Die gewöhnliche Erkältung ist eine akute, selbstlimitierende virale Infektion der oberen Atemwege, die primär Nase, Nebenhöhlen, Pharynx und Larynx betrifft. Über 200 verschiedene Viren, vor allem Rhinoviren (30–80% der Fälle), können Erkältungen auslösen. Beim natürlichen Verlauf beträgt die Inkubationszeit der Rhinoviren typischerweise 1–3 Tage. Nach weiteren 1–3 Tagen erreichen die Symptome ihren Höhepunkt, und in der Regel dauern die Beschwerden 7–10 Tage an. Im Kindesalter tritt neben Halsschmerzen, Rhinorrhö und Husten häufig Fieber auf, bei Erwachsenen ist Fieber jedoch nur selten der Fall – und wenn, dann moderat. Des Weiteren werden Erkältungen, besonders im Kidesalter, häufig von Ohrenschmerzen oder Mittelohrentzündungen begleitet.1 Für die Mehrzahl unkomplizierter Erkältungskrankheiten steht die evidenzbasierte symptomatische Behandlung im Vordergrund, ergänzt durch gut belegte adjuvante und phytotherapeutische Optionen. Eine frühzeitige, zielgerichtete Selbstmedikation kann Symptomlast und Krankheitsdauer reduzieren, Komplikationen vorbeugen und unnötige Arztbesuche sowie Antibiotikaverordnungen vermeiden.
Neben medikamentösen Optionen bilden nichtmedikamentöse Maßnahmen die Grundlage einer effektiven Erkältungstherapie. Eine konsequente Handhygiene reduziert die Übertragung, wobei regelmäßiges Händewaschen mit Seife effektiver als Desinfektionsmittel ist. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2–3 Liter/Tag bei Erwachsenen, angepasst bei Kindern) verhindert Schleimhauttrockenheit und erleichtert den Abtransport von Sekret. Luftbefeuchtung mindert Reizhusten und Nasenatmungsschwierigkeiten, besonders in beheizten Räumen. Nasenspülungen mit isotonischer Kochsalzlösung verbessern die mukoziliäre Clearance signifikant und sind für alle Altersgruppen geeignet.2
Evidenzbasierte symptomatische Behandlungen sind:
Darüber hinaus konnten pflanzliche und adjuvante Therapien in Studien positive Effekte zeigen, sofern sie frühzeitig eingesetzt wurden.
Die Kombination aus Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus) und Meerrettich (Armoracia rusticana) ist in Österreich als pflanzliches Arzneimittel für die Behandlung akuter, unkomplizierter Infektionen der Atemwege und Harnwege zugelassen und wird in der Selbstmedikation häufig eingesetzt. Die enthaltenen Glucosinolate werden zu Isothiocyanaten (Senfölen) metabolisiert, die antibakterielle, antivirale, antiinflammatorische und immunmodulatorische Effekte zeigen. In vitro wurde eine breite antibakterielle Wirkung gegen klinisch relevante Erreger nachgewiesen. Extrakte der beiden Pflanzen können darüber hinaus Entzündungsprozesse hemmen und somit zur Linderung von Entzündungsreaktionen in den Atemwegen beitragen.3,4 Für die Selbstmedikation bedeutet dies, dass standardisierte Senfölglykosid-Präparate eine phytotherapeutische Option bei akuten unkomplizierten Atemwegsinfekten darstellen können, sofern sie frühzeitig eingesetzt werden und die übliche Anwendungsdauer beachtet wird. Randomisierte Studien belegen eine Symptomreduktion bei akuter Bronchitis und Rhinosinusitis, vergleichbar mit Antibiotika bei besserem Sicherheitsprofil.5
Zink spielt eine wichtige Rolle in der angeborenen und adaptiven Immunantwort und wird daher häufig in der Prävention und Behandlung von Erkältungskrankheiten eingesetzt. Metaanalysen zeigen, dass die längerfristige prophylaktische tägliche Supplementierung von 10–15 mg Zinksulfat (besonders im Kindesalter) die Inzidenz von Erkältungsepisoden um 30–40% sowie schulische Fehlzeiten und Antibiotikaverschreibungen deutlich reduziert. Im Erwachsenenalter verkürzt Zink in therapeutisch wirksamer Dosierung (innerhalb 24 Stunden nach Symptombeginn, ≥75 mg/Tag Zinkacetat/-gluconat) die Erkältungsdauer um ca. 33%. In der Beratung an der Tara sollten mögliche Wechselwirkungen (z.B. mit Eisenpräparaten) berücksichtigt werden.2,6,7
Kinder erleiden bis zum Schulalter jährlich 8–12 Erkältungsepisoden. Apotheker:innen kommt eine Schlüsselrolle zu, Eltern bei der Auswahl altersgerechter Präparate zu unterstützen und auf Warnzeichen hinzuweisen: Fieber >3 Tage, Dyspnoe, Apathie, starke Ohrenschmerzen oder reduzierter Allgemeinzustand erfordern eine ärztliche Abklärung. Die Therapie konzentriert sich auf Fieber-, Schmerz- und Symptomlinderung. Grundmaßnahmen sind Ruhe, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Luftbefeuchtung. Kombinationen aus Antihistaminika/Dekongestiva/Analgetika zeigen bei Kindern ab 6 Jahren eine moderate Wirksamkeit. Äußerlich anzuwendende Balsame mit Kampfer, Menthol und Eukalyptusöl (ab 2 Jahre) verbessern die Schlafqualität bei Kindern und Eltern, bergen aber das Risiko einer Reizung von Haut, Nase und Augen.1