Die Menopause ist durch einen kontinuierlichen Abfall der Östrogen- und Progesteronspiegel gekennzeichnet. Dieser hormonelle Umbruch vollzieht sich in mehreren Phasen: In der Perimenopause treten zunächst unregelmäßige Blutungen auf. Als Menopause bezeichnet man den Zeitpunkt 12 Monate nach der letzten Menstruation – ab dann bleiben die Blutungen postmenopausal dauerhaft aus.
Die hormonellen Veränderungen manifestieren sich auf unterschiedlichste Weise:
Vasomotorische Symptome wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche sind die häufigsten klinischen Anzeichen des menopausalen Übergangs. Etwa 50 % der perimenopausalen und sogar 80 % der postmenopausalen Frauen sind davon betroffen.
Schlafstörungen beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich: Rund 60 % der postmenopausalen Frauen leiden unter Insomnie oder verringerter Schlafqualität.
Urogenitale Beschwerden umfassen vaginale Trockenheit, Juckreiz und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie). Hinzu kommen Harnwegsbeschwerden wie Harninkontinenz und wiederkehrende Harnwegsinfekte.
Psychische Veränderungen, kognitive Beeinträchtigungen und Libidoverlust werden ebenfalls häufig geschildert.
Die Hormonersatztherapie (HRT) gilt als Goldstandard für Frauen im hormonellen Wechsel. Ihr Ziel ist nicht die Wiederherstellung des physiologischen Zustandes, sondern die gezielte Behandlung von Erkrankungen und Symptomen. Bei Kontraindikationen oder wenn Patientinnen andere Präferenzen haben, können jedoch auch alternative Therapieformen nachweislich Linderung verschaffen.1
Die HRT ist laut aktueller S3-Leitlinie die effektivste Behandlung bei vasomotorischen Beschwerden. Unabhängig von der Anwendungsform kann sie die Häufigkeit von Hitzewallungen um etwa 75 % reduzieren.1
Als weitere Option steht der Neurokinin-3-Rezeptorantagonist Fezolinetant zur Verfügung, der ebenfalls eine nachweisliche Senkung vasomotorischer Symptome bewirkt. Allerdings ist er für Patientinnen mit Leberschädigungen kontraindiziert. Für Frauen mit Kontraindikationen gegen HRT eignen sich bestimmte Antidepressiva wie Paroxetin oder Venlafaxin sowie Gabapentin. Diese Wirkstoffe reduzieren die Symptome, indem sie das Wärmeregulationszentrum im Hypothalamus stabilisieren.2
Im phytotherapeutischen Bereich sind Traubensilberkerze, Rhapontik-Rhabarber, Isoflavone und Johanniskraut einsetzbar. Johanniskraut wird vor allem bei Frauen mit Brustkrebshistorie als beste Option empfohlen.1
Die kognitive Verhaltenstherapie führt zu einer signifikanten Reduktion der Beeinträchtigung durch begleitende menopausale Beschwerden. Ergänzend können Baldrianwurzel, standardisierte Extrakte aus Rhapontik-Rhabarber-Wurzel oder Melatonin in Erwägung gezogen werden.
Das genitourinäre Menopausensyndrom (GSM) umfasst alle menopausalen Symptome, die Scheide, Vulva und Harnwege betreffen. In der Beratung ist es wichtig, einen geschützten Rahmen zu schaffen, in dem Frauen offen über sexuelle Probleme sprechen können. Gezielt sollte erfragt werden, ob Scheidentrockenheit vorhanden ist und zu Beschwerden führt.1
Bei der Behandlung urogenitaler Atrophie steht die lokale Therapie im Vordergrund. Befeuchtungs- und Gleitmittel können allein oder kombiniert mit einer vaginalen Östrogentherapie (ET) angeboten werden, um Juckreiz, Trockenheit und Dyspareunie zu lindern.
Bei Harninkontinenz wird postmenopausalen Patientinnen Beckenbodentraining in Kombination mit vaginaler ET empfohlen. Wenn urologische Erkrankungen ausgeschlossen wurden, scheinen bei überaktiver Blase Östrogene in Kombination mit Antimuskarinika positive Effekte zu erzielen.
Aufgrund der Veränderung des Vaginalmilieus steigt bei postmenopausalen Frauen die Anfälligkeit für Harnwegsinfekte. Bei rezidivierenden Infekten sollte vor Beginn einer antibiotischen Langzeitprävention eine vaginale ET durchgeführt werden – eine orale ET reduziert die Rezidivrate hingegen nicht.
Unterstützend können D-Mannose, Cranberry, vaginal applizierte Laktobazillen sowie pflanzliche Extrakte wie Arbutin oder Berberin wirken.
Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit oder Ängste können je nach Art und Schwere der Beschwerden unterschiedlich behandelt werden. Bei einer diagnostizierten Depression wird diese den Leitlinien für Depressionen entsprechend therapiert. Für Frauen mit Stimmungsschwankungen, bei denen keine eindeutige Depression diagnostiziert wurde, gibt es laut Leitlinie keine belegte Wirksamkeit für den Einsatz von SSRI oder SNRI. Zudem wird darauf hingewiesen, dass der ursächliche Zusammenhang zwischen hormonellen Veränderungen und Symptomen wie depressiver Verstimmung oder innerer Unruhe wissenschaftlich schwer eindeutig zu belegen ist, da viele andere Faktoren – wie das soziale Netzwerk oder die allgemeine Gesundheit – ebenfalls eine Rolle spielen. Bei Veränderungen der sexuellen Funktion (beispielsweise Libidoverlust), die oft eine psychische Komponente haben, wird eine psychosexuelle Exploration oder eine psycho- beziehungsweise sexualtherapeutische Behandlung empfohlen.1