Mikronährstoffe als Helfer

Die Prävalenz allergischer Erkrankungen hat in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. Ein möglicher Faktor sind weit verbreitete Mikronährstoffmängel, die proinflammatorisch wirken und das Immunsystem empfindlicher gegenüber Allergenen machen können. Neben der etablierten pharmakologischen Therapie rücken daher zunehmend diätetische Ansätze in den Fokus der allergologischen Forschung. Besonders Mikronährstoffe mit immunmodulatorischen Eigenschaften werden als ergänzende Therapieoption diskutiert. Bei allergischen Reaktionen sind nicht nur die Betroffenen stark belastet, sondern auch die Immunzellen geraten zunehmend an ihre Belastungsgrenze. Die dauerhafte Entzündung führt zu einem Nährstoffmangel in den Zellen, da chronisch inflammatorische Prozesse mit erhöhtem oxidativem Stress und einem gesteigerten Verbrauch an Antioxidanzien und Kofaktoren einhergehen.2

Hilfreiche Nahrungsergänzungsmittel

Damit wird die Bedeutung einer adäquaten Versorgung mit antioxidativ wirksamen Vitaminen und Spurenelementen wie Vitamin C, Vitamin E, Zink, Selen sowie ausgewählten B-Vitaminen deutlich, die für zellulären Schutz und eine normale Immunfunktion essenziell sind. Besonders Vitamin C, Vitamin D und Zink haben sich in Studien als Schlüsselmikronährstoffe herauskristallisiert, da sie sowohl die Barrierefunktion von Haut und Schleimhäuten unterstützen als auch oxidativen Stress und die Produktion proinflammatorischer Mediatoren beeinflussen. Zunehmend rückt dabei auch Eisen in den Fokus. Ein funktioneller Eisenmangel kann die Th2-Polarisierung fördern und damit die Entwicklung und Ausprägung allergischer Reaktionen begünstigen. Studien deuten darauf hin, dass Eisenmangel das Immunsystem in eine Art Dauer-Alarmbereitschaft versetzt und so überschießende Immunantworten begünstigen kann. Eine gezielte Optimierung des Eisenstatus wird daher als vielversprechender Ansatz diskutiert, um die Symptomlast bei allergischen Patient:innen zu verringern und das Immunsystem zu beruhigen.

Tragant unter der Lupe

Ergänzend gewinnt Tragant (Astragalus membranaceus) als pflanzliche Option mit immunmodulierenden Eigenschaften an Bedeutung. Präklinische Studienergebnisse aus dem Jahr 2025 zeigen, dass ein Extrakt aus mongolischen Tragant-Blättern die Freisetzung von Histamin und Leukotrien B4 aus stimulierten Mastzellen während einer allergischen Reaktion unterdrückt, indem es den Einstrom von Kalziumionen hemmt und die Expression von 5-Lipoxygenase herunterreguliert. Darüber hinaus hemmt der Extrakt die Freisetzung von Stickstoffmonoxid, Prostaglandin E2 und Zytokinen aus stimulierten Makrophagen im Rahmen einer Entzündungsreaktion. Interessanterweise zeigte der Blattextrakt im Vergleich zum Wurzelextrakt eine stärkere Hemmwirkung.3 Diese Daten legen nahe, dass Tragant-Blätter ein relevantes therapeutisches Potenzial zur Linderung allergischer Entzündungsprozesse haben.

Ausblick

Durch eine strukturierte Anamnese, die gezielte Erfassung möglicher Mikronährstoffmängel und eine evidenzbasierte Empfehlung geeigneter Präparate lassen sich pharmakologische Therapien in der Apotheke sinnvoll ergänzen. Gleichzeitig ist auf potenzielle Interaktionen, Kontraindikationen und eine angemessene Einnahmedauer zu achten, um die Sicherheit der Patient:innen zu gewährleisten. So können Mikronährstoffe und ausgewählte Phytopharmaka wie Tragant zu einem festen Bestandteil eines individuellen, ganzheitlichen Behandlungskonzeptes für allergische Patient:innen werden.