verunfallten eine stationäre Behandlung mit durchschnittlich 8 Tagen Verweildauer. 28% der Patient:innen mussten operativ versorgt werden, und bei einigen kam es zu schweren Verletzungen bis hin zur Polytraumatisierung. Deshalb werden auch hier präventive Maßnahmen und Schutzausrüstungen dringend empfohlen. Vor allem bei Kindern ist darauf zu achten, dass Helme getragen werden. Aufgrund der hohen Inzidenz von Wirbelsäulenverletzungen in ihrer Studie empfehlen Kraus et al. zudem das Tragen von Rückenprotektoren.2

Häufige Verletzungsmuster beim Wintersport

Die Kenntnis typischer Verletzungsmuster hilft bei der Einschätzung, ob Selbstmedikation ausreicht oder ärztliche Versorgung notwendig ist. Beim Skifahren dominieren Knieverletzungen, insbesondere Distorsionen und Kreuzbandrupturen, die sich durch sofortige Schmerzen, Schwellung und Instabilitätsgefühl äußern.3 Der sogenannte Skidaumen – eine Verletzung des ulnaren Seitenbandes am Daumen – entsteht typischerweise beim Sturz mit festgehaltenem Skistock und zeigt sich durch Schmerzen und eingeschränkte Greiffunktion. Beide Verletzungen erfordern eine ärztliche Abklärung, auch wenn initial nur leichte Beschwerden bestehen. Schulterverletzungen wie Luxationen oder Rotatorenmanschettenläsionen sind ebenfalls häufig und äußern sich durch starke Schmerzen und Bewegungseinschränkung.1 Beim Rodeln stehen Wirbelsäulenverletzungen, Kopftraumata sowie Frakturen der oberen Extremitäten im Vordergrund.2
Grundsätzlich gilt: Leichte Prellungen und Zerrungen ohne strukturelle Schädigung können mit den Maßnahmen der Selbstmedikation behandelt werden. Bei sichtbaren Fehlstellungen, hörbarem Knacken beim Unfallhergang, starker Schwellung innerhalb weniger Stunden, Taubheitsgefühl, anhaltender Instabilität oder bei Verdacht auf Kopfverletzungen ist hingegen umgehend ärztliche Hilfe erforderlich.

Akutversorgung und Erste Hilfe

Bei akuten Verletzungen am Berg oder auf der Piste ist rasches und korrektes Handeln entscheidend. Die bewährte PECH-Regel (Pause, Eis, Compression, Hochlagern) bildet die Grundlage der Erstversorgung bei Prellungen, Verstauchungen und Zerrungen. Durch sofortiges Kühlen lassen sich Schwellungen und Schmerzen reduzieren. Hier kommen Kältesprays, Kühlkompressen oder improvisierte Kühlungen mit Schnee (in einem Tuch) zum Einsatz. Wichtig ist die Beratung zur korrekten Anwendung: Direkter Hautkontakt mit Eisspray oder Schnee kann zu Erfrierungen führen. In der Akutphase (in den ersten 48–72 Stunden) sind kühlende Gele mit Wirkstoffen wie Menthol oder Kampfer sinnvoll, da sie zusätzlich einen leicht analgetischen Effekt haben. Wärmende Salben mit durchblutungsfördernden Substanzen wie Capsaicin sind hingegen erst in der späteren Heilungsphase, wenn die akute Entzündung abgeklungen ist, zur Förderung der Durchblutung und Muskelentspannung sinnvoll. Bei Verdacht auf Frakturen, starken Schwellungen, Instabilität des Gelenks oder anhaltenden Schmerzen ist umgehend ärztliche Hilfe aufzusuchen.

Schmerzstillende Selbstmedikation

Bei leichten bis mittelstarken Schmerzen nach Sportverletzungen stehen verschiedene rezeptfreie Analgetika zur Verfügung. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac wirken sowohl analgetisch als auch antiphlogistisch und sind daher bei entzündlichen Verletzungen wie Prellungen oder Verstauchungen Mittel der ersten Wahl. Paracetamol bietet eine Alternative bei Unverträglichkeit von NSAR oder bei Kontraindikationen wie gastrointestinalen Beschwerden, wirkt jedoch nicht entzündungshemmend.
Wichtig ist die Beratung zu Einnahmedauer und Höchstdosis: NSAR sollten ohne ärztliche Rücksprache nicht länger als 3–4 Tage eingenommen werden. Bei Patient:innen mit kardiovaskulären Risikofaktoren, eingeschränkter Nierenfunktion oder Antikoagulation ist besondere Vorsicht geboten. Topische NSAR wie Diclofenac-Gel bieten eine lokale Alternative mit geringerem systemischem Risiko und eignen sich besonders für lokal begrenzte Verletzungen wie Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen.