© ORF/Screenshot Das Problem der Arzneimittelengpässe in Österreich wird sich nicht so rasch lösen, heißt es aus der Pharmaindustrie. Die US-Politik werde aber sicher zu höheren Preisen in Österreich führen.
Trotz politischer Versprechen und neuer Vorschriften kämpft Österreich weiterhin Winter für Winter mit Engpässen bei wichtigen Medikamenten. Zuletzt hat der Großhandelsverband Phago davon gesprochen, dass man bei 1300 Medikamenten das eine oder andere Problem mit dem Nachschub habe. Während die Politik auf nationale Lagerhaltung setzt, sieht die Pharmaindustrie die Ursachen tiefer liegend. Alexander Herzog, Generalsekretär des Verbands der Pharmazeutischen Industrie (PHARMIG), verteidigte am Donnerstagabend im ORF -ZiB2-Interview die Branche damit, dass etwa 98 bis 99 Prozent aller Präparate in Österreich gut verfügbar seien. Ein Lieferproblem sei zudem nicht automatisch ein Versorgungsproblem, da Großhändler und Apotheken oft noch Bestände hätten. Dennoch betreffen die Engpässe, die „etwa ein Prozent der Medikamente“ ausmachen unzählige Patient:innen direkt.
Die neue Regelung, die seit April 2025 eine viermonatige Bevorratung vorschreibt, hat die Situation laut Herzog jedoch nicht grundlegend verbessert. Er erklärte, die Pharmaindustrie habe wiederholt darauf hingewiesen, dass eine rein nationale Lagerhaltung das Kernproblem nicht löse. Man könne nur einlagern, was auch verfügbar sei. Bei globalen Lieferkettenproblemen blieben die Lager leer. Die eigentliche Ursache sieht die Industrie im massiven Preisdruck des Gesundheitssystems, insbesondere bei patentfreien, rezeptpflichtigen Medikamenten. Dieser Druck habe über Jahre zu einer Abwanderung der Produktion in den Fernen Osten geführt, was die Lieferketten anfällig mache.
Eine weitere Herausforderung kündigt sich wie berichtet aus den USA an. Die von US-Präsident Donald Trump initiierte Plattform „Trump.Rx“ für günstigere Medikamente zielt darauf ab, die hohen Preise in den Vereinigten Staaten zu senken. Herzog bestätigte, dass das Preisniveau für Medikamente in Europa durch staatlich regulierte Einkaufssysteme extrem niedrig sei, während Patient:innenen in den USA deutlich mehr zahlten. Die Konsequenz für Europa wird laut Herzog spürbar sein: Finanzielle Einbußen auf dem US-Markt könnten die Unternehmen durch höhere Preise in Europa ausgleichen. „Speziell die neuen, speziell die hochinnovativen Produkte“, so Herzog, „werden bei uns in Zukunft nur zu einem ganz anderen Preispunkt, der deutlich höher sein wird, zur Verfügung stehen.“ Die genaue Höhe der Preissteigerungen sei zwar noch Verhandlungssache, doch ein deutlicher Anstieg sei „unausweichlich“. (rüm)