Entscheidungshilfen für die Beratung

Der gewöhnliche Schnupfen ist eine milde, selbstbegrenzende Virusinfektion der oberen Atemwege, die vor allem Nase, Nasennebenhöhlen, Rachen und Kehlkopf betrifft und als häufigste Infektionskrankheit weltweit gilt. Die Symptomatik klingt meist innerhalb von Tagen bis etwa einer Woche spontan ab. Dennoch besteht eine starke Überschneidung der Symptome mit der allergischen Rhinitis, weshalb diese eine der wichtigsten Differenzialdiagnosen darstellt.

Gemeinsamkeiten und Verwechslungsgefahr

Beide Erkrankungen äußern sich durch verstopfte Nase, wässrigen Nasenausfluss und Niesen. Aufgrund dieser Ähnlichkeiten ist eine klare Trennung zwischen viraler Infektion und Allergie allein anhand der Symptomatik häufig nicht möglich. Die zugrunde liegenden Mechanismen unterscheiden sich jedoch.

Botenstoffe: Bei der allergischen Rhinitis ist Histamin der Hauptmediator, der Juckreiz, Schwellung und gesteigerte Sekretion auslöst. Beim viralen Schnupfen spielt Histamin hingegen keine zentrale Rolle, hier werden die Symptome primär durch Stoffe wie Bradykinin und Prostaglandine verursacht.

Sekret: Beim viralen Schnupfen ist die Rhinorrhö anfangs meist wässrig und wird im Verlauf zunehmend dickflüssiger, teils eitrig. Ein eitriges, verfärbtes Sekret kann bei Kindern auch bei unkomplizierten Virusinfektionen auftreten und bedeutet nicht automatisch eine bakterielle Superinfektion. Die allergische Rhinitis dagegen zeichnet sich typischerweise durch klar wässrige Rhinorrhö, Niesen und Nasenobstruktion bei fehlendem Fieber aus. Da das Sekret bei einem viralen Infekt anfangs ebenfalls wässrig schimmern kann, ist in der Praxis oft keine eindeutige Unterscheidung möglich.

Was in der Apotheke wichtig ist

In der Selbstmedikation ist eine exakte Unterscheidung zwischen viralem Schnupfen und allergischer Rhinitis nicht immer möglich – aber bestimmte Hinweise können das Risiko einer Fehlbehandlung deutlich reduzieren. Wichtige Fragen sind:

  • Seit wann bestehen die Beschwerden (akut innerhalb von Tagen vs. Wochen/Monate, saisonal oder konstant)?
  • Gibt es Fieber, Gliederschmerzen oder deutliche Allgemeinsymptomatik („Erkältungsgefühl“)? Das alles spricht eher für eine virale Infektion.
  • Treten die Beschwerden vor allem in bestimmten Situationen auf (z.B. Pollensaison, im Haushalt mit Haustier, in staubiger Umgebung) oder ortsunabhängig?
  • Ist eine bekannte Allergie (Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis) dokumentiert?

Hinweise auf eine allergische Rhinitis sind: fehlendes Fieber, wiederkehrende oder persistierende Symptome, Juckreiz in der Nase, den Augen oder im Rachen und meist klar wässriger Sekretfluss. Zeichen einer komplexeren viralen Infektion (anhaltendes Fieber, deutlicher Gesichtsdruck, starke Schwellung oder einseitige Beschwerden) sollten zum Arztbesuch führen. Ebenfalls ärztlich abklären lassen sollten sich Patient:innen mit länger bestehender Nasenobstruktion, einseitigen Beschwerden, blutigem Sekret oder Verschlechterung trotz anamnestisch adäquater Selbstbehandlung.

Weitere Differenzialdiagnosen

Neben viralen Infekten und allergischer Rhinitis kommen weitere Formen in Betracht. Dazu gehören die vasomotorische Rhinitis, ausgelöst durch Temperaturwechsel, trockene Luft oder Gerüche, sowie die medikamenteninduzierte Rhinitis durch häufigen oder längerfristigen Gebrauch abschwellender Nasensprays, die eine Rebound-Schwellung verursachen können. Hinzu kommen hormonelle Ursachen (z.B. Schwangerschafts- oder schilddrüsenbedingte Rhinitis) sowie strukturelle Ursachen wie Nasenscheidewandverkrümmung oder Polypen. Bei persistierenden, einseitigen oder therapieresistenten Beschwerden sollte Patient:innen eine ärztliche Abklärung empfohlen werden.

Therapie der Erkältung

Die Basis der Therapie des viralen Schnupfens sind ausreichende körperliche Schonung und viel Flüssigkeitszufuhr. Da Erkältungen fast ausschließlich viral sind, sind Antibiotika wirkungslos. Ihr nichtindizierter Einsatz fördert resistente Keime und sollte vermieden werden. Schmerzmittel und Fiebersenker wie Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure lindern Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber. Dekongestivahaltige Nasensprays oder -tropfen können kurzfristig die Nasengänge befreien, sollten aber nicht längerfristig eingesetzt werden, um eine Rebound-Rhinitis zu vermeiden. Nasenspülungen mit isotonischen oder hypertonischen Kochsalzlösungen helfen, Schleim und Pathogene zu entfernen und die Schleimhaut zu befeuchten. Phytopräparate aus Echinacea, Thymian, Efeu, Primel oder Kapland-Pelargonie sowie mentholhaltige Salben, auf Brust und Rücken aufgetragen, können zur symptomatischen Unterstützung bei Atemwegsinfekten und Hustenreiz eingesetzt werden.

Therapie der Allergie

Zunächst steht die weitestgehende Vermeidung bekannter Auslöser im Vordergrund. Am Beginn der Pollensaison bedeutet das: Fenster geschlossen halten, Outdoorkleidung in der Wohnung ausziehen und Nutzung von Luftreinigern mit HEPA-Filtern. Die Pharmakotherapie richtet sich dann nach Schweregrad und Präferenzen. Antihistaminika der zweiten Generation werden häufig eingesetzt und wirken intranasal besonders schnell. Intranasale Kortikosteroide (INCS) gelten als Erstlinientherapie bei allergischer Rhinitis und verbessern zudem die Schlafqualität. Kombinationen aus Antihistaminika und INCS sind Monotherapien überlegen und bei moderaten bis schweren Formen empfohlen. Dekongestiva wie Pseudoephedrin oder Xylometazolin können kurzfristig begleitend eingesetzt werden, um eine bessere lokale Wirkung der INCS zu ermöglichen. Als einzige krankheitsmodifizierende Behandlung steht die Allergenimmuntherapie zur Verfügung, insbesondere bei Patient:innen mit moderat bis schwer ausgeprägten Symptomen, die auf herkömmliche Therapien nicht ansprechen.

Zusammenhang mit Asthma

Sowohl virale Infektionen als auch Allergien sind eng mit Asthma verbunden. Die allergische Rhinitis der oberen Atemwege kann beim Etagenwechsel zu einem allergischen Asthma der unteren Atemwege führen. Ein durch Rhinoviren verursachter Schnupfen kann hingegen Asthmaexazerbationen auslösen oder verstärken. Bei Kindern mit Asthma ist besondere Vorsicht geboten, da sich allergische und virale Komponenten gegenseitig verstärken und die Entzündung der Atemwege verschlimmern können. Patient:innen mit Asthma und Schnupfen sollten besonders gründlich beraten werden und bei Verschlechterung der Symptomatik ein:e Ärzt:in konsultieren.