Red Flags bei Kopfschmerzen

Haben Sie etwas gegen meine Kopfschmerzen?“ Eine alltägliche Frage in der Apotheke, doch dahinter kann sich von harmloser Verspannung bis zum medizinischen Notfall alles verbergen. Wichtig ist, rasch zu erkennen, wann Selbstmedikation ausreicht und wann sofortige ärztliche Abklärung nötig ist. Bestimmte Warnsignale helfen bei dieser Einschätzung.

Primär oder sekundär?

Zunächst sollte eingeordnet werden, ob es sich um einen primären oder sekundären Kopfschmerz handelt. Die drei häufigsten primären Kopfschmerzarten sind Migräne, Kopfschmerz vom Spannungstyp (KST) und Clusterkopfschmerz.

Migräne1: wiederkehrender, oft einseitiger, pulsierender Kopfschmerz von mittelstarker bis starker Intensität, oft in Kombination mit Begleitsymptomen wie Übelkeit oder Überempfindlichkeit, bei besonderem Leidensdruck oder Risiko eines Medikamentenübergebrauchs wird prophylaktisch behandelt, Dauer: 4–72 Stunden, verschlimmert durch Bewegung

KST2: Schmerzen im ganzen Kopf, an der Stirn, im Hinterkopf, bandförmig um den Kopf oder wie eine Schraubzwinge, geringe bis mittelstarke Intensität, keine Begleitsymptome, erfordert bei chronischem Verlauf eine vorbeugende Behandlung, Dauer: 30 Minuten bis 7 Tage, nicht verschlimmert durch Bewegung

Clusterkopfschmerzen3: selten, besonders heftig, streng einseitige, meist im oder um das Auge lokalisierte Schmerzen („wie ein Messer oder glühender Schürhaken“), Begleitsymptome betreffen etwa das Auge oder die Nase auf der Seite des Schmerzes, aufgrund der Häufigkeit und Intensität vorbeugende Behandlung erforderlich, 15–180 Minuten, Bewegungsdrang

Red Flags nach SNNOOP

Die SNNOOP-Kriterien sind Warnzeichen, die auf eine zugrunde liegende sekundäre Ursache für akute oder subakute Kopfschmerzen hindeuten können.4 Diese sind:

  1. systemische Symptome inkl. Fieber
  2. Neoplasie-Anamnese
  3. neurologische fokale Ausfälle (z.B. Bewusstseinsminderung)
  4. plötzlicher Beginn
  5. höheres Alter (>50 Jahre)
  6. Kopfschmerzmuster verändert sich
  7. positionsabhängige Kopfschmerzen
  8. Niesen, Husten oder körperliche Anstrengung als Auslöser
  9. Schwangerschaft oder Wochenbett
  10. schmerzhafte Augen mit autonomen Merkmalen
  11. posttraumatisches Auftreten
  12. Erkrankung des Immunsystems (z. B. HIV, T-Zell-Lymphom)
  13. medikamenteninduzierter Kopfschmerz (Medication Overuse Headache, MOH) oder Medikamentenwechsel

Ärztlichen Rat einholen

Treten die Kopfschmerzen öfter als zwei- bis dreimal pro Monat auf oder nehmen Dauer und Stärke der Beschwerden trotz Behandlung zu, ist ein:e Ärzt:in zu konsultieren. Ebenso verhält es sich, wenn die bisher verwendeten Schmerzmittel nicht mehr ausreichend wirken oder die Dosis laufend erhöht werden muss.

Vorsicht vor MOH

Kriterien: Kopfschmerzen an ≥15 Tagen/Monat bei vorbestehender Kopfschmerzerkrankung, Übergebrauch von Medikamenten zur Akuttherapie oder symptomatischen Behandlung von Kopfschmerzen über 3 Monate

Definition des Übergebrauchs: Nichtopioid-Analgetika (z.B. NSAR, ASS, Paracetamol) an ≥15 Tagen/Monat oder Kombinationsanalgetika, Triptane, Mutterkornalkaloide oder Opioide an ≥ 10 Tagen/Monat

Typische Warnsignale: Kopfschmerzen treten häufiger auf, Patient:innen erhöhen Medikamentendosis oder Einnahmehäufigkeit, regelmäßige Nachkäufe fallen auf.

In der Beratung: Bei Verdacht das Gespräch suchen und auf ärztliche Abklärung hinweisen. Die Therapie besteht zunächst aus Einnahmereduktion sowie Schulung und Beratung, bei Therapieresistenz oder Rückfall nach frühem Therapieerfolg ist jedoch eine ambulante oder stationäre Behandlung erforderlich.5