Markt für Abnehmmittel unter Druck

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Neue Pharmadaten zeigen einen Preiskampf bei modernen Abnehmmitteln. RELATUS analysiert, was sich tut und was Apotheken jetzt wissen müssen. 

Der Boom rund um Abnehmmedikamente verliert an Glanz. Was jahrelang als Wachstumswunder galt, entwickelt sich zunehmend zu einem harten Preiskampf – mit spürbaren Folgen für Hersteller, Investoren und perspektivisch auch für Apotheken. Auslöser der jüngsten Marktturbulenzen ist vor allem Novo Nordisk. Der dänische Konzern, lange Zeit Platzhirsch mit Wegovy und Ozempic, hat zu Wochenbeginn für 2026 einen Umsatz- und Gewinnrückgang von bis zu 13 Prozent in Aussicht gestellt. Analyst:innen hatten lediglich mit einem leichten Minus gerechnet, die Börse reagierte entsprechend nervös. 

Der Grundton ist klar: Abnehmmittel werden billiger. In den USA, dem wichtigsten Markt, sinken die Preise bereits deutlich. Analyst:innen von Morningstar erwarten für den Wirkstoff Semaglutid bis 2026 einen Preisrückgang von über 20 Prozent. Novo Nordisk selbst verweist auf zunehmenden Wettbewerb, auslaufende Patente außerhalb der USA und politischen Preisdruck durch staatliche Preisverhandlungen. Spitzenmanager Lars Rebien Sørensen warnt offen vor einem Szenario wie im Insulinmarkt, wo aggressive Rabattmodelle die Margen über Jahre ausgehöhlt haben. 

Der Wettbewerbsdruck kommt von allen Seiten. Eli Lilly hat Novo Nordisk mit Zepbound und Mounjaro Marktanteile abgenommen, Roche meldet vielversprechende Studiendaten für einen dualen GLP-1/GIP-Wirkstoff, und AstraZeneca, Pfizer sowie weitere Konzerne investieren Milliarden in neue Kandidaten. Besonders dynamisch ist die Entwicklung bei oralen Präparaten: Novo Nordisk hat Anfang 2026 eine Wegovy-Tablette in den USA eingeführt, die in der ersten Woche bereits über 18.000 Rezepte erreichte. Auch andere Hersteller forschen intensiv an Tabletten, um Injektionen zu ersetzen und neue Patientengruppen zu erschließen. 

Für Apotheken ist diese Entwicklung doppelt relevant. Kurzfristig bleibt die Nachfrage hoch, zumal potenziell niedrigere Einstiegspreise neue Kunden anziehen. Mittelfristig dürfte sich das Sortiment verbreitern: mehr Anbieter, mehr Darreichungsformen, mehr Austauschbarkeit. Gleichzeitig wächst der Beratungsbedarf, etwa bei der Abgrenzung zwischen verschiedenen Wirkmechanismen, Nebenwirkungsprofilen und Kombinationsoptionen mit Lebensstilprogrammen. 

An den Börsen wird der Markt inzwischen nüchterner bewertet. Viele Analyst:innen haben ihre Umsatzschätzungen für den globalen Adipositasmarkt gesenkt – von früher erwarteten 150 Milliarden Dollar auf eher 80 bis 105 Milliarden bis 2030. Das Wachstum bleibt attraktiv, aber nicht mehr grenzenlos. Für Apotheken bedeutet das: Abnehmmittel entwickeln sich vom exklusiven Blockbuster zum kompetitiven Therapiefeld. Wer sich früh auf Beratung, Schulung und strukturierte Begleitangebote einstellt, kann von sinkenden Preisen und steigenden Volumina profitieren – auch wenn die goldenen Zeiten für die Hersteller vorerst vorbei sind. (rüm)