© Kzenon – stock.adobe.com Apotheken als neue Drehscheibe der Prävention? Deutschland will kardiovaskuläre Früherkennung und zeigt so die Dynamik in der Weiterentwicklung pharmazeutischer Dienstleistungen in Europa.
Während in Österreich aktuell darüber diskutiert wird, dass Impfungen in Apotheken ermöglicht werden, geht Deutschland bereits einen Schritt weiter: Dort sollen Apotheken verstärkt auch in die Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingebunden werden. Das kündigt zumindest die deutsche Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in Interview mit der BILD-Zeitung an. Darin betont sie, Apotheken künftig als niedrigschwellige Anlaufstellen für Basisuntersuchungen wie Blutdruck-, Blutzucker- und Blutfettmessungen („3B“) etablieren zu wollen. Ziel sei es, die Prävention zu stärken und insbesondere Menschen zu erreichen, die klassische Vorsorgeangebote bislang nicht nutzen.
Die Idee hinter dem Vorstoß: Wenn für einfache Screening-Untersuchungen kein Arzttermin erforderlich ist, steigt die Inanspruchnahme. Gerade bei kardiovaskulären Risikofaktoren wie Hypertonie, Dyslipidämie oder erhöhtem Blutzucker bestehe nach wie vor eine erhebliche Dunkelziffer – auch bei jüngeren Bevölkerungsgruppen. Apotheken könnten hier durch ihre flächendeckende Präsenz und ihre hohe Zugänglichkeit eine wichtige Rolle spielen. Die Ministerin betont, dass bestehende Präventionsangebote stärker „in die Breite“ getragen werden müssten, um ihre Wirkung zu entfalten.
Vertreter:innen der Apothekerschaft begrüßen den Ansatz. Sie verweisen auf die bestehenden Kompetenzen im Bereich Beratung und Prävention sowie auf die Möglichkeit, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und Patient:innen gezielt an die ärztliche Versorgung weiterzuleiten. Kritisch fällt die Einschätzung seitens der Allgemeinmedizin aus. Markus Beier, Bundesvorsitzender des deutschen Hausärzteverbands, gibt zu bedenken, dass einzelne Messwerte ohne umfassende medizinische Einordnung zu Fehlinterpretationen und Verunsicherung führen könnten. Aus hausärztlicher Sicht ist die Bewertung kardiovaskulärer Risiken untrennbar mit einer ganzheitlichen Betrachtung verbunden – inklusive Anamnese, Komorbiditäten und weiterführender Diagnostik. (rüm)