Neue therapeutische Möglichkeiten in der Neuroonkologie

Im Gegensatz zu anderen, die Onkologie betreffenden Fächern, gab es in der Neuroonkologie lange keine neuen zugelassenen Therapien und so sind die meisten neuroonkologischen Erkrankungen weiterhin mit einer sehr schlechten Prognose vergesellschaftet. Durch intensive Forschung mit detaillierter molekularer Tumorcharakterisierung konnte im letzten Jahr endlich ein Durchbruch erzielt werden. Insgesamt kam es zu drei neuen Medikamentenzulassungen in Europa bzw. in den USA.

Für IDH-mutierte Gliome (vormals niedriggradige Gliome), die als Vortherapie lediglich eine Operation aufzuweisen haben und die nicht unmittelbar einer Radio- oder Chemotherapie bedürfen, wurde eine zielgerichtete Therapie, ein IDH-Inhibitor (Vorasidenib), zugelassen. In einer doppelblinden Phase-III-Studie (INDIGO-Studie) konnte ein deutlich längeres progressionsfreies Intervall sowie eine längere Zeit bis zur nächsten Intervention im Therapierarm gezeigt werden – und dies bei einem sehr guten Nebenwirkungsprofil. Für H3K27-mutierte diffuse Mittelliniengliome, die vor allem junge Erwachsene und Kinder betreffen, wurde ein oraler Dopamin-Rezeptor-D2 (DRD2)-Antagonist und ClpP-Agonist, im Rezidiv in den USA zugelassen. ONC201 (Dordaviprone) induziert Apoptose in Tumorzellen durch mitochondriale Dysfunktion und Inaktivierung von Akt/ERK-Signalen. Eine randomisierte Studie (ACTION-Studie) untersucht ONC201 auch bei neu diagnostizierten Patientinnen und Patienten nach der Strahlentherapie – ein Studieneinschluss ist auch in Österreich möglich. Zuletzt wurde Belzutifan, ein oraler HIF-2α-Inhibitor, zur Behandlung von Von-Hippel-Lindau (VHL)-assoziierten Tumoren zugelassen, für die lokale Therapien ungeeignet sind. Hierzu zählen Nierenzellkarzinome, neuroendokrine Pankreastumoren – und für die Neuroonkologie besonders interessant – Hämangioblastome des ZNS.