Was oft als gelegentlicher Genuss beginnt, entwickelt sich schleichend zur Abhängigkeit. Laut der letzten Österreichischen Gesundheitsbefragung (2019) rauchen 23,7 % der Männer und 17,9 % der Frauen über 16 Jahre täglich. Ermutigend ist jedoch die positive Entwicklung: Die Zahl der männlichen Raucher ist seit 1972 von 38,7 % kontinuierlich gesunken.1 Ebenso erfreulich ist die steigende Zahl ehemaliger Raucher:innen. Um noch mehr Menschen auf ihrem Weg in einen nachhaltig rauchfreien Alltag zu unterstützen, stehen in der Apotheke verschiedene wirksame Optionen zur Verfügung.
Ziel der Nikotinersatztherapie ist es, die Motivation zum Rauchen sowie die physiologischen und psychomotorischen Entzugserscheinungen zu reduzieren und damit die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Abstinenz zu erhöhen. Aufgrund des First-Pass-Effekts von Nikotin in der Leber ist die orale Gabe von Tabletten nicht sinnvoll. Um diesen zu umgehen, wird der Wirkstoff bei Nikotinersatzprodukten entweder über die Mund- oder Nasenschleimhaut oder über die Haut resorbiert. Die Auswahl aus Kaugummis, Lutschtabletten, Sublingualtabletten, Sprays oder transdermalen Pflastern erlaubt eine Wahl nach individueller Präferenz.
Ein Cochrane Review aus dem Jahr 2019 untersuchte die Wirksamkeit von Nikotinersatztherapien bei der Raucherentwöhnung. In die Analyse flossen 133 Studien mit insgesamt 64.640 Teilnehmenden ein. Die Ergebnisse sind eindeutig: Personen, die Nikotinersatzprodukte verwendeten, hatten eine bis zu 60 % höhere Chance, mit dem Rauchen aufzuhören, als jene ohne solche Produkte. Alle untersuchten Formen der Nikotinersatztherapie – Kaugummis, Pflaster, Nasensprays, Inhalatoren und Sublingualtabletten – zeigten positive Effekte. Unabhängig von der gewählten Darreichungsform gelang es den Teilnehmenden mit Nikotinersatz häufiger, dauerhaft rauchfrei zu werden. Die Wirksamkeit zeigte sich sowohl mit als auch ohne zusätzliche Beratung. Da für die Abgabe der Produkte kein ärztliches Rezept erforderlich ist, stellt die Methode eine niederschwellige und leicht zugängliche Therapieform dar. Die Nebenwirkungen variierten je nach Produkt. Während Pflaster gelegentlich Hautirritationen verursachten, konnten Kaugummis oder Sublingualtabletten zu Reizungen der Mundschleimhaut führen. Ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte wurde im Rahmen der Analyse nicht festgestellt.2
Eine Zigarette enthält durchschnittlich 10 mg Nikotin, wovon bis zu 2 mg vom Körper aufgenommen werden. Sprays, Tabletten und Kaugummis, die bei akutem Verlangen eingenommen werden, orientieren sich an dieser Dosierung. Bei Pflastern hingegen wird je nach individuellem Rauchverhalten die passende Dosierung gewählt und im Verlauf der Therapie schrittweise gesenkt.3
Der Weg in ein rauchfreies Leben lässt sich durch zusätzliche Hilfsmittel und soziale Unterstützung deutlich erleichtern. Digitale Helfer wie Rauchfrei-Apps bieten unterschiedliche Programme, Motivation und die Möglichkeit, Fortschritte zu dokumentieren und finanzielle Einsparungen zu visualisieren. Ein Rauchtagebuch hilft dabei, Auslöser und Risikosituationen zu erkennen und bewusster damit umzugehen. Besonders wertvoll ist die Unterstützung durch Freund:innen und Familie: Das soziale Umfeld kann motivieren, in schwierigen Momenten Rückhalt bieten und beim Schritt in ein rauchfreies Leben helfen.
Wichtig ist dabei, konkret zu kommunizieren, welche Art von Unterstützung gewünscht wird – sei es ein offenes Ohr, gemeinsame Ablenkung oder einfach Verständnis für schwierige Phasen. Die Kombination aus Nikotinersatztherapie, digitalen Tools und sozialem Rückhalt erhöht die Erfolgschancen für einen dauerhaften Rauchstopp. Wer zusätzliche professionelle Begleitung benötigt, kann sich an Beratungsstellen, Psycholog:innen oder Sozialversicherungen wenden.